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Invalidenrente > Kürzung der Invalidenrente ab ordentlichem Rentenalter

Grundsatz der Rentenkürzung ab Rentenalter

Kürzung der Invalidenrenten

Art. 20 Abs. 2ter UVG

 

Die Invalidenrente nach Absatz 1 und die Komplementärrente nach Absatz 2 einschliesslich der Teuerungszulagen werden in Abweichung von Artikel 69 ATSG beim Erreichen des ordentlichen Rentenalters für jedes volle Jahr, das der Versicherte zum Unfallzeitpunkt älter als 45 Jahre war, wie folgt gekürzt: 

  1. bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent: um 2 Prozentpunkte, höchstens aber um 40 Prozent; 
  2. bei einem Invaliditätsgrad unter 40 Prozent: um 1 Prozentpunkt, höchstens aber um 20 Prozent. 

Die Übergangsbestimmungen gelten nur für Unfälle, die sich bis 31.12.2016 ereignet haben. Unfälle ab 01.01.2017 sind gemäss Art. 20 Abs. 2ter UVG zu kürzen.

 

Zwei Berechnungsbeispiele eines Versicherten mit Geburtsdatum 20.04.1962:

 

Unfall am 01.05.2016 mit IV-Grad von 45 %: Rentenkürzung ab AHV-Alter gemäss Übergangsbestimmungen

  • Alter im Unfallzeitpunkt: 54 Jahre
  • Zeitspanne: 45 bis 54 Jahre = 9 Jahre
  • Kürzungssatz: 2 %
  • Kürzung: 9 x 2 % = 18 % davon 3/5 = 10.8 % 

Unfall am 01.05.2017 mit IV-Grad von 45 %: Rentenkürzung ab AHV-Alter gemäss Art. 20 Abs. 2ter UVG

  • Alter im Unfallzeitpunkt: 55 Jahre
  • Zeitspanne: 45 bis 55 Jahre = 10 Jahre
  • Kürzungssatz: 2 %
  • Kürzung: 10 x 2 % = 20 % 

Gegenstand der Rentenkürzung im Alter

Art. 33a UVV (Erläuterungen)

 

1 Die Kürzung nach Artikel 20 Absatz 2ter UVG erfolgt auf dem Betrag der Invalidenrente beziehungsweise der Komplementärrente einschliesslich der Teuerungszulagen.

 

2 Nach Anpassung der Komplementärrente nach Artikel 33 Absatz 2 oder der Teuerungszulagen erfolgt die Kürzung auf dem neuen Betrag.

Unfall vor Alter 45

Art. 20 Abs. 2ter UVG

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter Unfall: 38 Jahre
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • IV-Grad: 55 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 35'200

Rente ab AHV-Alter

  • Keine Kürzung

Unfall nach Alter 45

Art. 20 Abs. 2ter UVG

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter Unfall: 53 Jahre
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • IV-Grad: 55 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 35'200

Rente ab AHV-Alter

  • Invalidität 55 %: Kürzungssatz 2 %
  • Zeitspanne: 45 bis 53 Jahre
  • Ganze Jahre: 8
  • Kürzung: 8 x 2 % = 16 %

Rentenkürzung ab AHV-Alter bei mehreren Unfällen

Rentenkürzung im Alter bei mehreren Unfällen

Art. 33b UVV (Erläuterungen)

 

1 Erleidet der Bezüger einer Invalidenrente der Unfallversicherung einen weiteren versicherten Unfall, der zu einer höheren Invalidenrente führt, so wird die Kürzung nach Artikel 20 Absatz 2ter UVG für jeden Rententeil einzeln angewendet. Massgebend sind dabei: 

  1. das Alter des Versicherten im Zeitpunkt des jeweiligen Unfalls;
  2. für den Anteil des ersten Unfalls: der Betrag, den die Rente, die für den ersten Unfall gewährt wurde, bei Erreichen des Rentenalters hätte, wenn sie nicht aufgrund eines weiteren Unfalles erhöht worden wäre:
  3. für den Anteil des weiteren Unfalls: die Differenz zwischen dem Betrag nach Buchstabe b und dem effektiven Betrag bei Erreichen des Rentenalters.  

2 Für die Bestimmung des Prozentpunkt-Wertes der Kürzung pro Jahr ist der Grad der Gesamtinvalidität beim Erreichen des ordentlichen Rentenalters massgebend. Dieser Prozentpunkt-Wert ist an den gesamten Rentenbetrag anzulegen.

 

3 Bei der erstmaligen Rentenfestsetzung nach mehreren invalidisierenden Unfällen ist für die Bestimmung des Ausmasses der Kürzung das Alter des Versicherten im Zeitpunkt des ersten invalidisierenden Unfalles massgebend.

Erster Unfall vor Alter 45; zweiter Unfall nach Alter 45

Art. 33b Abs 1 und 2 UVV

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter erster Unfall: 38 Jahre
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • IV-Grad: 40 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 25'600
  • Alter zweiter Unfall: 56 Jahre
  • Gesamtinvalidität: 80 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 51'200

Rente ab AHV-Alter

  • Gesamtinvalidität 80 %: Kürzungssatz 2 %
  • Zeitspanne zweiter Unfall: 45 bis 56 Jahre
  • Ganze Jahre: 11 Jahre
  • Kürzung auf Rente zweiter Unfall: 11 x 2 % = 22 %

Erster und zweiter Unfall nach Alter 45

Art. 33b Abs 1 und 2 UVV

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter erster Unfall: 47 Jahre
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • IV-Grad: 40 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 25'600
  • Alter zweiter Unfall: 56 Jahre
  • Gesamtinvalidität: 80 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 51'200

Rente ab AHV-Alter

  • Gesamtinvalidität 80 %: Kürzungssatz 2 %
  • Zeitspanne erster Unfall: 45 bis 47 Jahre
  • Ganze Jahre: 2 Jahre
  • Kürzung auf Rente erster Unfall: 2 x 2 % = 4 %
  • Zeitspanne zweiter Unfall: 45 bis 56 Jahre
  • Ganze Jahre: 11 Jahre
  • Kürzung auf Rente zweiter Unfall: 11 x 2 % = 22 %

Zwei invalidisierende Unfälle nach Alter 45; einmalige Rentenfestsetzung

Art. 33b Abs 3 UVV

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter erster Unfall: 47 Jahre
  • Alter zweiter Unfall: 53 Jahre
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • IV-Grad: 55 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 35'200

Rente ab AHV-Alter

  • Gesamtinvalidität 55 %: Kürzungssatz 2 %
  • Zeitspanne erster Unfall: 45 bis 47 Jahre
  • Ganze Jahre: 2 Jahre
  • Kürzung auf Rente erster Unfall: 2 x 2 % = 4 %

Erster von zwei invalidisierenden Unfällen vor Alter 45; einmalige Rentenfestsetzung

Art. 33b Abs 3 UVV

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter erster Unfall: 43 Jahre
  • Alter zweiter Unfall: 53 Jahre
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • IV-Grad: 55 %
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 35'200

Rente ab AHV-Alter

  • Keine Rentenkürzung

Rentenkürzung ab AHV-Alter bei Rückfällen und Spätfolgen

Rentenkürzung im Alter bei Rückfällen und Spätfolgen

Art. 20 Abs. 2quater UVG

 

Für die Folgen von Rückfallen und Spätfolgen gelten die Kürzungsregelungen nach Absatz 2ter auch dann, wenn sich der Unfall vor Vollendung des 45. Altersjahres ereignet hat, sofern die durch den Rückfall oder die Spätfolgen bewirkte Arbeitsunfähigkeit nach Vollendung des 60. Altersjahres eingetreten ist.

Art. 33c UVV (Erläuterungen)

 

1 Massgebend für die Bestimmung des Ausmasses der Kürzung nach Artikel 20 Absatz 2quater UVG ist die Anzahl voller Jahre seit Vollendung des 45. Altersjahres bis zum Ausbruch der Arbeitsunfähigkeit nach Vollendung des 60. Altersjahres, die rentenwirksam wird. Der entsprechende Kürzungssatz findet auf die erstmalige Rente oder auf den Anteil der Erhöhung der vorbestehenden Rente Anwendung.

 

2 Die Kürzungsregeln von Absatz 1 finden auf rentenwirksame Rückfälle und Spätfolgen Anwendung unabhängig vom Alter im Zeitpunkt des Unfalls.

Unfall vor Alter 45; Rückfall nach Alter 60

Art. 20 Abs. 2 quater UVG, Art. 33c Abs. 1 und 2 UVV

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter Unfall (ohne Invalidität): 40 Jahre
  • Alter Rückfall: 61 Jahre
  • Durch Rückfall IV-Grad: 25 %
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 16'000

Rente ab AHV-Alter

  • Invalidität 25 %: Kürzungssatz 1 %
  • Zeitspanne: 45 bis 61 Jahre
  • Ganze Jahre: 16 Jahre
  • Kürzung auf Rente erster Unfall: 16 x 1 % = 16 %

Unfall nach Alter 45; Rückfall nach Alter 60

Art. 20 Abs. 2 quater UVG, Art. 33c Abs. 1 und 2 UVV

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter Unfall (ohne Invalidität): 50 Jahre
  • Alter Rückfall: 61 Jahre
  • Durch Rückfall IV-Grad: 25 %
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 16'000

Rente ab AHV-Alter

  • Invalidität 25 %: Kürzungssatz 1 %
  • Zeitspanne: 45 bis 61 Jahre
  • Ganze Jahre: 16 Jahre
  • Kürzung auf Rente erster Unfall: 16 x 1 % = 16 %

Unfall nach Alter 45; Rückfall vor Alter 60

Kein Anwendungsfall von Art. 20 Abs. 2quater UVG; Normalfall von Art. 20 Abs. 2ter UVG!

 

Rente bis AHV-Alter

  • Alter Unfall (ohne Invalidität): 50 Jahre
  • Alter Rückfall: 55 Jahre
  • Durch Rückfall IV-Grad: 25 %
  • Versicherter Verdienst: CHF 80'000
  • Jährliche UVG-Rente: CHF 16'000

Rente ab AHV-Alter

  • Invalidität 25 %: Kürzungssatz 1 %
  • Zeitspanne: 45 bis 50 Jahre
  • Ganze Jahre: 5 Jahre
  • Kürzung auf Rente erster Unfall: 5 x 1 % = 5 %

Übergangsbestimmungen für Unfälle bis 31.12.2016

Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25.09.2015

Ziffer II, Absatz 2 UVG

 

Invalidenrenten und Komplementärrenten nach Artikel 20 werden nach dem neuen Recht (Art. 20 Abs. 2ter) gekürzt, wenn der Bezüger einer solchen Rente das ordentliche Rentenalter zwölf Jahre oder mehr nach dem Inkrafttreten der vorliegenden Änderung erreicht.

 

Erreicht der Rentenbezüger das ordentliche Rentenalter weniger als acht Jahre nach dem Inkrafttreten, wird die Rente nicht gekürzt.

 

Renten von Rentenbezügern, die das ordentliche Rentenalter acht oder mehr Jahre, aber weniger als zwölf Jahre nach Inkrafttreten der vorliegenden Änderung erreichen, werden für jedes weitere, dem achten Jahr folgende ganze Jahr um einen Fünftel des Kürzungsbetrages nach dem neuen Recht gekürzt.

 

Die frei werdenden Deckungskapitalien sind zur Finanzierung von künftigen Teuerungszulagen oder von zusätzlich notwendigen Deckungskapitalien infolge einer Änderung der vom Bundesrat genehmigten Rechnungsgrundlagen zu verwenden.

Übergangsbestimmung zur Änderung vom 09.11.2016

Art. 147b UVV 

 

1 Der abgestufte Kürzungssatz nach Ziffer II Absatz 2 der Änderung vom 25. September 2015 des UVG findet wie folgt Anwendung:

  • a. wenn die Rentenbezüger das ordentliche Pensionierungsalter im Jahr 2025 erreichen: ein Fünftel;
  • b. wenn die Rentenbezüger das ordentliche Pensionierungsalter im Jahr 2026 erreichen: zwei Fünftel;
  • c. wenn die Rentenbezüger das ordentliche Pensionierungsalter im Jahr 2027 erreichen: drei Fünftel;
  • d. wenn die Rentenbezüger das ordentliche Pensionierungsalter im Jahr 2028 erreichen: vier Fünftel.

2 Absatz 2 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG gilt auch für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten dieser Änderung des Gesetzes ereignet haben, für die die Rente aber erst danach zu laufen beginnt.

 

3 Die Reserven nach Artikel 111 Absätze 1 und 3 des bisherigen Rechts, über die die Versicherer nach Artikel 68 Absatz 1 Buchstabe c UVG beim Inkrafttreten der Änderung vom … verfügen, werden in die Reserven nach Artikel 90 Absatz 3 UVG überführt.

Erläuterungen zu Art. 147b UVV

Absatz 1

  • Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Gesetzes vom 25. September 2015 hält den Grundsatz fest, dass die Leistungen gemäss dem im Zeitpunkt des Unfalles geltenden Recht gewährt werden, mithin grundsätzlich keiner Kürzung unterliegen. Absatz 2 beinhaltet jedoch eine Abweichung von dieser Regel. Um die Überentschädigungen in absehbarer Zeit vermindern zu  können, sollen die mit der Gesetzesrevision eingeführten Kürzungsregeln auch auf Renten anwendbar sein, die vor dem Inkrafttreten der gesetzlichen Neuerungen entstanden sind. Allerdings soll die Anwendbarkeit der Kürzungsregeln auf bereits laufende Renten nur mit einem zeitlichen Aufschub und in abgestufter Form eingeführt  werden.    
  • Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen keine Renten gekürzt  werden, die vor dem Inkrafttreten der gesetzlichen Neuerungen entstanden sind, und deren Bezüger während der ersten acht Jahre nach dem Inkrafttreten der Revisionsbestimmungen das  Rentenalter erreichen. Entsprechend  wird  in  Absatz 2 dritter Satz der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Gesetzes vom 25. September 2015 festgehalten, dass die Abstufung „für jedes weitere, dem achten Jahr folgende  ganze Jahr“ einen Fünftel des  Kürzungsbetrages nach neuem Recht  ausmachen  soll. Davon  ausgehend, dass die Gesetzesnovelle auf den 1. Januar 2017 in Kraft treten wird, setzt die jährlich um einen Fünftel abgestufte Kürzung 20 ein, wenn die Rentenbezüger das ordentliche Pensionierungsalter im Jahr 2025 erreichen. Für  Rentenbezüger, die das ordentliche Pensionierungsalter 2029 oder später erreichen, gelten die ordentlichen, nicht reduzierten Kürzungssätze. Diese zeitliche und quantitative Staffelung soll in Absatz 1 verdeutlicht werden.    
  • Für Unfälle, die sich nach Inkrafttreten der Gesetzesnovelle ereignen und zu einer Rente führen, gilt das neue Recht mit den Kürzungsmodalitäten gemäss Artikel 20 Absatz 2ter und Absatz 2quater  UVG.

Absatz 2

  • Im Sinne einer Präzisierung wird festgehalten, dass Absatz 2 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Gesetzes vom 25. September 2015 auch für Unfälle gilt, die sich vor Inkrafttreten der Revisionsbestimmungen ereignet haben, die darauf zurückzuführende Rente jedoch erst danach zu laufen beginnt.

Absatz 3

Kürzungssätze für Unfälle ab 01.01.2017 ohne Übergangsbestimmungen

Erläuterungen zu Art. 147b UVV, Absatz 1 Einzug 3

 

Für  Unfälle, die sich nach Inkrafttreten der Gesetzesnovelle ereignen und zu einer Rente führen, gilt das neue Recht mit den  Kürzungsmodalitäten gemäss Artikel 20 Absatz 2ter und Absatz 2quater  UVG.

 

Expertensysteme: Kürzung der Invalidenrente ab AHV-Alter

Kürzungssätze für Unfälle bis 31.12.2016 mit Übergangsbestimmungen

Expertensysteme: Kürzung der Invalidenrente ab AHV-Alter