Hauptinhalt

Psycho-Praxis

Konzept der Psycho-Praxis

Grundlagen

Die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges setzt also voraus, dass dem Unfall für die Entstehung des psychischen Gesundheitsschadens eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Zur Beantwortung dieser Frage teilt das EVG die Unfälle in drei Kategorien ein; in banale bzw. leichte Unfälle einerseits, in schwere Unfälle andererseits und schliesslich in einen dazwischenliegenden mittleren Bereich. Wie das EVG in BGE 115 V 139 ff. festgestellt hat, kann bei banalen Unfällen der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischer Fehlentwicklung in der Regel zu bejahen. Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und psychischer Schädigung ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht auf Grund des Unfallereignisses allein schlüssig beantworten. Das EVG hat daher verlangt, dass weitere objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen und als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen sind. Als wichtigste Kriterien gelten: 

Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist jedoch nicht in jedem Fall erforderlich.

 

Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen Unfall und psychischer Fehlentwicklung neben dem Unfall allenfalls ein einziges Kriterium genügen.

 

Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, der zu den schweren Unfällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist.

 

Andererseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist.

 

Kommt keinem Einzelkriterium ein besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach anderen Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychische Fehlentwicklung mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 140, Erw. 6c).

Anzahl Kriterien im mittleren Bereich

Urteil 8C_897/2009 vom 29.01.2010 E. 4.5 (Volltext) 

 

Anzahl Kriterien zur Bejahung der Adäquanz, sofern kein Kriterium in ausgeprägter Weise erfüllt ist:

Kriterium in ausgeprägter Weise erfüllt

Urteil 8C_568/2015 vom 15.01.2016 E. 3.4 (Volltext)

 

Die Rechtsprechung anerkennt Adäquanzkriterien nur mit grosser Zurückhaltung als ausgeprägt erfüllt an.

 

So wurde eine beim Öffnen eines Steamers erlittene grossflächige Verbrühung als ausgeprägt geeignet erachtet, eine phobische Angst vor Hitzequellen auszulösen (Urteil 8C_435/2011 vom 13. Februar 2012 E. 4.2.7).

 

Bestätigung der Rechtsprechung: Urteil 8C_131/2021 vom 02.08.2021 E. 6.4.1

Kriterienprüfung bei leichten Ereignissen

Urteil 8C_51/2014 vom 14.07.2014 E. 5.3 (Volltext)

 

Grundsätzlich wäre demnach die Adäquanz schon aufgrund der Unfallschwere ohne weiteres zu verneinen (BGE 115 V 133 E. 6a S. 139). Indessen hat das Bundesgericht entschieden, dass die Adäquanz des Kausalzusammenhanges ausnahmsweise auch bei einem leichten Unfall zu prüfen sei. Dies gilt insbesondere, wenn das Ereignis unmittelbare Unfallfolgen zeitigt, die nicht offensichtlich unfallunabhängig sind (Urteil 8C_824/2008 vom 30. Januar 2009 E. 4.2 Ingress mit Hinweisen). Diesfalls muss der adäquate Kausalzusammenhang jedoch bewiesen werden nach den bei mittlerem Schweregrad anzuwendenden Kriterien.

Kriterien der Psycho-Praxis bei mittleren Ereignissen

Besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles

Urteil 8C_131/2021 vom 02.08.2021 E. 6.4.2 (Volltext): Im Auto eingeklemmpt (nicht erfüllt)

 

Es sind keine Umstände ersichtlich, mit denen sich dieses Kriterium begründen liesse. Entgegen der versicherten Person vermag daran auch nichts zu ändern, dass er im Fahrzeug eingeklemmt wurde. Das Kriterium wurde zu Recht verneint.  

Urteil 8C_39/2021 vom 06.07.2021 E. 6.2.2 (Volltext): Tätlicher Angriff mit Schlaginstrument (erfüllt)

 

Am 29. Oktober 2016 erlitt er durch einen tätlichen Angriff mit einem Schlaginstrument durch ein Mitglied des Motorradclubs eine offene nicht dislozierte Kalottenfraktur fronto-sphenoidal links.

 

Obwohl jedem mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichend sein kann (Urteil 8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2), und das Kriterium objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens oder Angstgefühls der versicherten Person zu beurteilen ist (Urteil U 56/07 vom 25. Januar 2008), kann es beim hier zu beurteilenden Sachverhalt erfüllt betrachtet werden. 

Urteil 8C_568/2015 vom 15.01.2016 (Volltext): Objektiver Massstab / mittlere Unfälle (nicht erfüllt)

 

3.5. Der Berücksichtigung des Kriteriums der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls liegt der Gedanke zugrunde, dass solche Umstände geeignet sind, bei der betroffenen Person während des Unfallgeschehens oder nachher psychische Abläufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Dabei sind objektive Massstäbe anzuwenden.

 

Nicht was im einzelnen Betroffenen beim Unfall psychisch vorgeht - sofern sich dies überhaupt zuverlässig feststellen liesse - soll entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei Betroffenen psychische Vorgänge der genannten Art auszulösen.

 

Zu beachten ist zudem, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist (Urteil 8C_584/2010 vom 11. März 2011 E. 4.3.2 mit weiteren Hinweisen). Vor diesem Hintergrund erfüllt das Geschehen vom 9. November 2010 das Kriterium nicht.

 

Bestätigung der Rechtsprechung: Urteil 8C_720/2017 E. 4.4. vom 12.03.2018

Urteil 8C_134/2015 vom 14.09.2015 (Volltext): 10 Meter durch die Luft geschleudert (erfüllt)

 

Dieses Kriterium ist angesichts des Hergangs des Unfalls - insbesondere des Umstands, dass die Versicherte und ihr Freund über das Auto hinweg rund zehn Meter durch die Luft geschleudert wurden - zu bejahen (E. 5.3.2.).

Urteil 8C_721/2011, E. 5.1 vom 11.11.2011 (Volltext): Keine Erinnerung (nicht erfüllt)

 

Der Versicherte kann sich an den Unfallhergang nicht erinnern. Das Kriterium ist daher nicht erfüllt. Dies gilt unter den gegebenen Umständen selbst dann, wenn - wie der Versicherte geltend macht - der Unfall hätte auch tödlich ausgehen können.

Urteil 8C_915/2008 vom 11.09.2009 (Volltext): Objektive Beurteilung (erfüllte Beispiele)

 

5.3 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97 E. 3b/cc; Urteil U 56/07 vom 25. Januar 2008 E. 6.1).

 

Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil 8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2).

 

In jüngerer Zeit bejahte das Bundesgericht dieses Kriterium etwa bei einer Massenkarambolage auf einer Autobahn (Urteil 8C_623/2007 vom 22. August 2008 E. 8.1; vgl. auch Urteil 8C_633/2007 vom 7. Mai 2008 E. 6.3),

 

bei einem Zusammenstoss zwischen einem Personenwagen und einem Lastwagen in einem Autobahntunnel mit mehreren sich anschliessenden Kollisionen mit der Tunnelwand (Urteil 8C_257/2008 vom 4. September 2008 E. 3.3.3),

 

bei einem Zusammenprall zwischen einem Sattelschlepper und einem Personenwagen, wobei der Fahrer des Sattelschleppers die Kollision zunächst nicht bemerkte und den Personenwagen der versicherten Person noch auf einer längeren Distanz vor sich herschob, und die Insassen des Personenwagens verzweifelt versuchten, den Unfallverursacher auf sie aufmerksam zu machen (Urteil 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008 E. 5.3),

 

bei einem Unfall mit hoher Geschwindigkeit auf einer Autobahn, bei dem das Fahrzeug des Versicherten bei starkem Verkehr mehrmals über die Fahrbahn geschleudert wurde und sich dabei wiederholt überschlug (Urteil 8C_799/2008 vom 11. Februar 2009 E 3.2.3)

 

oder bei einem in der 29. Woche schwangeren Unfallopfer (Urteil 8C_590/2008 vom 3. Dezember 2008 E. 5.3).

Urteil U 426/04 vom 30.03.2005 (Volltext): Auffahrkollision (nicht erfüllt)

 

7.2.1 … Beide Auffahrunfälle haben sich auf Grund der Aktenlage objektiv betrachtet nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet und waren auch nicht von besonderer Eindrücklichkeit (vgl. auch Urteile R. vom 20. Dezember 2002 Erw. 3.3.1 und 3.3.2, U 198/02, sowie P. vom 22. November 2002 Erw. 5, U 207/01).

Urteil U 334/03 vom 15.11.04 (Volltext): Amnesie (nicht erfüllt)

 

3.2 … Es genügt festzuhalten, dass das Unfallgeschehen wegen der Amnesie zumindest nicht in gleicher Weise wahrgenommen wurde, wie wenn der Versicherte bei vollem Bewusstsein gewesen wäre. Dem Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls kann in solchen Fällen daher nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden (Urteil S. vom 12. Februar 2003, U 170/02).

Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen

Urteil 8C_518/2019 vom 19.02.2020 E. 4.4.2 (Volltext): U. a. Zähne / Sexalfunktionstörungen (erfüllt)

 

Vom UVG-Versicherer wird nicht bestritten, dass das Kriterium "Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen" erfüllt ist. Mit Blick auf die zahlreichen Zahnverletzungen und die im späteren Verlauf diagnostizierten Sexualfunktionsstörungen ist das Merkmal als erfüllt zu betrachten, allerdings nicht in einer besonders ausgeprägten Form.  

Urteil 8C_414/2017 vom 26.02.2018 E. 3.5 (Volltext): SHT mit Schädelkalottenfrakur, Koma (erfüllt)

 

Aufgrund des erlittenen Schädelhirntraumas mit Schädelkalottenfraktur bejahte die Vorinstanz das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei aufgrund der schweren Verletzungen nach dem Unfall mehrere Tage im Koma gelegen. Das Kriterium sei daher in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Laut Bericht der Klinik für Neurochirurgie des Spitals E. vom 19. Dezember 1988 war die Versicherte bei der Einlieferung am Unfalltag somnolent, aber zeitlich und örtlich orientiert. Es wurde eine konservative Therapie mit neurologischer Überwachung durchgeführt. Im weiteren Verlauf erholte sie sich langsam. Am 4. Dezember 1988 konnte sie bei komplikationslosem Verlauf von der Intensivstation auf die Neurochirurgische Abteilung verlegt werden. Wie bereits das kantonale Gericht dargelegt hat, musste sie nicht in ein künstliches Koma versetzt werden. Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz mit Blick auf die Unfallfolgen davon ausging, das Kriterium liege nicht in besonders ausgeprägter Weise vor. ...

Urteil 8C_308/2014 vom 17.10.2014 E. 4.3 (Volltext): Heli / künstliches Koma (erfüllt)

 

Der Versicherte zog sich beim Ereignis vom 30. Juni 2007 verschiedene Frakturen im Gesichts- und Brustbereich zu. Diese Verletzungen waren so schwer, dass er noch am Unfalltag per Helikopter vom erstbehandelnden Spital C. in das Spital D. verlegt werden musste. Er wurde zudem für mehrere Tage in ein künstliches Koma verlegt. Vor diesem Hintergrund erscheint das Kriterium der Schwere der erlittenen Verletzungen erfüllt.

BGE 140 V 356 vom 14.07.2014 (Volltext) : HIV-Infektion (erfüllt jedoch nicht ausgeprägt)

 

Eine HIV-Infektion ist für sich allein betrachtet adäquanzrechtlich nicht geeignet, das nach der Psycho-Praxis bei der Beurteilung der Unfallkausalität von psychischen Fehlentwicklungen gegebenenfalls mitzuberücksichtigende Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung in besonders ausgeprägter Weise zu erfüllen (E. 5).

Urteil 8C_362/2014 vom 25.06.2014 (Volltext): Verbrennungen/Verätzungen (nicht erfüllt)

 

4.2.2. Verbrennungen/Verätzungen sind nicht generell geeignet, das Kriterium zu bejahen.

Urteil 8C_593/2012 vom 19.12.2012 (Volltext): Erhebliche, dauerhafte Vorschädigung (erfüllt)

 

2.4.3 Das Kriterium ist nur dann erfüllt, wenn die Vorschädigung nicht nur erheblich, sondern auch dauerhaft gewesen war.

Urteil 8C_179/2012 vom 8.11.2012 (Volltext): Stromunfälle (erfüllt)

 

5.2.3 Das Bundesgericht hat verschiedentlich erkannt, dass Stromunfälle erfahrungsgemäss geeignet sind, zu psychischen Leiden zu führen, weshalb das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen in solchen Fällen gegeben sei (SVR 2011 UV Nr. 10 S. 35, 8C_584/2010 E. 4.3.3 mit Hinweis).

Urteil 8C_456/2011 vom 11.07.2011 (Volltext): Vulnerabilität; für zweiten Unfall erfüllt

 

6.2 ... Die Versicherte bringt weiter vor, beim zweiten Ereignis vom 19. April 2007 habe sie wegen der noch nicht abgeheilten Folgen des ersten Unfalls vom 1. März 2007 eine besondere Vulnerabilität aufgewiesen, was auch der Biomechaniker festgestellt habe. Hierzu ist festzuhalten, dass einer erheblichen HWS-Vorschädigung durch einen früheren Unfall beim Kriterium der besonderen Art der Verletzung grundsätzlich Rechnung zu tragen ist (SVR 2009 UV Nr. 30 S. 105 E. 6.3.2 [8C_413/2008]; Urteile 8C_948/2010 vom 12. Mai 2011 E. 5.3.4 und 8C_680/2010 vom 4. Februar 2011 E. 5.3.1). Eine entsprechende Qualifikation der erlittenen Verletzungen rechtfertigt sich indessen nur bei Vorliegen einer erheblich vorgeschädigten Wirbelsäule (Urteil 8C_507/2010 vom 18. Oktober 2010 E. 5.3.3). Das Kriterium kann hier - in einfacher Weise - für den zweiten Unfall als erfüllt gelten.

Urteil 8C_411/2009 vom 23.09.2009 (Volltext): Skoliose / Halsrippe (als Vorschädigung erfüllt)

 

Skoliose und Halsrippe wäre zu berücksichtigen. Rechtsprechungsgemäss ist eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erhebliche vorgeschädigte Wirbelsäule betrifft, speziell geeignet, die typischen Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist.

Urteil 8C_986/2008 vom 23.03.2009 (Volltext): Airbag / Kopfaufprall / Kopfhaltung (nicht erfüllt)

 

Alleine der Umstand, dass der Kopf gegen den geöffneten Lenkrad-Airbag prallt (ein anderweitiges Anschlagen des Kopfes ist nicht aktenkundig), erscheint indessen nicht geeignet, die schleudertraumatypischen Symptome hervorzurufen. Dies lässt sich auch ohne die beantragten weiteren Abklärungen zuverlässig beurteilen. Es fehlen zudem Anzeichen, dass es durch den Aufprall des Kopfes, abgesehen von einfachen Prellmarken im Gesicht, zu Komplikationen oder Verletzungen kam. Was im Besonderen die Körperhaltung betrifft, gab die Versicherte am 30. Juli 2001 im Erhebungsblatt für die Abklärung von HWS-Fällen an, sie habe den Kopf in Fahrtrichtung, leicht nach rechts abgedreht gehalten. Die Kopfhaltung wich somit nur geringfügig von der üblichen Geradeausrichtung ab und vermöchte daher ebenfalls nicht, den Schluss auf eine besondere Verletzungsart zu begründen. Das kantonale Gericht hat dieses Kriterium mithin zu Recht verneint.

Urteil 8C_468/2008 vom 25.09.2008 (Volltext): Drei Auffahrunfälle (erfüllt)

 

6.3.2 Es ist davon auszugehen, dass die Halswirbelsäule aufgrund der drei Auffahrunfälle sowie der degenerativen Veränderungen zum Zeitpunkt des Unfalles bereits erheblich vorgeschädigt war, so dass das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung zu bejahen ist. Da es der Beschwerdeführerin vor dem Unfall vom 13. August 2005 möglich war, ein 100 %-Pensum zu erbringen, liegt es indessen nicht in besonders ausgeprägter Form vor.

Urteil 8C_252/2007 vom 16.05.2008 (Volltext): Doppelkollision (nicht erfüllt)

 

7.2.2 Vorliegend sind keine Anhaltspunkte erkennbar, die als in diesem Sinne aggravierende Faktoren zu betrachten wären. Namentlich verfügte die Versicherte über eine Kopfstütze und war im Moment des Aufpralls angegurtet. Überdies führt der Umstand der Doppelkollision nicht zur Bejahung des Kriteriums.

 

Hieran ändert nichts, dass in der biomechanischen Beurteilung vom 3. Juni 2002 ausgeführt wurde, es sei möglich, dass sich aufgrund einer kurzen zeitlichen Abfolge der Doppelkollision (hier auf 0.4 bis 0.9 sec. geschätzt) ein Resonanzphänomen ergeben habe, dass also die HWS nach der primären Rückbewegung in den Sitz in der zweiten Phase beim Fall nach vorne in die Gurten durch eine eben dann erfolgte Frontalkollision zusätzlich belastet worden sei; es liege hier somit eine Abweichung vom Normalfall vor (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3).

Urteil U 289/04 vom 23.12.2005 (Volltext): Nach links geblickt (nicht erfüllt)

 

4.3 … Der Umstand allein, dass der Beschwerdegegner beim Unfall nach links geblickt hat und durch den Zusammenstoss überrascht wurde, genügt jedoch nicht (Urteil N. vom 14. März 2005, U 82/04).

Urteil U 139/05 vom 29.05.2005 (Volltext): Halskragen (nicht erfüllt)

 

2.2 Insbesondere kann, entgegen der Beschwerdeführerin, das kurzzeitige phasenweise Tragen eines weichen Halskragens nicht als ärztliche Fehlbehandlung bezeichnet werden. Ebenso wenig ist das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung deshalb zu bejahen, weil «die Verletzung der Halswirbelsäule auf eine durch eine Fibromyalgie vorgeschädigte Gesundheit trifft [und] damit bereits vorbestehende Beschwerden überschneidet oder verstärkt». 

Ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung

Urteil 8C_518/2019 vom 19.02.2020 E. 4.4.4 (Volltext): Mehere OP's / Jahrelange Behandlung (erfüllt)

 

Die Vorinstanz bejahte diesen Aspekt mit der Begründung, dass die Femurfraktur mehrere Operationen nach sich zog und ausserdem jahrelange zahnärztliche Behandlungen erforderlich waren. Diese Beurteilung ist bundesrechtskonform, insbesondere unter Berücksichtigung der fünf stationären Aufenthalte im Zeitraum zwischen Juli 2001 und April 2004 (vgl. Urteil 8C_174/2016 vom 10. Juni 2016 E. 4.2.1.1) der ebenso zahlreichen Operationen sowie der mehrjährigen, aufwändigen zahnärztlichen Behandlung. Kommt erschwerend hinzu, dass in Bezug auf das sensomotorische Defizit der rechten unteren Extremität, wodurch auch eine Sexualstörung mit intravaginalem Sensibilitätsverlust besteht, keine Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten ist. Demzufolge ist mit der Vorinstanz das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung als erfüllt zu betrachten, allerdings ohne besondere Ausprägung.  

Urteil 8C_632/2018 vom 10.05.2019 (Volltext): Intensität / Therapie und Kontrollen (nicht erfüllt)

 

10.1. Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung somatischer Beschwerden ist nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Es muss, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gegeben sein (Urteil 8C_860/2015 vom 30. Juni 2016 E. 4.4).  

 

Vom 3. bis 5. Oktober 2007 war der Beschwerdegegner im Spital C. hospitalisiert, wo er abgeklärt, medikamentös behandelt und seine Rissquetschwunde am Kopf genäht wurde. Vom 1. Mai bis 10. Juni 2008 erfolgte eine Hospitalisation in der Klinik F., wo er sich einem multimodalen Therapieprogramm unterzog (Physio- und Ergotherapie, Werkstattgruppe, Massagen, medizinische Trainingstherapie [MTT], Selbst- und Terraintraining, Ergometertraining, Psychotherapie, medikamentöse Behandlung; Austrittsbericht vom 17. Juni 2008).

 

Insgesamt ist das Kriterium nicht erfüllt, zumal die bis zum Fallabschluss erfolgten medikamentösen und manualtherapeutischen Behandlungen sowie die ärztlichen Kontrolluntersuchungen nicht berücksichtigt werden können (vgl. Urteil 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.3). 

Urteil 8C_647/2018 vom 16.01.2019 (Volltext): Abklärungen (nicht erfüllt)

 

5.3. Aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer jahrelang in physiotherapeutischer, ergotherapeutischer und medikamentöser Behandlung war, kann entgegen seiner Ansicht nicht geschlossen werden, dass das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der physisch bedingten ärztlichen Behandlung erfüllt ist. Vielmehr ist eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete Behandlung des somatischen Leidens erforderlich (Urteil 8C_855/2009 vom 21. April 2010 E. 8.3.1). Mit der Vorinstanz ist darauf hinzuweisen, dass Abklärungsmassnahmen nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zukommt (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4; Urteil 8C_744/209 vom 8. Januar 2010). Die zahlreichen stationären Aufenthalte dienten denn auch ausschliesslich zur Abklärung der organisch nicht fassbaren Beschwerdesymptomatik sowie zu ihrer analgetischen Behandlung. Bereits im Bericht vom 17. September 2014 wies PD Dr. med. et Dr. phil. E. darauf hin, dass er keine Möglichkeit sehe, die Situation des Patienten nachhaltig zu verbessern. Insbesondere sei das Therapiesetting mit hausärztlicher, schmerztherapeutischer und psychiatrischer Begleitung optimal und das gesamte Behandlungspotential ausgeschöpft.  

Urteil U 479/05 vom 06.02.2007 (Volltext): 2 bis 3 Jahre sind üblich (nicht erfüllt)

 

8.3.3 Eine Behandlungsbedürftigkeit von zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS ist durchaus üblich (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 239 E. 5.2.4 mit Hinweisen).

 

Weiter ist festzuhalten, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht in diversen Fällen, in denen alternativ- bzw. komplementärmedizinischen Behandlungen durchgeführt wurden, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht als erfüllt ansah (vgl. Urteile J. vom 21. Juni 2006 E. 3.2.2, U 265/05, H. vom 28. Juni 2005 E. 3.2.2, U 376/04, K. vom 23. Dezember 2005 E. 4.3, U 289/04, und P. vom 24. September 2003 E. 3.3, U 361/02). Im Urteil U 376/04 E. 3.2.2 führte es diesbezüglich aus, die Wirksamkeit der komplementär- und alternativmedizinischen Massnahmen (in casu Akupunktur, Osteopathie und Alexandertechnik) sei umstritten. Es besteht vorliegend kein Anlass, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung auf Grund der durchgeführten alternativmedizinischen Massnahmen zu bejahen.

Körperliche Dauerschmerzen

Urteil 8C_632/2018 vom 10.05.2019 (Volltext): Gesamter Zeitraum / nur organische Ursache

 

10.2. Bezüglich des Kriteriums der körperlichen Dauerschmerzen ist massgebend, ob über den gesamten Zeitraum andauernde Beschwerden vorlagen (Urteil 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.2.1).


Die zwar körperlich imponierenden, organisch objektiv jedoch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden des Versicherten haben aber ausser Acht zu bleiben (Urteile 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.2.1, 8C_236/2016 vom 11. August 2016 E. 6.2.4 und 8C_825/2008 vom 9. April 2009 E. 4.6).

Urteil 8C_468/2008 vom 25.09.2008 (Volltext): Gut ertragbare Beschwerden (nicht erfüllt)

 

6.3.3 Bezüglich dem Kriterium der erheblichen Beschwerden ist festzuhalten, dass jedenfalls nicht das gesamte Beschwerdebild unfallkausal ist. Zudem sind die Einschränkungen und Schmerzen gemäss dem Bericht von Dr. med. H. vom 10. November 2006 grundsätzlich gut ertragbar; lediglich mittelschwere körperliche Belastungen führen jeweils zu einer Verstärkung der Symptomatik. Somit ist das Kriterium nicht erfüllt.

Urteil U 376/04 vom 28.06.2005 (Volltext): rezidivierend/unterschiedliche Intensität (erfüllt)

 

3.2.2. …Was schliesslich die geltend gemachten Dauerschmerzen betrifft, ist in Anbetracht des Umstandes, dass die Beschwerden rezidivierend und mit unterschiedlicher Intensität aufgetreten sind, das Kriterium der Dauerschmerzen jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben.

Urteil U 89/03 vom 04.05.2004 (Volltext): Regelmässig Auto fahren und reiten (nicht erfüllt)

 

5.4 … Die Schmerzen können indessen nicht dauernd und von besonderer Intensität sein, haben sie die Beschwerdegegnerin doch nicht daran gehindert, regelmässig Auto zu fahren und zu reiten sowie das eigene Pferd zu pflegen.

Ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert

Urteil 8C_496/2014 vom 21.11.2014 (Volltext): Implantatbruch (nicht erfüllt)

 

4.7. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdegegners kann aus dem Implantatbruch auch nicht auf eine ärztliche Fehlbehandlung im Sinne des entsprechenden Kriteriums geschlossen werden.

Urteil 8C_902/2009 vom 01.04.2010 (Volltext): Haftpflichtrecht / zweiter Eingriff (nicht erfüllt)

 

4.5 Eine Bejahung des Kriteriums der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, setzt rechtsprechungsgemäss keine Sorgfaltspflichtverletzung im Sinne des Haftpflichtrechts voraus (Urteil 8C_1020/2008 vom 8. April 2009 E. 5.6.1 mit Hinweis).

 

Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers liegt indessen nicht bereits dann eine Fehlbehandlung im Sinne des Kriteriums vor, wenn nach einer ersten Operation später ein zweiter chirurgischer Eingriff notwendig wird. Wie Dr. med. S., Neurologie FMH, in seinem Gutachten vom 16. November 2007 nachvollziehbar und überzeugend dargelegt hat, ist es zudem wenig wahrscheinlich, dass die Schmerzen in Schulter und Nacken auf einen Anästhesiefehler zurückzuführen sind. Somit ist auch dieses Kriterium zu verneinen.

Urteil 8C_1020/2008 vom 08.04.2009 (Volltext): Halskragen (nicht erfüllt)

 

5.6.3 Aufgrund dieser medizinischen Stellungnahmen bestehen gewisse Zweifel, ob die Abgabe eines Halskragens nach einer HWS-Distorsion ohne strukturelle Verletzungen eine nutzbringende Therapiemassnahme darstellt. Demgegenüber herrscht in der medizinischen Wissenschaft und Praxis aber jedenfalls kein Konsens darüber, dass diese Methode nicht bloss allenfalls nutzlos, sondern gar schädlich wäre. Somit ist einzig aufgrund des Umstandes, dass der Beschwerdeführerin vom erstbehandelnden Spital ein weicher Halskragen verordnet wurde, das Kriterium noch nicht erfüllt. Da andere Umstände, die auf eine Fehlbehandlung schliessen liessen, vorliegend weder geltend gemacht, noch aus den Akten ersichtlich sind, ist das Kriterium zu verneinen.

Urteil U 284/06 vom 13.11.2006 (Volltext): Schlechtes Leistungsmanagement (nicht erfüllt)

 

3.5 Hingegen kann von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, nicht gesprochen werden. Zwar trifft es zu, dass die Erledigung eines Versicherungsfalles, sei es durch die Behandlung als Naturalleistung der Versicherung, sei es durch die Abklärungen der Kreis- und anderen beigezogenen Ärzte, zur Verschlimmerung oder Verfestigung der psychogenen Beschwerden beitragen kann und solche Umstände gegebenenfalls unter das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung mit Verschlimmerung der Unfallfolgen zu subsumieren sind (SVR 1996 UV Nr. 58 S. 193 f. Erw. 4e).

 

Anhaltspunkte dafür, dass die Erledigung des Versicherungsfalles durch die X zur Verfestigung oder gar zur Verschlimmerung des psychischen Gesundheitsschadens geführt habe, fehlen jedoch. Wenn die Beschwerdegegnerin ihre Taggeldzahlungen teilweise nur schleppend erbracht hat, wie der Versicherte geltend macht, kann darin kein Umstand erblickt werden, der einer ärztlichen Fehlbehandlung mit einer Verfestigung der nach kurzer Zeit imponierenden psychischen Unfallfolgen gleichgestellt werden könnte. Von der Anordnung eines Gutachtens zu dieser Frage sind keine abweichenden Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auf weitere Beweismassnahmen zu verzichten ist.

Schwieriger Heilverlauf und erhebliche Komplikationen

Urteil 8C_632/2018 vom 10.05.2019 (Volltext): Blosse Dauer (nicht erfüllt)

 

10.3. Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hierzu besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben (Urteil 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.2.2). Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte, genügt allein nicht (Urteil 8C_765/2014 vom 9. Februar 2015 E. 11.6). Es liegen keine Umstände vor, die zur Bejahung diese Kriteriums führen könnten.  

Urteil 8C_147/2017 vom 02.08.2017 (Volltext): Kriterium infolge Multiper Sklerose erfüllt

 

5.3 ... In ihrem Einspracheentscheid vom 3. Dezember 2015 anerkannte der UVG-Versicherer das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen, da die Multiple Sklerose zu einem protrahierten Heilungsverlauf geführt hatte. Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen ist dies nicht zu beanstanden. Daran vermag auch insbesondere der Umstand nichts zu ändern, dass die Multiple Sklerose vorliegend unbestrittenermassen nicht unfallkausal ist; eine Komplikation ist ein Umstand, der den durchschnittlichen Heilungsprozess eines unfallbedingten Gesundheitsschadens ungünstig beeinflusst und muss als solcher selber nicht auf den Unfall zurückzuführen sein. Da hier der Gesundheitsschaden, dessen Abheilung durch die Multiple Sklerose ungünstig beeinflusst worden ist, durch das Unfallereignis verursacht wurde, ist dieses Kriterium zu bejahen.  

Urteil 8C_68/2009 vom 07.05.2009 (Volltext): Verschlechterung / mehrere Eingriffe (nicht erfüllt)

 

5.4 Dass sich der physische und psychische Gesundheitszustand verschlechtert hat und mehrere chirurgische Eingriffe erfolgten, genügt entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung nicht, um das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen zu bejahen. Es bedürfte hiefür besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (zuletzt: Urteil 8C_825/2008 vom 9. April 2009 E. 4.8 mit Hinweis). Solche Gründe können in der durchgeführten Heilbehandlung ebenso wenig gesehen werden wie in der Entwicklung des Gesundheitszustandes.

Urteil 8C_987/2008 vom 31.03.2009 (Volltext): Nicht kumulativ / viele Medis, Alter (nicht erfüllt)

 

6.6 Unverändert beibehalten wird das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6 S. 129). Diese beiden Teilaspekte müssen nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 359 E. 7b S. 368 f.).

 

Aus der ärztlichen Behandlung, den anhaltenden Beschwerden sowie der Arbeitsunfähigkeit - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (E. 6.3 f. hievor und 6.7 hienach) zu berücksichtigen sind - darf entgegen der Auffassung des Versicherten nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.6 mit Hinweisen).

 

Lediglich aufgrund des Alters des Beschwerdeführers von 61 Jahren im Zeitpunkt des Fallabschlusses am 31. August 2007 kann nicht einfach auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen werden. Überdies hielt Dr. med. L. - bei dem keine eigentliche Behandlung, sondern nur noch eine Verlaufskontrolle stattfand - am 21. März 2006 fest, dass die Beschwerden bei Status nach HWS-Distorsionstrauma subjektiv in geringerer Intensität persistieren würden. Insgesamt ist dieses Kriterium vorliegend nicht erfüllt, wie die Vorinstanz zu Recht erkannt hat.

Urteil 8C_860/2008 vom 19.12.2008 (Volltext): Schmerzexacerbationen (nicht erfüllt)

 

3.3.6 Es mag zutreffen, dass die Therapien, einschliesslich das Ergonomie-Trainingsprogramm in der Rehaklinik X., immer wieder zu Schmerzexacerbationen führten und insofern bis Fallabschluss auf den 3. September 2006 hin betrachtet ein schwieriger Heilungsverlauf vorlag. Eine besondere Ausprägung ist jedoch angesichts fehlendem medizinisch klar fassbarem Substrat der gesundheitlichen Beschwerden zu verneinen. Erhebliche Komplikationen sind unstreitig nicht aufgetreten.

Urteil U 596/06 vom 21.12.2007 (Volltext): Besondere Gründe / weitere Unfälle (erfüllt)

 

5.2.6 Ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen können nach der neueren Rechtsprechung nicht bereits aus dem Fortbestehen bestimmter Symptome abgeleitet werden, sondern setzen voraus, dass besondere Gründe gegeben sind (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 ff. E. 8.5, U 479/05). Dies trifft hier insofern zu, als der zunächst nicht ungewöhnliche Heilungsverlauf durch die weiteren Unfälle mit Kopf- oder HWS-Beteiligung in erheblicher Weise negativ beeinflusst wurde. Daher ist auch dieses Kriterium als erfüllt zu betrachten. Die Ausprägung ist überdurchschnittlich, aber nicht derart intensiv, dass die Adäquanz allein aus diesem Grund zu bejahen wäre.

Urteil U 386/04 vom 28.04.2005 (Volltext): Vielfältige, sich beeinflussende Beschwerden (erfüllt)

 

8.5 … Dagegen kann der Heilungsverlauf als schwierig bezeichnet werden, weil eine Vielfalt von Beschwerden vorliegt, die sich teilweise wechselseitig beeinflussen und auch aus diesem Grund einem therapeutischen Zugriff nur schwer zugänglich sind.

Grad und Dauer der physischen Arbeitsunfähigkeit

Urteil 8C_362/2014 vom 25.06.2014 (Volltext): Nur psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit

 

4.2.7. Bei der Adäquanzprüfung nach BGE 115 V 133 ist beim Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit nur jene Zeiten zu berücksichtigen sind, welche die versicherte Person aufgrund einer rein physischen Betrachtungsweise arbeitsunfähig war.

 

Bestägigung der Rechtsprechung: Urteil 8C_632/2018 vom 10.50.2019 E. 10.5

Urteil 8C_530/2007 vom 10.06.2008 (Volltext): Basis ist Pensum vor Unfall

 

5.2.4 … Beim Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit hat die Vorinstanz zu Recht eine Teilzeittätigkeit angenommen, da bei der Festsetzung der massgebenden unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit vom Arbeitspensum vor dem Unfall auszugehen ist (vgl. Urteil U 604/06 vom 16. Januar 2008, E. 3.1 und 3.2).

Urteil U 479/05 vom 06.02.2007 (Volltext): Nicht alleine im angestammten Beruf / Teilzeit

 

8.6.1 Das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit bezieht sich nicht allein auf das Leistungsvermögen im angestammten Beruf (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 [Urteil L. vom 30. August 2001, U 56/00]; Urteil T. vom 28. Januar 2004 E. 3.4.2, U 34/03).

 

Arbeitete die versicherte Person vor dem Unfall teilzeitlich, ist bei der Bestimmung des Kriteriums des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich vom vormaligen Teilpensum auszugehen (vgl. auch Urteil T. vom 29. August 2005 E. 4.5, U 146/05).

 

Vorbehalten bleibt der Fall, in welchem mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass die versicherte Person ohne den Unfall ihr bisheriges Teilpensum erweitert hätte (vgl. Urteil K. vom 23. Dezember 2005 E. 4.3, U 289/04). Denn es belastet ebenfalls, wenn eine geplante Ausdehnung der Erwerbstätigkeit unfallbedingt nicht vollzogen werden kann (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 550 S. 243 [Urteil A. vom 17. März 2005, U 287/04]).

Urteil U 284/06 vom 13.11.2006 (Volltext): Medizin als Basis; nicht Taggeldzahlungen

 

3.7 … Denn das Kriterium der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit beurteilt sich nicht nach Massgabe der Dauer der Taggeldzahlung, sondern nach medizinischen Gesichtspunkten. …

Urteil U 287/04 vom 17.03.2005 (Volltext): Berücksichtigung über Pensionierung

 

11 …Das Adäquanzkriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit fällt mit dem Zeitpunkt der ordentlichen Pensionierung nicht weg, denn üblicherweise werden auch nach der altersbedingten Aufgabe der Erwerbsarbeit noch Tätigkeiten im Aufgabenbereich ausgeübt, und Einschränkungen in diesem Bereich belasten ebenfalls. Zumindest in Bezug auf die im Unfallzeitpunkt bestehende Erwerbstätigkeit ist die Arbeitsunfähigkeit darum auch über das Erreichen des Pensionierungsalters hinaus zu berücksichtigen. …

Urteil U 311/04 vom 24.02.2005 (Volltext): 9 Monate (nicht ausgeprägt erfüllt)

 

3.2 .. Selbst wenn schliesslich das weiter geltend gemachte Kriterium der Dauer und des Masses der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit gegeben wäre, träfe dies jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise zu. Die Versicherte war bereits rund neun Monate nach dem Unfall zwar nicht für die bisherige Tätigkeit als Lagermitarbeiterin, aber für leichte Arbeiten mit einigen Einschränkungen ganztägig einsetzbar.

Urteil U 284/04 vom 07.12.2004 (Volltext): 4 Monate (nicht erfüllt)

 

3 ..   Er nahm die Arbeit gut vier Monate nach dem Unfall am 26. Mai 1999 wieder voll auf. Erst ab April 2000 wurde ärztlich wieder eine - teilweise - Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Schon in Anbetracht der langen Periode uneingeschränkter Leistungsfähigkeit kommt der Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf die Adäquanzbeurteilung ungeachtet des Verlaufs seit April 2000 keine erhebliche Bedeutung zu (SZS 2001 S. 439 f.; Urteile H. vom 19. Mai 2004, U 330/03, Erw. 2.3.3, und D. vom 23. Januar 2004, U 66/03, Erw. 4.2).

Urteil U 56/00 vom 38.08.2001 (Volltext): Beispiele von erfüllten Kriterien

 

b) aa) Das weiter interessierende Adäquanzkriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit hat das Eidgenössische Versicherungsgericht in den folgenden Urteilen, welche teilweise psychische Unfallfolgen und teilweise Unfälle mit Schleudertraumata der Halswirbelsäule betreffen, als erfüllt betrachtet:

 

Bei andauernder vollständiger Arbeitsunfähigkeit eines vor dem Unfall zu 50 % arbeitsunfähigen Versicherten (Urteil H. vom 26. Mai 2000, U 86/98);

 

bei voller Arbeitsunfähigkeit während mindestens 10 Monaten und anschliessender Einsatzunfähigkeit im bisherigen Beruf (Urteil P. vom 10. Juni 2000, U 89/99);

 

bei einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 2/3 während rund 20 Monaten (Urteil P. vom 27. Januar 2000, U 308/98);

 

bei dauernder Arbeitsunfähigkeit von 40 % (unveröffentlichtes Urteil B. vom 26. Januar 1999, U 85/97);

 

bei anfänglich (während zweier Monate) voller und anschliessend dauernder hälftiger Arbeitsunfähigkeit (unveröffentlichtes Urteil E. vom 21. Juni 1999, U 128/98);

 

bei zweieinhalb Jahre dauernder Arbeitsunfähigkeit (nicht publiziertes Urteil L. vom 9. September 1999, U 305/98);

 

bei voller Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Bauhandlanger und teilweiser Arbeitsfähigkeit in unbekanntem Ausmass in einer leichten bis mittelschweren

Tätigkeit (unveröffentlichtes Urteil S. vom 4. November 1998, U 26/97);

 

bei voller Arbeitsunfähigkeit während mindestens sieben Monaten und nachfolgender Arbeitsunfähigkeit in den beiden bisher ausgeübten Tätigkeiten (RKUV 1998 Nr. U 307

S. 448);

 

bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % während acht Monaten, 50 % während eines Monats, 0 % während dreier Monate, 100 % während eines Jahres und anschliessend dauernder Arbeitsunfähigkeit von 50 % (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243);

bei einer vollen Arbeitsunfähigkeit während eineinhalb Jahren (BGE 123 V 137);

 

bei voller Arbeitsunfähigkeit während 16 Monaten und anschliessender hälftiger Arbeitsunfähigkeit auch bei Ausweichen auf zumutbare Arbeiten ausserhalb des angestammten Berufs (unveröffentlichtes Urteil M. vom 13. Juni 1996, U 233/95);

 

bei während Jahren andauernder voller und anschliessend hälftiger Arbeitsunfähigkeit (RKUV 1997 Nr. U 272 S. 167);

 

bei voller Arbeitsunfähigkeit mit kürzeren Unterbrüchen während 21 Monaten, anschliessender Arbeitsunfähigkeit in wechselndem Ausmass und folgender Arbeitsunfähigkeit von 50 % während mehr als vier Jahren (unveröffentlichtes Urteil B. vom 29. Dezember 1995, U 91/94);

 

bei voller Arbeitsunfähigkeit während dreier Jahre und bleibender Arbeitsunfähigkeit von 25 % (RKUV 1995 Nr. U 221 S. 114);

 

bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % während zweier Jahre und dauernder Erwerbsunfähigkeit von einem Drittel (unveröffentlichtes Urteil T. vom 20. November 1991,

U 96/90);

 

bei voller Arbeitsunfähigkeit während mehr als eineinhalb Jahren (unveröffentlichtes Urteil C. vom 23. Dezember 1991, U 90/90);

 

bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % während dreier Monate und voraussichtlich dauernder Arbeitsunfähigkeit von 50 % (unveröffentlichtes Urteil J. vom 19. Dezember 1991, U 86/90);

 

bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % während zwei Monaten, einer solchen von durchschnittlich ca. zwei Dritteln während rund zweier Jahre, von 50 % während eines weiteren Jahres sowie von 20 % für die Folgezeit (unveröffentlichtes Urteil S. vom 26. März 1991, U 52/88);

 

bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % während zweier Monate, von 50 % während sieben Monaten, 25 % bis 33 % während elf weiteren Monaten und dauernder Arbeitsunfähigkeit von 30 % (BGE 117 V 359).