Hauptinhalt

Einteilung der Unfallschwere

In Kürze

Organische Unfallfolgen inkl. Expertensystem

Verletzte Personen ohne organisch nachweisbare Unfallfolgen:

Expertensysteme: Adäquanz-Prüfung

Grundsatz

Beurteilung der Schwere eines Unfalles

Urteil 8C_129/2009 vom 15.09.2009 (Volltext): Augenfällige Geschehenablauf

 

Die Schwere des Unfalles bestimmt sich nach dem augenfälligen Geschehensablauf und nicht nach den Kriterien, welche bei der Beurteilung der Adäquanz bei mittelschweren Unfällen Beachtung finden.

 

Zu prüfen ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen erfolgt.

 

Massgebend sind der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften, nicht jedoch Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Derartigen dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen.

 

Dies gilt etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die versicherte Person zuzieht, aber auch für - unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende - äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zieht (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1).

Leichte Unfälle

Rechtsprechung in chronologische Reihenfolge zu den leichten Unfällen

Die Adäquanz (HWS-Praxis / Psycho-Praxis) liegt in der Regel nicht vor.

Urteil 8C_734/2021 vom 08.07.2022 E. 3.3 (Volltext): Zeckenbiss

 

Nach den in BGE 115 V 133 entwickelten Grundsätzen sei ein Zeckenbiss als leichter Unfall zu qualifizieren (mit Hinweis auf das Urteil 8C_208/2015 vom 17. Juni 2015 E. 4), weshalb der adäquate Kausalzusammenhang mit (lange andauernden) psychischen Gesundheitsstörungen ohne Weiteres verneint werden könne.

Urteil 8C_855/2016 vom 13.02.2017 E. 3.2.2 (Volltext): Delta-v 7.5 km/h

 

Die Arbeitsgruppe für Unfallmechanik erstellte am 7. September 2010 eine technische Kurzbeurteilung. Demnach kann von einer kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung von rund 7,5 km/h ausgegangen werden. Die Vorinstanz hat das Ereignis vom 29. Januar 2010 zu Recht als leichten Unfall qualifiziert. Damit erübrigt sich die Prüfung weiterer Adäquanzkritieren. Es fehlt an den Voraussetzungen für die Weiterausrichtung von gesetzlichen Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung. 

Urteil 8C_41/2016 vom 23.06.2016 E. 4.3.1 (Volltext) : Von Gegenstand getroffen / Zusammenprall

 

Fünf Beispiele von leichten Ereignissen:

  • Der Versicherte erlitt eine Rückenkontusion, als er von einem umfallenden Betonschalungselement im Rücken getroffen wurde
  • Der Versicherte war bei seinen Betonfräsarbeiten von einem zirka 600 kg schweren Betonblock am rechten Oberarm getroffen worden, war aber gemäss seinen eigenen Angaben nach dem Unfall noch in der Lage, selber mit dem Auto von X nach Y zu fahren, bevor er sich in ärztliche Behandlung begab.
  • Beim Fussballtraining prallte ein Versicherter mit einem Gegenspieler zusammen, worauf er das Training abbrach.
  • Der Versicherte wurde von einem umkippenden Gerüstelement am Kopf getroffen. Auch das hier zu beurteilende Ereignis ist mithin den leichten Unfällen zuzuordnen. Dies umso mehr, als die Versicherte danach in der Lage war, den mehrstündigen Rücktransport im Bus auf sich zu nehmen und erst am nächsten Tag einen Arzt aufsuchte.
  • Fest steht, dass die Versicherte von einer Person, die von einer anderen beim Turnen über die Schulter geworfen wurde, mit den beschuhten Füssen einen Schlag von rechts an den Hals, Nacken und Kopf bekam. Danach fiel sie zu Boden und erbrach. Divergierende Angaben bestehen zur Frage, ob die Versicherte bewusstlos war oder nicht.

Urteil 8C_896/2014 vom 28.09.2015 (Volltext): Bei Auseinandersetzung zu Boden gestürzt

 

7. Soweit die Versicherte eine psychiatrische Abklärung verlangt, ist festzuhalten, dass sie laut den Polizeiakten am 19. Januar 2011 bei einer verbalen Auseinandersetzung von einer Frau aus einem Bus gezerrt wurde und zu Boden stürzte. Dieser Unfall ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften (...) als leicht einzustufen. ... Damit entfällt eine Leistungspflicht der AXA mangels adäquater Unfallkausalität allfälliger psychischer Beschwerden. Somit ist der natürliche Kausalzusammenhang nicht zu prüfen (...).

Urteil 8C_454/2014 vom 02.09.2014 E. 6.3 (Volltext): Ausrutschen

 

Wenn der Versicherte bei der Arbeit auf einem schneebedeckten Gerüst ausrutscht und sich am Knie verletzt, handelt es sich um einen leichten Unfall.

Urteil 8C_51/2014 (BGE 140 V 356) vom 14.07.2014 (Volltext): HIV-Infektion durch Nadelstich

 

5.3. Bei der Katalogisierung der Unfälle mit psychisch bedingten Folgeschäden ist am augenscheinlichen Geschehensablauf, also am Unfallereignis an sich, jedoch nicht am Unfallerlebnis anzuknüpfen (BGE 115 V 133 E. 6 Ingress S. 138 f.). Wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat, handelt es sich bei diesem Ereignis in casu um einen Nadelstich, welcher in Anbetracht der gesamten Umstände als banaler Unfall zu qualifizieren ist. Dass dabei das HI-Virus übertragen wurde, spielt bei der Beurteilung der Unfallschwere keine Rolle, weil die Infektion nicht das Unfallereignis an sich betrifft, sondern Unfallfolge ist.

Urteil 8C_1016/2010 vom 31.05.2011 E. 3 (Volltext): Kopf anstossen

 

Das Anstossen des Kopfes der Versicherten am Autodach ist höchstens als leichter Unfall zu qualifizieren, ...

Urteil 8C_715/2010 vom 02.12.2010 (Volltext): Auffahrkollision Abgrenzung

 

Abgrenzung bei Auffahrkollisionen zwischen leichten und mittleren zu leichten Unfällen:

 

5.2.1 (Delta-v) zwischen 5,8 und 8,6 km/h = leichtes Ereignis

 

5.2.2 Auffahrkollisionen auf ein (haltendes) Fahrzeug werden in der Regel als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04). In einzelnen Fällen hat das höchste Gericht einen leichten Unfall angenommen, so insbesondere bei einer niedrigen kollisionsbedingten Geschwindigkeitsveränderung (Delta-v unter 10 [bis 15] km/h) und zusätzlich weitgehendem Fehlen von unmittelbar im Anschluss an den Unfall auftretenden Beschwerden (SVR 2010 UV Nr. 10 S. 40, 8C_626/2009).

Urteil U 145/02 vom 02.12.2002 (Volltext): Sturz

 

E 3.2 Sturz mit Schenkelhalsbruch bei Eisregen = leichter Unfall 

Urteil 8C_887/2009 vom 21.01.2010 (Volltext) : Sturz

 

5.2 Der Unfall der Versicherten vom 24. Februar 2004 (Sturz beim Aussteigen aus dem Auto) ist auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26 E. 5.3.1 [U 2/07]) unbestrittenermassen als leicht zu bezeichnen.

Urteil 8C_893/2009 vom 05.12.2009 E. 5.3  (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-v 2.8 - 6.6 = leichter Unfall = direkte Verneinung der Adäquanz

 

Die Schwere des Unfalles ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu bestimmen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Laut Unfallanalyse der Zürich vom 12. Februar 2007, an der zu zweifeln kein Anlass besteht, (zur Verwertbarkeit versicherungsinterner Analysen vgl. Urteil 8C_138/2009 vom 23. Juni 2009 E. 4.3) betrug die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung des Fahrzeuges des Versicherten zwischen 2,8 und 6,6 Stundenkilometer. Gemäss den Erhebungen der Stadtpolizei Zürich wurde am Wagen des Versicherten die Stossstange hinten leicht eingedrückt und zerkratzt, während am Fahrzeug des Unfallverursachers die Kontrollschildhalterung vorne brach. Dem Beschwerdeführer wurde in Folge des Unfalles keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Aus diesen Indizien ist zu schliessen, dass beim Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur leichte Kräfte auf den Körper des Versicherten eingewirkt haben. Daran vermag, entgegen dem Beschwerdeführer, auch die nach Einschätzung der Polizisten fehlende Fahrtauglichkeit des Unfallverursachers nichts zu ändern. Die vorinstanzliche Qualifikation des Unfallereignisses als leicht und die damit verbundene Verneinung der Adäquanz eines allfälligen natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 24. November 2002 und den über den 31. Dezember 2003 hinaus geklagten Beschwerden ist somit nicht zu beanstanden.

Urteil 8C_536/2007 vom 11.06.2008 (Volltext): Auffahrkollision

 

Auffahrunfall in einem Kreisel; beschädigte Fahrzeuge können Fahrt fortsetzen

Urteil U 42/07 vom 16.01.2008 (Volltext): Auffahrkollision

 

Stop-and-Go-Verkehr

Urteil U 406/06 vom 22.10.2007 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V zwischen 0 und 9 km/h

Urteil U 402/05 vom 23.08.2007 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V maximal 4.5 km/h

Urteil U 228/05 vom 16.03.2006 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V 0 - 7 km/h

Urteil U 174/03 vom 10.11.2004 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V 4 - 7 km/h

Mittlere im Grenzbereich zu leichten Unfällen

Rechtsprechung in chronologische Reihenfolge zu den mittel-leichten Unfällen

Adäquanz (HWS-Praxis / Psycho-Praxis) liegt vor, wenn

Urteil 8C_647/2018 vom 16.01.2019 (Volltext): Finger in der Autotüre eingeklemmt

 

Versicherte klemmte den Mittelfinger der linken Hand in der Autotüre ein. Die Folge war eine Endgliedamputation. 

 

Die vorinstanzlich bestätigte Qualifikation des Unfalls vom 4. November 2012 als mittelschwer an der Grenze zu den leichten Unfällen wird ebenfalls nicht beanstandet (E. 5.1).

Urteil 8C_414/2017 vom 26.02.2018 (Volltext): Fahrradsturz auf Eis

 

Beim Sturz mit dem Fahrrad auf vereister Strasse auf den Kopf handelt es sich um einen leichten Unfall im Grenzbereich zu den mittelschweren Unfällen.

Urteil 8C_788/2015 vom 10.03.2016 E. 3.1 (Volltext): Fallender Gegenstand

 

Dem Versicherten fiel in seiner Wohnung ein gebrochenes Lavabo auf den rechten Fuss.

Urteil 8C_436/2015 vom 02.09.2015 (Volltext): Auf Glatteis ausgerutscht

 

Versicherte stürzt auf Glatteis auf den Hinterkopf. Gemäss E. 3.2.3 leichter Unfall im Grenzbereich zu den mittelschweren.

Urteil 8C_791/2014 vom 01.04.2015 (Volltext): Frontalkollision

 

4.2. ... Im Zuge des frontalen Aufpralls erfuhr das Fahrzeug des Beschwerdeführers eine Geschwindigkeitsänderung von 20 bis 30 km/h. In Anbetracht des Unfallhergangs ist der Vorfal klarerweise als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren.

Urteil 8C_325/2014 vom 15.01.2015 (Volltext): Skifahren

 

4.1.1. ... Das Bundesgericht hat Stürze beim Skifahren, teilweise verursacht durch Kollisionen mit anderen Skifahren, in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert. ... 

Urteil 8C_899/2013 vom 15.05.2014 E. 5.1.2 (Volltext): Treppenstürze 

 

Treppenstürze werden in der Regel als mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen betrachtet. Der Kontakt zum abfallenden Untergrund setzt beim Sturz auf einer Treppe die Geschwindigkeit herab, was die auf den Körper einwirkenden Kräfte.

Urteil 8C_795/2012 vom 28.11.2012 (Volltext): Bus-Vollbremsung mit Kopfanprall Passagierin

 

Vollbremsung eines Linienbusses mit 30 km/h mit Anschlagen des Kopfes einer Passagierin

Urteil 8C_169/2012 vom 11.6.2012 (Volltext): Augenverletzung

 

Abgesplittertes ca. 3 mm grosses Metallstück dringt unterhalb des unteren Augenlides in die Augenhöhle.

Urteil 8C_571/2010 vom 23.12.2011 (Volltext): Auffahrkollisionen

 

6.1 Einfache Auffahrunfälle werden rechtssprechungsgemäss in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04 E. 5.1.2. mit Hinweisen). ...

Urteil 8C_587/2011 vom 23.12.2011 (Volltext): Starkstrom-Schlag

 

Mit Lastwagen SBB-Fahrleitung touchiert und dabei Führerkabine unter Starkstrom gesetzt. Verletzung: Nach anfangs nur kleiner Rötung, Schwellung und Druckdolenz am Vorderarm Entwicklung einer traumatischen Somatisierung. - Gemäss E. 9.2 ist der zu beurteilende Stromunfall als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren.

Urteil 8C_451/2011 vom 18.8.2011 (Volltext): Kollision Velo/Velo mit Sturz

 

2.4 .. wobei präzisierend von einem mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegenden Ereignis auszugehen ist (vgl. Urteile 8C_605/2010 vom 9. November 2010 E. 6.1 und 8C_390/2010 vom 20. Juli 2010 E. 2.3), ... 

Urteil 8C_711/2010 vom 14.1.2011 (Volltext): PW auf Dach gekippt

 

5.3. ... Die Beschwerdeführerin war am 18. Dezember 2005 als Lenkerin ihres Personenwagens mit einer Geschwindigkeit von 20-30 km/h unterwegs, als sie auf Grund der vereisten Fahrbahn die Kontrolle über das Fahrzeug verlor, mit einem Randleitpfosten kollidierte und danach auf einen Erdwall geriet, wodurch das Fahrzeug sich überschlug und auf dem Dach liegen blieb; die Versicherte konnte sich mit Hilfe von Passanten aus dem Auto befreien. In Anbetracht dieses Unfallhergangs haben Vorinstanz und Beschwerdegegnerin den Unfall zu Recht im mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten Unfällen angesiedelt. ...

Urteil 8C_748/2010 vom 9.12.2010 (Volltext) : Sturz auf Rücken

 

Auf der Teppe ausgerutscht und rückwärts auf Rücken, Schultern und Arme gefallen = Mittleres zu den leichten Ereignissen

Urteil 8C_622/2010 vom 3.12.2010 (Volltext): Sturz und andere Beispiele

 

Sturz beim Tragen eines PC-Monitors = mittel zu leicht.

 

4.1 ... Als an der Grenze zu den leichten Unfällen qualifiziert wurden etwa

Urteil 8C_746/2010 vom 12.11.2010 (Volltext): Stromstoss

 

4.3 Das kantonale Gericht hat den erlittenen Stromunfall als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert.

 

Zum Einwand, dass es sich um einen Starkstromunfall gehandelt habe und daher ein schweres Ereignis anzunehmen sei, hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, ein entsprechender Nachweis lasse sich nach Lage der Akten nicht erbringen. Mit Blick auf vergleichbare Fälle ändert dies im Ergebnis indessen ohnehin nichts, wurde doch selbst ein Starkstromunfall dem mittleren Bereich zugeordnet (RKUV 1993 Nr. U 166 S. 92 E. 2b; Urteil U 137/93 vom 26. Oktober 1994 E. 2b). 

Urteil 8C_748/2010 vom 9.12.2010 (Volltext): Sturz auf der Treppe

 

Auf der Teppe ausgerutscht und rückwärts auf Rücken, Schultern und Arme gefallen = Mittleres zu den leichten Ereignissen

Urteil 8C_310/2010 vom 29.7.2010 (Volltext): Auffahrkollision

 

Kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung Delta-v 11.9 bis 15.7 km/h

Urteil 8C_390/2010 vom 20.7.2010 (Volltext): Sturz mit dem Velo

 

2.3. ... Auch die Einstufung des Sturzes mit dem Fahrrad als mittelschwer, im Grenzbereich zu den leihten Fällen liegend, hält einer Überprüfung durch das Bundesgericht durchaus stand. ...

Urteil 8C_327/2010 vom 22.7.2010 (Volltext): (Beinahe) Frontalkollision / Harmlosigkeitsgrenze

  • Delta-V 14 - 16: Mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen
  • Harmlosigkeitsgrenze bei einem Delta-v von 20 - 30

5.2.1 ... Dieses Vorbringen vermag indessen eine Unfallschwere über dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen nicht darzutun. Festzuhalten ist, dass die Fahrzeuge gemäss Unfallanalyse vom 13. März 2008 "unter einem Winkel zwischen den Längsachsen von rd. 140-150 Grad kollidierten und somit nahezu von einer Frontalkollision auszugehen ist. Bei Frontalkollisionen liegt die sog. Harmlosigkeitsgrenze für HWS-Beschwerden bei einem Delta-v-Wert von 20-30 km/h und demnach deutlich höher als bei den klassischen Heckauffahrunfällen (vgl. Urteile 8C_786/2009 vom 4. Januar 2010 E. 4.6.1 und 8C_582/2007 vom 29. April 2008 E. 4.1 mit Hinweisen). Dass die Kollision aus der Perspektive des Versicherten nicht ganz frontal erfolgte, rechtfertigt kein Abweichen von diesem Grundsatz, zumal der Toyota dabei gemäss Unfallanalyse nur eine geringe Rotation erfuhr.

Urteil 8C_246/2009 vom 6.4.2010 (Volltext): Auffahrkollision

 

5.1. … Dabei wird eine einfache Auffahrkollision auf ein haltendes Fahrzeug in der Regel als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04 E. 5.1.2).

Urteil 8C_411/2009 vom 23.9.2009 (Volltext): Sturz mit Snowbord 

 

Auf vereister Piste mit Snowboard verkantet und dabei auf den Hinterkopf geprallt.

Urteil 8C_77/2009 vom 04.06.2009 E. 4.1.2 (Volltext): Handverletzungen

 

Demgegenüber wurden folgende Handverletzungen als mittelschweres Geschehen im Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingestuft:

Urteil U 297/06 vom 24.8.2007 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V 10 - 15 km/h und 14.5 bis 18.5 km/h

Urteil U 408/05 vom 26.1.2007 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V 12 - 17 km/h

Urteil U 341/04 vom 14.12.2005 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V 2.3 - 4.8 km/h

Mittlere Unfälle im mittleren Bereich

Rechtsprechung in chronologische Reihenfolge zu den mittel-mittel Unfällen

Adäquanz (HWS-Praxis / Psycho-Praxis) liegt vor, wenn

Urteil 8C_598/2020 vom 03.12.2020 E. 9.2.2 (Volltext): PW-Kollision mit mehrmaligem Überschlag

 

Der Versicherte ist als Autofahrer "bei der Kollision mit einem anderen Personenwagen und der Überschlagung auf das Dach" verunglückt. Er sei infolge Regens nur mit 60 bis 70 km/h auf der Schnellstrasse unterwegs gewesen. Auf der Höhe eines Hügels sei etwas gekommen, vielleicht ein Tier. Er habe gebremst, mehr wisse er nicht. Man habe ihn nach 46 Minuten gefunden und aus dem Fahrzeug schneiden müssen. Gemäss Polizeiangaben habe es ihn "den Abhang hinunter über 200 m" mehrmals überschlagen. Gemäss dem Polizeibericht vom 16. Dezember 2014 habe die Feuerwehr den Beschwerdeführer aus seinem Auto befreien müssen. 

 

Darüber hinaus lassen sie die Qualifikation des Unfalls vom 17. Februar 2014 als mittelschwer im engeren Sinne weder als willkürlich noch sonstwie als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen. 

Urteil 8C_627/2019 vom 10.03.2020 E. 5.3.3 (Volltext): Kollision Motorräder / Personenwagen

 

Zusammenfassend zeigt sich, dass Kollisionen zwischen Motorrädern und Personenwagen in der Regel als mittlere Ereignisse im engeren Sinne zu qualifizieren sind, soweit nicht zusätzliche erschwerende Umstände wie beispielsweise die Beteiligung einer mitfahrenden Person, das Wegschleudern über mehrere Meter, die Grösse des Kollisionsfahrzeuges oder hohe Geschwindigkeiten in Betracht zu ziehen sind. 

Urteil 8C_518/2019 vom 19.02.2020 (Volltext): Kollision Mofa / PW

 

 Die Versicherte kollidierte als Lenkerin eines Kleinmotorrads mit einem nicht vortrittsberechtigten Personenwagen.

 

Im vorliegenden Fall sind folgende drei Kriterien erfüllt und somit wurde die Adäquanz im Rahmen der Psycho-Praxis bejaht: 

Urteil 8C_212/2019 vom 21.08.2019 E. 4.2.2 (Volltext): PW von Strasse geschleudert z. T. mit Überschlag

  • 13 Beispiele von mittleren Unfällen im mittleren Bereich

Es handelte sich um eine Frontalkollision zwischen zwei Personenwagen, wobei die Wucht des Aufpralls die Fahrzeuge ins angrenzende Wiesland schleuderte, wo diese auf ihren Rädern zum Stillstand gekommen sind. Alle beteiligten Personen konnten die Autos selbstständig verlassen. Damit waren aber nicht höhere Krafteinwirkungen verbunden als bei zahlreichen anderen Unfallereignissen, welche von der Rechtsprechung noch als im engeren Sinne mittelschwer beurteilt wurden.

 

Der Unfall entspricht weitgehend, wenn auch weniger heftig, demjenigen in Urteil 8C_720/2017 vom 12. März 2018. Dort geriet die versicherte Person mit ihrem Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h auf die Gegenfahrbahn. Es kam mit einem ersten Auto zu einer Streifkollision und anschliessend mit einem weiteren zu einer Frontalkollision. Das Fahrzeug der Versicherten wurde ins angrenzende Wiesland geschleudert. Die Airbags wurden ausgelöst (a.a.O. E. 4.3). Auch dieser Unfall wurde als im engeren Sinne mittelschwerer Unfall qualifiziert.

 

Zu erwähnen sind hiezu weitere Ereignisse,

  • bei welchen das Fahrzeug mit der versicherten Person ins Schleudern geriet, von der Strasse abkam, sich über eine Grasböschung seitlich überschlug und auf dem Dach zum Stillstand kam;
  • bei einem Überholmanöver mit ca. 100 km/h abrupt abgebremst wurde, dabei ins Schleudern geriet, gegen einen Strassenwall prallte, sich überschlug und auf der Fahrerseite zu liegen kam;
  • einen Lastwagen beim Überholen touchierte und sich überschlug;
  • von der Strasse abkam und sich überschlug;
  • auf der Autobahn in einer Kurve ins Schleudern geriet, sich überschlug und auf dem Dach liegend zum Stillstand kam;
  • sich bei einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h auf einer Autobahn über eine Mittelleitplanke hinweg überschlug - wobei die versicherte Person hinausgeschleudert wurde - und mit Totalschaden auf der Gegenfahrbahn auf dem Dach zu liegen kam;
  • mit einer Fahrgeschwindigkeit von 110 km/h auf den Fahrstreifen für den Gegenverkehr, dann auf das linksseitige Strassenbankett und schliesslich in den Strassengraben geriet, wobei es sich mehrere Male überschlug;
  • frontal mit einem anderen Personenwagen kollidierte, wobei die Geschwindigkeit des unfallverursachenden Personenwagens 30 bis 40 km/h betrug und diejenige des beteiligten Fahrzeugs auf etwa 70 bis 80 km/h geschätzt wurde;
  • bei einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 80 km/h mit einem Drahtgitterzaun abseits der Strasse kollidierte, sich seitlich überschlug und auf dem Dach liegend im angrenzenden Wiesland zum Stillstand kam;
  • mit einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h frontal in einen stehenden Personenwagen prallte; auf der Autobahn mit ca. 130 km/h wegen des Platzens eines Reifens ins Schleudern geriet, sich um die eigene Achse drehte, wobei es einen Schutzzaun durchbrach und anschliessend nach der Überquerung mehrerer Wassergräben auf einem Acker neben der Fahrbahn zum Stehen kam;
  • ungebremst mit etwa 100 km/h in ein mit ca. 80 km/h fahrendes noch ein Abbrems- und Ausweichmanöver einleitendes Auto stiess (vgl. zu Autounfällen allgemein Urteil 8C_398/2012 E. 5.2; Urteil 8C_434/2012 vom 21. November 2012 E. 7.2.2 je mit zahlreichen Hinweisen).

Die dargelegte Kasuistik macht deutlich, dass entgegen der vorinstanzlichen Annahme, das Ereignis vom 8. Mai 2013 als mittelschwerer Unfall im engeren Sinne zu qualifizieren ist.  

Urteil 8C_632/2018 vom 10.05.2019 E. 8.3 (Volltext): Sturzhöhe ca. 2 bis 4 Meter; Abstand Fülle massgebend

 

Praxisgemäss werden Stürze aus einer Höhe zwischen etwa 2 und 4 Metern in die Tiefe noch als im engeren Sinne mittelschwere Unfälle qualifiziert (Urteil 8C_44/2017 vom 19. April 2017 E. 5.2 mit Hinweisen).  

 

Der Suva ist beizupflichten, dass sich die Sturzhöhe nicht nach dem Abstand des Kopfes, sondern nach demjenigen der Füsse des Versicherten bzw. der ihn tragenden Fläche vom Boden bemisst. Ansonsten müsste jedes gewöhnliche Hinfallen als Sturz aus einer Höhe, die der Körpergrösse entspricht, qualifiziert werden.

Urteil 8C_720/2017 vom 12.03.2018 (Volltext): Auf Gegenfahrbahn mit Streif- und Frontalkollision

 

4.3. ... Unbestrittenermassen geriet die Versicherte am 12. August 2013 bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h mit ihrem Personenwagen auf die Gegenfahrbahn, wo es zunächst zu einer Streifkollision mit dem ersten entgegenkommenden und anschliessend zu einer Frontalkollision mit dem diesem folgenden Auto kam. Daraufhin wurde das Fahrzeug der Versicherten ins angrenzende Wiesland geschleudert; die Airbags wurden ausgelöst. Wie die Vorinstanz unter Hinweis auf zahlreiche bundesgerichtliche Urteile zutreffend erwogen hat, ist dieses Ereignis als ein im engeren Sinne mittelschwerer Unfall zu qualifizieren.

 

Entgegen den Ausführungen der Versicherten kann der von ihr erlittene Unfall nicht mit jenem im Urteil 8C_129/2009 vom 15. September 2009 verglichen werden, kam es doch bei ihr nicht zu einer vollen seitlichen Kollision, sondern lediglich zu einer Streifkollision in Kombination mit einer anschliessenden Frontalkollision. ...

Urteil 8C_611/2016 vom 16.12.2016 (Volltext): Seitliche Kollision Auto / Auto (Raser) 

 

Das Fahrzeug der Versicherten wurde bei der Kollision auf der rechten (Beifahrer-) Seite auf der Höhe der Hinterachse von der Front eines anderen Personenwagens gerammt. Es drehte sich um die eigene Achse und prallte dann in einen Wegweiser. Der Unfallverursacher bei der Kollision sei mit einer Geschwindigkeit von 105 bis 115 Stundenkilometern im Zuge eines Strassenrennens unterwegs gewesen sei (E. 3.2.).

Urteil 8C_12/2016 vom 01.06.2016 (Volltext): Kollision Mofalenkerin / Lieferwagen

 

Bei einer Kollision einer Mofalenkerin, welche den Vortritt missachtet und mit einem Lieferwagen kollidiert, handelt es sich um einen mittelschweren Unfall im engeren Sinne (E. 7.3.2.)

Urteil 8C_788/2015 vom 10.03.2016 E. 4 (Volltext): Schwerer, fallender Gegenstand auf Kopf

 

Oftmals wurde bei Fällen im mittleren Bereich im engeren Sinne der Kopf von einem schweren Gewicht getroffen.

Urteil 8C_871/2014 vom 24.06.2015 (Volltext): Sturz auf Rücken

 

Sturz aus einer Höhe von mehreren Metern auf den Rücken mit Wirbelsäulenverletzung (E. 4) 

Urteil 8C_496/2014 vom 21.11.2014 (Volltext): Sturzhöhe 5 Meter auf die Füsse

 

4.2.3. Praxisgemäss werden Stürze aus einer Höhe zwischen etwa zwei und etwa vier Metern in die Tiefe noch als im engeren Sinne mittelschwere Unfälle qualifiziert; landet die versicherte Person auf den Füssen, so ist selbst bei einer Sturzhöhe von fünf Metern nicht ein Unfall im Grenzbereich zu den schweren Ereignissen anzunehmen. ...

Urteil 8C_202/2014 vom 09.07.2014 (Volltext): Stürzte aus einigen Metern

 

4.1. Das Bundesgericht hat Stürze aus einer Höhe von einigen Metern regelmässig dem eigentlich mittleren Bereich zugeordnet.

Urteil 8C_546/2013 vom 24.9.2013 (Volltext) : Fussgängerstreifen

 

Fussgänger auf Fussgängerstreifen mit 40 - 50 km/h frontal erfasst.

Urteil 8C_945/2012 vom 15.3.2013 (Volltext): Eis durchbricht Windschutzscheibe

 

3.2. ... Der Versicherte war mit seinem Auto unterwegs, als sich Eis vom Dach eines entgegenkommenden Lastwagens löste, die Windschutzscheibe des Wagens des Versicherten durchbrach und ihn am Kopf verletzte. Mit der Vorinstanz ist dieses Ereignis als Unfall im eigentlichen mittleren Bereich zu qualifizieren.

Urteil 8C_550/2012 vom 1.2.2013 (Volltext): Frontalkollision Delta-v 25 - 50 km/h

 

5.3 ... Bei Frontalkollisionen ist zu beachten, dass sich die kollisionsbedingten Kräfte nicht in gleicher Weise auf den Körper auswirken wie bei einem eigentlichen Schleudertrauma der HWS, wo der Kopf zunächst nach hinten flektiert wird, und die sog. Harmlosigkeitsgrenze für HWS-Beschwerden in einem Bereich von 20-30 km/h liegt. - Bei einer Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) von 25 bis 50/km/h ist von einem im engeren Sinn mittelschweren Unfall auszugehen.

Urteil 8C_561/2012 vom 12.12.2012 (Volltext): Stapler überfährt Fuss

 

Rechter Fuss der Versicherten geriet unter einen rückwärts fahrenden Hubstapler.

Urteil 8C_434/2012 vom 21.11.2012 (Volltext): Frontalkollision

 

PW prallt innerorts frontal in die Seite eines Linienbusses (E. 7.2.2). 

Urteil 8C_398/2012 vom 6.11.2012 (Volltext): PW-Selbstunfall

 

Selbstunfall über Strassengraben mit Böschungsaufprall und nach 170-%-Drehung Stillstand auf den Rädern.

Urteil 8C_179/2012 vom 8.11.2012 (Volltext): Elektrounfall

 

Elektronunfall mit Verbrennungen an Händen, an den Armen und am rechten Knie (E. 5.2).

Urteil 8C_363/2012 vom 27.6.2012 (Volltext) : Selbstunfall

 

Selbstunfall bei 115 km/h auf Autobahn mit Überschlag und Totalschaden (E. 4.3). 

Urteil 8C_710/2011 vom 1.6.2012 (Volltext): Schlitteln

 

Zusammenprall zweier Schlitten; Versicherte landet zwei Meter weiter auf dem Rücken im Tiefschnee (E. 3.5).

Urteil 8C_435/2011 vom 13.2.2012 (Volltext): Verbrühung

 

Versicherte verbrühte sich beim Öffnen eines Steamers im Bereich der Schulter, des Thorax und des Vorderarms (E. 4.2).

Urteil 8C_769/2011 vom 31.1.2012 (Volltext): Seitliche Fronttalkollision

 

Seitliche Frontalkollision PW/PW mit Kopfanprall gegen die Windschutzscheibe trotz Sicherheitsgurten.

Urteil 8C_381/2011 vom 1.12.2011<link file:2576 _blank> (Volltext): Kollision Mofa / Auto

 

3.1 ... stiess der Beschwerdeführer am 30. August 2006 auf seinem Mofa innerorts bei einer Geschwindigkeit von ca. 30 km/h mit einem entgegenkommenden nach links abbiegenden Auto zusammen. Er prallte dabei seitlich-rechts in das Heck des Personenwagens und wurde durch die Luft geschleudert. Ein Zusammenprall seines Körpers mit dem Fahrzeug fand gemäss den Akten nicht statt. Er trug einen Helm. Beim Mofa wurde vorne die Gabel eingedrückt und der Rahmen verbogen. Am Auto zeigten sich keine Unfallschäden. Dieses Unfallereignis ist als mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich einzustufen (vgl. Urteil U 351/05 vom 21. März 2006 E. 3.5).

Urteil 8C_445/2010 vom 03.11.2010 (Volltext): Hand in Betonrührmaschine

 

Am 23. März 2006 wurde die rechte dominante Hand des Versicherten in eine Betonrührmaschine hineingezogen.

Urteil 8C_1026/2010 vom 7.10.2011 (Volltext): Massenkollision mit Totalschaden

 

Mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich (E. 5.1) 

Urteil 8C_362/2011 vom 30.6.2011 (Volltext): Stromstoss

 

3.2 ... Gemäss der Rechtsprechung ist für sich alleine ein Stromunfall mit Bewusstlosigkeit oder zumindest Benommenheit und mit Muskelkrämpfen als mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich zu qualifizieren (vgl. Urteil 8C_584/2010 vom 11. März 2011 E. 4.2.4; RKUV 1993 Nr. U 166 S. 92, U 29/92 E. 2b; Urteil U 137/93 vom 26. Oktober 1994 E. 2b). ...

Urteil 8C_996/2010 vom 14.3.2011 (Volltext): Frontal-seitliche Kollision

 

7.1 ... Bei einer frontal-seitlich versetzten Kollision mit dem mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 - 75 km/h korrekt entgegenkommenden Autos handelt es sich um ein mittleres Ereignis. Durch den Aufprall wurde das Auto des Letzteren von der Fahrbahn abgetrieben, überfuhr den Strassenrand, hob ab und kam 25 m weiter auf einem bereits am Boden liegenden Telefonstrommast zum Stillstand. ...

Urteil 8C_624/2010 vom 3.12.2010 (Volltext): Autounfälle

 

Kam von der Autobahn ab und überschlug sich = mittleres Ereignis

 

4.1.3 .. Als mittelschwere Ereignisse im mittleren Bereich - wie das vorliegende Ereignis - wurden in jüngerer Zeit etwa folgende Unfälle qualifiziert:

Urteil 8C_681/2010 vom 3.11.2010 (Volltext): Tätliche Auseinandersetzungen 

 

6.2 ... Wie ein Blick auf vergleichbare Fälle zeigt, hat die Rechtsprechung tätliche Auseinandersetzungen in der Regel dem eigentlich mittleren Bereich zugeordnet (vgl. etwa Urteile 8C_281/2010 vom 28. September 2010 E. 4.1; 8C_476/2010 vom 7. September 2010 E. 4; 8C_1062/2009 vom 31. August 2010 E. 4.2.1; 8C_1032/2009 vom 11. Mai 2010 E. 4; SVR 2007 UV Nr. 29 S. 99, U 98/06 E. 3.2; U 105/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.3; U 37/94 vom 21. August 1997 E. 5a; RKUV 1996 Nr. U 256 S. 215, U 215/94 E. 6b/bb); vereinzelt wurde ein mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen angenommen (Urteile 8C_340/2007 vom 12. Juni 2008 E. 5.3 und U 503/06 vom 7. November 2007 E. 6) oder ein mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den schweren Unfällen (Urteile 8C_519/2008 vom 28. Januar 2009 E. 5.2.1, 5.2.2; U 382/06 vom 6. Mai 2008 E. 4.2 und 4.3; RKUV 2001 Nr. U 440 S. 350, U 9/00 E. 6a).

 

Mit dem kantonalen Gericht ist hier von einem Unfall im eigentlich mittleren Bereich auszugehen, ohne dass diesbezüglich beweismässige Weiterungen erforderlich wären. Im Vergleich mit den angeführten Präjudizien lässt sich eine andere Kategorisierung nicht rechtfertigen. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Einwände, namentlich dass ein Kräfteungleichgewicht bestanden habe und der Angriff mit einer gefährlichen Schlagwaffe (Baseballschläger) erfolgt sei, vermögen den Vorfall nicht in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Die Umstände des hier streitigen tätlichen Konflikts hat die Vorinstanz eingehend geschildert. Es kann darauf verwiesen werden.

Urteil 8C_400/2010 vom 27.9.2010 (Volltext): Suizidversuch

 

Suizidversuch mittels Erhängen mit Gewalteinwirkung auf Hals und Luftröhre entspricht einem mittleren Ereignis.

 

3.3.2 Bei aller Tragik, welche einem Versuch, sich zu erhängen, anhaftet, stellt die Vorinstanz doch zu Recht auch fest, dass der äussere, augenfällige Geschehensablauf objektiv relativ harmlos war. Es mag sich daher gar ernsthaft fragen, ob die Einstufung des Ereignisses durch die SUVA als mittelschwerer Vorfall im engeren Sinne den konkreten Verhälltnissen nicht eher gerecht wird. Wie es sich diesbezüglich verhält, kann jedoch dahingestellt bleiben, wenn sich die vorinstanzliche Auffassung bestätigen lässt, wonach kein einziges der in die Adäquanzprüfung mit einzubeziehenden Kriterien erfüllt ist (vgl. nachstehende E. 3.4).

Urteil 8C_476/2010 vom 7.9.2010 (Volltext): Vergewaltigung

 

Zusammengeschlagen und vergewaltigt

Urteil 8C_715/2009 vom 30.3.2010 (Volltext): Von herunterfallenden Reklametafel getroffen

 

Eine etwa 15 kg schwere Reklametafel, welche dem Versicherten aus einer Höhe von etwa 2 m auf den Kopf beziehungsweise Nacken gefallen ist.

Urteil 8C_897/2009 vom 29.1.2010 (Volltext): Frontalkollision mit 70 km/h 

 

Bei verschneiter Autobahn gerät der Wagen bei 70 km/h ins Schleudern und prallt frontal in die Mittelleitschranke aus Beton.

Urteil 8C_488/2009 vom 30.10.2009 (Volltext): Von herunterfallenden Deckenplatte getroffen

 

Ein Gast sass in einem Restaurant, als sich eine Deckenplatte löste und auf ihn fiel. 

Urteil 8C_77/2009 vom 04.06.2009 E. 4.1.2/3 (Volltext): Finger-Amputationen / Handverletzungen

 

In der Praxis wurden als schwerere Fälle im mittleren Bereich etwa Amputationen an den Fingern III-V durch ein laufendes Fräsblatt (RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428 E. 2b/bb [U 280/97]) und die Totalamputation an den Fingern I-III mit subtotaler Amputation an den Fingern IV und V beim Kehlen beurteilt (Urteil U 233/95 vom 13. Juni 1996 E. 3b).

 

Als mittelschwer im engeren Sinn wurden Unfälle eingestuft,

  • bei denen der Versicherte beim Reinigen einer Doppelwalze mit der linken Hand in die Walzenräder geriet und dabei ein Degloving des linken Daumens und Quetschwunden im Bereich der Endglieder und -gelenke der Finger II, IV und V sowie eine Zerrung und Distraktionsverletzung der gesamten linken oberen Extremität
  • oder beim Holzfräsen folgende Verletzungen erlitt: "Am Daumen subtotale Abtrennung knapp proximal des IP-Gelenks mit intakter 4mm breiter Weichteilbrücke dorsalseits und fraglicher Zirkulation, palmarer Weichteildefekt bis in den Bereich der Fingerkuppen-Mitte, Defektläsion im Bereich des Grundphalanxköpfchens mit Zerstörung des IP-Gelenks;
  • am Zeigefinger 3 cm lange, schrägverlaufende ulnopalmare Rissquetschwunde mit Durchtrennung der Profundus-Beugesehne sowie des ulnaren Superficialis-Beugesehnenzügels in der Zone II, Durchtrennung des ulnopalmaren Gefäss-Nervenbündels bei intakter Zirkulation; am Mittelfinger subtotale Abtrennung Höhe PIP-Gelenk mit intakter 1 cm breiter Weichteilbrücke radiopalmar, Zirkulation intakt, Sensibilitätsstörung ulnarseits bei intakter Sensibilität radialseits und Defektläsion im Bereich der Mittelphalanxbasis mit Zerstörung von zirka der Hälfte der PIP-Gelenkfläche" (Urteil U 19/06 vom 18. Oktober 2006 Sachverhalt A und E. 3; vgl. auch die dortige Praxisübersicht).

Urteil 8C_957/2008 vom 1.5.2009 (Volltext): Von herunterfallenden Schaukel getroffen

 

Die Versicherte sass als Gast einer Geburtstagsfeier auf einer Bank an einer Hausfassade, als eine "Hollywoodschaukel", welche sich auf der darüberliegenden Dachterrasse befand, durch eine Windböe erfasst wurde und über das Geländer auf sie fiel.

Urteil 8C_792/2008 vom 3.2.2009 (Volltext): Von herunterfallendem Kind getroffen

 

Ein dreijähriges, etwa 13 kg schweres Kind fiel von der zweit- oder drittobersten Stufe einer etwa 2,55 m hohen Sprossenwand auf die Schulter seiner etwa 1,65 m grossen Mutter.  

Urteil 8C_280/2008 vom 10.9.2008 (Volltext): Vollbremsung mit 1000 kg Gewicht

 

Der Versicherte testete einen Lieferwagen, auf dessen Ladebrücke ein ungefähr 1000 kg schwerer Wassertank stand; nach Einleitung einer Vollbremsung aus einer Geschwindigkeit von ca. 70 km/h kippte der in der Mitte der Ladebrücke stehende Wassertank um und prallte gegen Lade- und Kabinenwand. 

Urteil 8C_57/2008 vom 16.5.2008 (Volltext): Von herunterfallendem Material getroffen

 

Dem als Bauarbeiter beschäftigten Versicherten fiel aus einer Höhe von ca. 12 m eine etwa 4,4 kg schwere Packung mit Isolationsmaterial auf den behelmten Kopf und auf das Gesicht.

Urteil U 568/06 vom 29.6.2007 (Volltext): Von herunterfallendem Gesteinsstück getroffen

 

Bei "Abspitzarbeiten" an einer Betondecke wurde ein Versicherter von einem herunterfallenden Gesteinsstück getroffen und am Kopf sowie an der Schulter links verletzt.

Urteil U 408/05 vom 26.1.2007 (Volltext): Auffahrkollision

 

Delta-V 26 - 32 km/h

Urteil U 282/00 vom 21.10.2003 (Volltext): Von herunterfallenden Schalttafel getroffen

   

Ein Versicherter wurde von einer aus fünf Metern Höhe zu Boden fallenden 15,6 kg schweren Schalttafel am Kopf getroffen.

Mittlere im Grenzbereich zu schweren Unfällen

Rechtsprechung in chronologische Reihenfolge zu den mittel-schweren Unfällen

Adäquanz (HWS-Praxis / Psycho-Praxis) liegt vor, wenn

Urteil 8C_58/2022 (BGE 148 V 301) vom 23.05.2022 E. 4.3.5 (Volltext): Blitzschlag bei einer Hochtour

 

Das Ereignis ist im mitteleren Bereich im Grenzbereich zu den schweren Unfällen anzusiedeln.

Urteil 8C_437/2021 vom 25.11.2021 E. 5.1.4/5 (Volltext): Blitzunfall

 

Der Versicherte weist diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass sich die Unfälle in den von der Vorinstanz zitierten Fällen (Urteile 8C_362/2011 vom 30. Juni 2011 E. 3.2; 8C_584/2010 vom 11. März 2011 E. 4.2.4) mit Spannungen zwischen 230 und 552 Volt ereigneten. Demgegenüber sind Blitzunfälle durch eine extrem hohe Stromstärke und eine sehr kurze Expositionsdauer charakterisiert. Das Schädigungsproblem bei Blitzunfällen sind die elektrische Energie, die hohe Temperatur und/oder die explosive Kraft der Druckwelle Gemäss der vom kantonalen Gericht zitierten Quelle können bei einem Blitz Spannungen von mehr als 100 Mio. Volt auftreten. Die Blitzentladung dauert etwa 0,02 Sekunden und geht mit Stromstärken bis zu einigen 100'000 Ampere einher. Die Luft erhitzt sich dabei im Blitzkanal bis auf etwa 25'000 bis 30'000 Grad Celsius. Mit Blick auf diese enorme elektrische Energie und die bei einer Blitzentladung entstehende Druckwelle, die beim Versicherten unbestritten zu einem Barotrauma führte, lässt sich ein Blitzunfall nicht mit einem (Stark) Stromunfall aus einer künstlichen Stromquelle vergleichen.

 

Dem Versicherten ist vor diesem Hintergrund dahingehend zu folgen, dass das Ereignis vom 8. August 2018 nicht im mittleren Bereich im engeren Sinne, sondern im Grenzbereich zu den schweren Unfällen anzusiedeln ist.

Urteil 8C_134/2015 vom 14.09.2015 (Volltext): Motorradfahrer 10 Meter durch die Luft geschleudert

 

Der Motorradlenker und die Mitfahrerin sind beim Zusammenstoss über das Auto hinweg rund zehn Meter durch die Luft geschleudert worden. Dieser Unfall ist als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Ereignissen zu qualifizieren (5.3.1.).

Urteil 8C_308/2014 vom 17.10.2014 (Volltext): PW-Überschlag mit mind. 130 km/h

 

Versicherte kam mit mind. 130 km/h auf einem italienischen Autobahnteilstück von der Strasse ab; dabei muss sich das Auto überschlagen haben.

Urteil 8C_488/2011 vom 19.12.2011 (Volltext): PW-Lenker eingeklemmt, Bergung durch Feuerwehr

 

Kollision mit mehreren beteiligten Fahrzeugen. Versicherte ist im Fahrzeug eingeklemmt; muss von Feuerwehr geborgen werden.

Urteil 8C_129/2009 vom 15.09.2009 (Volltext): Seitlich-frontal von der Strasse geschleudert

 

Seitlich-frontale Kollision; Fahrzeug dreht sich um die eigene Achse und wurde von der Strasse geschleudert; Delta-v: 32 – 42 km/h.

Urteil U 306/04 vom 28.02.2005 (Volltext): Sieben weitere Beispiele

 

Reifenplatzer auf der Autobahn bei ca. 95 km/h mit anschliessendem Überschlagen des Fahrzeugs auf das Dach (unveröffentlichte Erw. 3.3.2 des Urteils BGE 129 V 323)

 

Überschlagen eines Fahrzeuges infolge Reifenplatzers mit Kontusionen an Thorax, Schultern und Halswirbelsäule der Versicherten (nicht veröffentlichtes Urteil G. vom 10. November 1992 [U 68/91])

 

Herausschleudern eines Versicherten durch das Fenster eines Autos nach Frontalzusammenstoss, wobei er mit dem Bein bis zur Hüfte im umgestürzten Wagen eingeklemmt blieb und sich eine Gehirnerschütterung, eine Kopfverletzung, einen Mittelhandbruch und Verletzungen in der Leistengegend zuzog (nicht veröffentlichtes Urteil B. vom 8. April 1991 [U 47/90])

 

Angriff zweier scharfer Wach- und Schutzhunde mit einer Widerristhöhe bis 72 cm und einem Gewicht bis 45 kg, welcher zu einer Rissquetschwunde, mehreren zum Teil klaffenden Fleischwunden, ausgedehnten Hämatomen sowie Schürfwunden führte (Urteil J. vom 16. Juli 2001 [U 146/01])

 

Ausser Kontrolle geratener Einsturz eines Garagengebäudes, wobei es durch die einstürzende Seitenwand des Gebäudes zu einer erheblichen Gewalteinwirkung auf den Versicherten kam mit verschiedenen Frakturen und anderen Verletzungen als Folge (Urteil P. vom 10. Juli 2000 [U 89/99])

 

Sturz aus rund 6-8 Metern auf den mit Bauschutt und Erde bedeckten Boden mit Halswirbelbruch (Urteil M. vom 8. Februar 2000 [U 167/99])

 

Sturz aus einer Höhe von etwa 7-8 Metern auf einen Humusboden (Urteil G. vom 8. Oktober 2004 [U 168/04])