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Unfallbegriff > Kraftaufwand / Hexenschuss / Lumbago / Überanstrengung / Verhebetrauma

Grundsatz in der Pflege im Umgang mit Patienten:

 

Ungewöhnlicher äusserer Faktor verneint: 

 

Versicherte erleidet Verhebetrauma, als eine Harasse von 25 kg anfänglich klemmte und dadurch ein zusätzlicher Kraftaufwand und allenfalls auch ein Hin- und Herbewegen erforderlich war (Ausfallschritte nach hinten mit Halten des Gleichgewichts und der Harasse), um sie aus dem Regal zu lösen und anzuheben. - Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. Keine programmwidrig im Sinne einer ungewöhnlichen äusseren Einwirkung auf die Wirbelsäule, was zur Diskushernie führte (Urteil 8C_783/2013 vom 10.4.2014 E. 6.2).

 

Der Versicherte verspürte einen einschiessenden Schmerz im rechten Handgelenk, als er auf der Notfallstation zusammen mit vier weiteren Personen einen etwa 100 bis 120 kg schweren, auf einem Spineboard fixierten Patienten vom Bett auf einen CT-Tisch umlagerte (Urteil 8C_141/2013 vom 08.05.2013).

 

Säcke mit Erde zu ca. 25 kg getragen; plötzlich Schmerzen im Rücken (Urteil 8C_246/2011 vom 25.08.2011).

 

Die Versicherte begleitete im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit eine Rollstuhlpatientin zur Toilette. Die Versicherte stand dabei auf der einen Seite der Patientin und stützte diese, auf der anderen Seite begleitete eine Praktikantin die zu betreuende Person. Als die Patientin unvermittelt kollabierte, musste die Versicherte stärker zugreifen, wobei sie einen einschiessenden Schmerz in der Schulter verspürte. Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. Kein Auffangen; nur ein stärkeres Zugreifen (Urteil 8C_444/2009 vom 11.01.2010)

 

Verneint wurde ein Ereignis einer 39-jährigen, 62 Kilogramm schweren Krankenschwester, die unversehens das Gewicht einer 66 Kilogramm schweren Patientin auffangen musste (Urteil U 421/01 vom 15.01.2003).

 

Heben einer 30 kg schweren Lautsprecherbox (Urteil U 65/02 vom 13.12.2002).

 

Heben einer 85 kg schweren Steinplatte (Urteil U 7/00 vom 27.07.2001).

 

Heben eines 100 kg schweren Radiators (Urteil U 110/99 vom 12.04.2000).

 

Heben einer 200 kg schweren Glasscheibe (Urteil U 214/95 vom 23.12.1996).

 

Hilfswärter, der einen 100 bis 120 kg schweren Patienten vom Operationstisch in ein Bett umbettet, indem er die Unterlage, auf welcher der Patient lag, ziehen musste und dann Schmerzen im Rücken verspürte (BGE 116 V 139).

Ungewöhnlicher äusserer Faktor bejaht:

 

Eine demente Patientin lässt sich beim Gehen fallen, worauf sie die Krankenschwester aufgefangen habe. Das Auftreffen des Körpers der sich fallenlassenden Patientin gilt als Unfall (Urteil 8C_827/2007 vom 22.09.2008).

 

Ein Unfall bejaht wurde im Fall einer 35-jährigen, 57 Kilogramm schweren, Physiotherapeutin, welche einen 84 Kilogramm schweren Patienten, der das Gleichgewicht verloren hatte, auffing (Urteil U 166/04 vom 18.04.2005).

 

Ein Unfall bejaht wurde bei einer 49-jährigen Krankenschwester, welche zusammen mit einer Kollegin eine Patientin vom Bett auf einen Stuhl verlagern wollte, wobei die Kollegin ins Leere griff und unvermittelt das gesamte Gewicht der Patientin auf der Versicherten lastete (Urteil U 9/04 vom 15.10.2004).

 

Bejaht wurde der Unfallbegriff bei einer Gemeindekrankenschwester, die einen schwergewichtigen Patienten beim Transfer vom Bett ins den Rollstuhl vor dem unvermuteten Sturz bewahrte, indem sie ihn in Sekundenschnelle mit übermässigem Kraftaufwand (Verhebetrauma) in den bereitstehenden Rollstuhl zu setzen vermochte (RKUV 1994 S. 79).

 

Durch das Wegrollen eines Flügels hervorgerufener einseitiger Druck auf die Wirbelsäule (programmwidrige Drehbewegung) wird als ungewöhnlich eingestuft (RKUV 1991 S. 143).