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Unfallbegriff > Hernien / Leistenbruch

Urteil 8C_601/2007 vom 10.01.2008 E. 2.1 (Volltext)

 

Bauch- und Unterleibsbrüche - dazu gehören unter anderem Leistenbrüche - sind nach medizinischer Erfahrungstatsache, ebenso wie die Diskushernien, in der Regel krankheitsbedingte Leiden und nur in seltenen Ausnahmefällen Unfallfolge.

 

Hernie:

 

Eine Hernie kann als unfallbedingt betrachtet werden,

  • wenn das Unfallereignis mit einer direkten, heftigen sowie bestimmten Einwirkung verbunden ist
  • und die schwerwiegenden Symptome der Hernie unverzüglich
  • und mit sofortiger, mindestens mehrstündiger Arbeitsunfähigkeit auftreten.

Leistenhernie:

 

Die Leistenhernie im Besonderen kann nur als unfallbedingt qualifiziert werden,

  • wenn anlässlich eines bestimmten einmaligen Ereignisses (Überanstrengung, unkoordinierte Bewegung, Sturz, Druck von aussen, usw.) ein angeborener Bruchsack erstmalig und plötzlich mit Eingeweiden gefüllt wurde.

Konkreter Sachverhalt:

  • Am 4. Januar 2006 stürzte er beim Tragen von drei Schachteln mit Weihnachtsschmuck und dem Tannenbaumfuss auf einer Treppe über ca. 7 Stufen hinunter.
  • Am 12. Februar 2006 begab er sich wegen seit drei Stunden bestehenden krampfartigen Unterbauchschmerzen und der Unmöglichkeit des Wasserlösens notfallmässig ins Spital X., wo als Hauptdiagnose ein Harnverhalt bei Verdacht auf Prostataproblematik, eine Inguinoskrotalhernie rechts und eine Inguianalhernie links festgestellt wurden.

Resultat: Der Unfallbegriff nicht erfüllt. Im Weiteren war der Versicherte im Unfallzeitpunkt 61-jährig, weshalb für die Entstehung der direkten Leistenhernie eine altersbedingte Schwäche der Bauchwandmuskulatur als wahrscheinlich erscheint (E. 3).