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Mild traumatic brain injury (MTBI) / Leichte traumatische Hirnverletzung (LTHV) / Schädelhirntrauma (SHT) / Commotio cerebri

Commotio Cerebri bedeutet keinen organischen Befund

Urteil 8C_14/2021 vom 03.05.2021 E. 4.2.1 (Volltext)

 

Die Diagnose einer Commotio cerebri bzw. einer leichten traumatischen Hirnverletzung erfolgt aufgrund bestimmter Symptome nach kranialen Traumen und bedeutet nicht schon, dass eine objektiv nachweisbare Funktionsstörung vorliegt.

 

Eine Commotio cerebri ist ein Zustand vorübergehender, schnell reversibler neurologischer Dysfunktion, der mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kurz nach der Verletzung einhergeht. Der Verletzte hat oft eine Amnesie für die Zeit der Verletzung und/oder für die Zeit vor der Verletzung. Es bestehen aber keine neurologischen Auffälligkeiten.

Fallabschluss nach zweiter leichten traumatischen Hirnverletzung (LTHV) nach einem Jahr

Urteil 8C_527/2020 vom 02.11.2020 E. 4.2 (Volltext)

 

Indem die Suva den Fall erst ein Jahr nach der zweiten leichten traumatischen Hirnverletzung (LTHV) vom 3. Dezember 2017 abschloss, berücksichtigte sie den aktuellen medizinischen Kenntnisstand (vgl. Urteil 8C_73/2020 vom 7. Mai 2020 E. 7.1.2).  

Organisches Leiden (Hirnverletzung) muss bildgebend nachweisbar sein

Urteil 8C_193/2016 vom 26.10.2016 E. 4.2 und 4.3 (Volltext): Kein organischer Befund nach SHT

 

Rechtsprechungsgemäss entfällt eine spezielle Adäquanzprüfung nicht bereits dann, wenn das Leiden von den Ärzten als organisches Leiden bezeichnet wird. ... Dafür müssen die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden und die hiebei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sein.

 

Die Beschwerdeführerin wurde von der Haftpflichtversicherung des unfallverursachenden Lenkers bereits mit Schreiben vom 20. Februar 2008 darauf aufmerksam gemacht, dass durch die MRI-Untersuchung vom 24. August 2000 keine strukturellen Läsionen des Gehirns nachgewiesen werden konnten. Auch in den weiteren Akten finden sich keine Hinweise auf durch anerkannte bildgebende Untersuchungsmethoden bestätigte objektiven Befunde.

Milde traumatische Hirnverletzung (MTBI) ist kein organisches Korrelat

Urteil U 79/05 vom 10.02.2006 E. 3.2 (Volltext) 

 

Des Weiteren bedeutet die Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung nicht schon, dass objektiv nachweisbare Unfallfolgen vorliegen. Hiezu bedarf es einer feststellbaren intrakraniellen Läsion oder eines messbaren Defektzustandes (neurologischer Ausfall) als Folge einer Schädigung des zentralen Nervensystems (Siegel, a.a.O., S. 164 f.). Daran fehlt es im vorliegenden Fall.

Medizin bzw. Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung (MTBI)

Urteil U 79/05 vom 10.02.2006 E. 3.2 (Volltext)

 

Nach allgemein anerkannter Lehrmeinung setzt die Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung (mild traumatic brain injury [MTBI]) entweder eine Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar vor oder nach dem Unfall oder eine Bewusstseinstrübung (z.B. Benommenheitsgefühl, Desorientierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraus (Adrian M. Siegel, Neurologisches Beschwerdebild nach Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, in: Die neurologische Begutachtung, Zürich 2005, S. 166 Tabelle 9, mit bibliographischen Hinweisen).

 

Ob diese Voraussetzungen im vorliegenden Fall erfüllt sind, ist fraglich, hat der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall doch über keine Bewusstseinsstörung geklagt und entsprechende Angaben erst später gemacht.

 

Bestätigung der Rechtsprechung: Urteil U 14/05 vom 29.05.2006