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Organische Unfallfolgen

In Kürze

Organische Unfallfolgen inkl. Expertensystme

Organisch nachweisbarer Befund = Bildgebend apperativ nachweisbar!

  • Organisch nachweisbarer Befund bejaht: Adäquanz liegt regelmässig vor.
  • Organisch nachweisbarer Befund verneint: Adäquanzprüfung vornehmen.

Expertensysteme: Adäquanz-Prüfung

Grundsatz

Organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen

Urteil 8C_123/2018 vom 18.09.2018 E. 4.1.1 (Volltext): Differenzierungsmerkmal

 

Die Rechtsprechung umschreibt den Begriff der organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge - als Differenzierungsmerkmal für das Erfordernis einer Adäquanzprüfung - wie folgt:

  • Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht, das eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erscheinen liesse (Urteil 8C_806/2007 vom 7. August 2008 E. 8.2 mit Hinweis auf BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103).

Auch aus dem Vorliegen von Schmerzen kann noch nicht auf organisch (hinreichend) nachweisbare Unfallfolgen geschlossen werden, weil sich die Feststellung von Schmerzen einer wissenschaftlichen Beweisführung entzieht (vgl. Urteil 8C_736/2009 vom 20. Januar 2010 E. 3.2).

 

Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden,

  • wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind

(BGE 138 V 248 E. 5.1 S. 251 mit Hinweisen; Urteil 8C_154/2016 vom 7. Juni 2016 E. 3.2.2).

 

Ob eine organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge vorliegt, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. 

BGE 117 V 365 vom 4.2.1991 (Volltext)

 

Bei organisch nachweisbar behandlungsbedürftigem Befund deckt sich somit bei der Beurteilung gesundheitlicher Störungen die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung. 

Keine organisch nachweisbaren Befunde

Liste von Diagnosen

Keine organisch nachweisbaren Befunde bzw. Diagnosen

Neuropsychologische Abklärungsergebnisse

Urteil 8C_115/2022 vom 18.08.2022 E. 4.2 (Volltext): Kein Nachweis für organischen Befund

 

Eine Verletzung des Frontalhirns wurde aufgrund von neuropsychologischen Abklärungsergebnissen postuliert. Solche Untersuchungen können den Nachweis einer organischen Hirnverletzung nicht erbringen (vgl. BGE 138 V 248 E. 5.1; Urteil 8C_123/2016 vom 12. April 2016 E. 4 mit Hinweisen).

Neuropathisches Schmerzsyndrom

Urteil 8C_64//2018 vom 16.01.2019 E. 4.3.2 (Volltext): Kein Nachweis für organischen Befund

 

Aus dem asim-Gutachten ergibt sich ferner, dass die Diagnose eines neuropathischen Schmerzsyndroms aufgrund von klinischen Befunden, und nicht gestützt auf bildgebende/apparative Methoden, gestellt wird. Hierbei handelt es sich somit nicht um eine organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge im Sinne der Rechtsprechung (vgl. vorne E. 3.2; für das neuropathische Schmerzsyndrom im Besonderen: Urteil 8C_605/2010 vom 9. November 2010 E. 5.2).

GCS-Wert 13 bis 15 lässt nicht auf organische Unfallfolge schliessen

Urteil 8C_636/2018 vom 28.11.2018 E. 4.3 (Volltext): Glasgow Coma Scale (GCS)

 

Denn allein gestützt auf den GCS-Wert, der mit 13 bis 15 einen beinahe normalen Wert der Wachheit bestätigt, kann jedenfalls nicht auf eine organische Unfallfolge geschlossen werden (vgl. dazu Urteil 8C_434/2012 vom 21. November 2012 E. 7.1).  

Trotz erheblichen Verletzungen nach Abschluss der Behandlung kein organischer Befund

Urteil 8C_39/20201 vom 06.07.2021 (Volltext): Schädenbasisbruch

 

Am 29. Oktober 2016 erlitt er durch einen tätlichen Angriff mit einem Schlaginstrument durch ein Mitglied des Motorradclubs eine offene nicht dislozierte Kalottenfraktur fronto-sphenoidal links. 

 

Infolge fehlendem organischen Befund wurde per 30. Juni 2018 die Adäquanz gemäss Psycho-Praxis verneint.

Urteil 8C_632/2018 vom 10.05.2019 (Volltext): Schädelhirntrauma / Rissquetschwunde an der Stirn

 

Der 1962 geborene A. war bei der B. GmbH als Maler angestellt und damit bei der Suva obligatorisch unfallversichert. Am 3. Oktober 2007 stürzte er bei der Arbeit von einer Leiter. Gleichentags wurde er in das Spital C. überführt, wo er bis 5. Oktober 2007 hospitalisiert war. Im Austrittsbericht vom 28. November 2007 wurden

  • ein Schädelhirntrauma (Commotio cerebri),
  • eine Thoraxprellung linksseitig
  • und eine supraorbitale Rissquetschwunde (Stirn) links diagnostiziert.

Gemäss E. 7 liegen im Zeitpunkt der Adäquanzbeurteilung keine organisch nachweisbaren Befunde vor.

Urteil 8C_414/2017 vom 26.02.2018 (Volltext): Schädelhirntrauma, Schädelfraktur, mehrer Tage Koma

 

Verletzung nach Sturz mit dem Fahrrad auf vereister Strasse: Schädelhirntrauma mit Schädelkalottenfraktur. Die Versicherte lag mehrer Tage im Koma. Nach Abschluss der Behandlung resultiere kein organischer Befund; schlussendlich lehnte der UVG-Versicherer die Adäquanz im Rahmen der Psycho-Praxis ab.

Urteil 8C_649/2015 vom 28.01.2016 (Volltext)

 

A. erlitt als Beifahrerin einen Autounfall, wobei sie sich nebst

  • einer Commotio cerebri
  • insbesondere multiple Rissquetschwunden im Bereich der rechten Hand mit einer subtotalen Läsion der Extensorsehne des dritten Fingers,
  • einer Gelenkseröffnung des PIP (Fingermittelgelenk)
  • und einer Knochenabrasion im Bereich des Köpfchens der proximalen Phalanx dieses Fingers

zuzog. Gemäss Verfügung vom 29. Februar 2012 liegt keine organische Gesundheitsschädigung mehr vor.

Urteil 8C_417/2015 vom 17.12.2015 (Volltext)

 

Diagnosen

  • Leichtes Schädelhirntrauma (GCS 14) mit Schädelfraktur rechts frontotemporal
  • Stumpfes Abdominaltrauma mit gedeckter Milzruptur
  • Proximale undislozierte Fibulafraktur links
  • Multiple Kontusionen und Schürfwunden im Gesicht und an den Extremitäten

3.1.2.2. Der neurologische Sachverständige hielt unter anderem nach Darstellung sämtlicher ihm vorgelegenen radiologischen Aufnahmen fest, dass die am 9. September 2009 nachgewiesene extrazerebrale Blutansammlung temporal rechts in der CCT (Craniale Computertomographie) vom 5. Oktober 2009 nicht mehr darstellbar war und auch alle danach durchgeführten MRI (magnetic resonance imaging) keine intrakranielle Pathologie zeigten. ...


3.3.2. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das kantonale Gericht den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 8. September 2009 und den psychischen Beeinträchtigungen zu Recht verneint hat.  

Videoaufnahmen von Symptomen

Urteil 8C_325/2014 vom 15.01.2015 E. 3 (Volltext): Kein Nachweis für organischen Befund

 

Videoaufnahmen von Symptomen genügen nicht zum Nachweis einer organischen Genese von Sehbeschwerden. ...

Organisch nachweisbare Befunde

Meniskusschaden mit Entwicklung einer Gonarthrose

Urteil 8C_172/2018 vom 04.06.2018 (Volltext): Organischer Befund liegt vor

 

4.1. Es steht fest, dass der Unfall vom 23./24. Mai 2014 einen Meniskusschaden mit Einschlagen eines Fragmentes in den Gelenkspalt verursacht hat, was einen chirurgischen Eingriff erforderte (Operation vom 30. September 2014). Unbestritten ist zudem, dass die Teilresektion von Meniskusgewebe die Entstehung der Gonarthrose im betroffenen Kompartiment des Kniegelenks begünstigt hat, auch wenn es gemäss chirurgischer Beurteilung des med. pract. C. im vorliegenden Fall eine Vielzahl konkurrierender Faktoren gibt, die die Entwicklung einer medialen Gonarthrose fördern und die überwiegen (u.a. Adipositas, Varusdeformität, verschleissbedingte Knorpelläsion der Trochlea, Meniskopathie, Knorpelschaden durch die Plica). Der Anteil der sparsamen Teilresektion von Meniskusgewebe an der Arthroseentwicklung sei mit maximal 25 % zu bewerten. Damit sei der Unfall aber zumindest für die weitere Entwicklung der Gonarthrose des Versicherten teilkausal.

 

4.4.1. Eine gesonderte Adäquanzprüfung ist vorliegend nicht nötig, leidet doch der Beschwerdeführer an organisch nachweisbaren Beschwerden (vgl. BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.).  

Rückenoperation mit Spondylodese

Urteil 8C_780/2010 vom 4.7.2011 (Volltext): Organischer Befund liegt vor

 

Rückenoperation (Spondylodese / Implantat): Trotz gutem Resultat liegt ein organischer Befund vor.