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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit

In Kürze

Unterschied  Beweisgrad und natürliche Kausalität: 

 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit liegt vor, wenn

  • Aussagesicherheit bei 2 Sachverhaltsvarianten > 50 %

Natürliche Kausalität liegt vor, wenn

  • Kausalitätsanteil > 0 %

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit liegt vor

Aussagesicherheit bei 2 Varianten ist grösser 50 %

Urteil 9C_717/2009 vom 20.10.2009 E. 3.3 (Volltext)

 

Nach dem im Sozialversicherungsprozess geltenden Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist ein bestimmter Sachverhalt nicht bereits dann bewiesen, wenn er bloss möglich ist; hingegen genügt es, wenn das Gericht aufgrund der Würdigung aller relevanten Sachumstände, mithin nach objektiven Gesichtspunkten, zur Überzeugung gelangt ist, dass er der wahrscheinlichste aller in Betracht fallenden Geschehensabläufe

  • bei zwei möglichen Sachverhaltsvarianten: die wahrscheinlichere ist

(vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2; vgl. auch 130 III 324 f. E. 3.2 und 3.3), und zudem begründeterweise angenommen werden darf, dass weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern (vgl. Urteil I 362/99 vom 8. Februar 2000 E. 4; vgl. auch BGE 131 I 153 E. 3 S. 157, 130 II 425 E. 2.1 S. 428, 124 I 208 E. 4a S. 211).

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit liegt nicht vor

Aussagesicherheit bei 2 Varianten beträgt 50 %

Urteil 8C_805/2013 vom 15.05.2014 E. 4.3 (Volltext: Beweislosigkeit

 

Da gemäss den Ausführungen des Prof. Dr. med. C. die Wahrscheinlichkeit für eine unfallkausale Myelopathie lediglich 50 % beträgt, ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den Unfallereignissen und der Myelopathie - und somit auch zwischen den Unfallereignissen und den auf dieses Leiden zurückzuführenden Beschwerden - nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt.

Weitere Ursachen kommen ebenso ernst in Frage

Urteil 4A_275/2013 vom 30.10.2013 E. 4 (Volltext)

 

Soweit der Kausalzusammenhang nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit nachgewiesen werden kann, genügt, dass er als überwiegend wahrscheinlich erscheint (BGE 107 II 269 E. 1b S. 272 f.; 128 III 271 E. 2b/aa S. 275 f.; je mit Hinweisen). Dies ist zu verneinen, wenn nach den besonderen Umständen des Falles neben den behaupteten weitere Ursachen ebenso ernst in Frage kommen oder sogar näher liegen (BGE 107 II 269 E. 1b S. 273; vgl. auch BGE 130 III 321 E. 3.3 S. 325).