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Berufskrankheit > Listenerkrankung

Inhalt

 

Gesetzliche Grundlagen

Grundsätze

  • Vorwiegende Verursachung
  • Verschlimmerung einer bestehenden Krankheit
  • Berufswechsel wegen einer Sensibilisierung auf schädliche Stoffe
  • Adäquanzbeurteilung bei mit Berufskrankheiten einhergehenden psychischen Störungen

Beispiele gemäss Rechtsprechung und Praxis

  • Infektionskrankheiten (z. B. Coronavirus / COVID-19)
  • Einsatz eines neuen Fleckenschutzmittels
  • Aceton eingeatmet
  • Benzol-Exposition
  • Kapraltunnelsyndrom (CTS)
  • Sehnenscheidenentzündung (Peritendinitis crepitans) / Tendovaginitis stenosans De Quervain
  • Schädigung des Gehörs
  • Mückenenstiche: Malaria, Ebola-Virus-Infektion
  • Magenkrebshäufigkeit bei Gummiarbeitern bei Staubexposition
  • Krebsrisiko durch Strahlenexposition im Niedrigdosenbereich in Kernkraftwerken 
  • Asbest-Exposition

Expertensystem Berufskrankheit

  • Diese Applikation prüft, ob eine Berufskrankheit vorliegt, bestimmt den leistungspflichtigen Versicherer und zeigt die Bearbeitungsprozesse einer Berufskrankheit auf.

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Listenerkrankung

Art. 9 Abs. 1 UVG (Art. 9 Abs. 2 UVG: Generalklausel)

 

Als Berufskrankheiten gelten Krankheiten (Art. 3 ATSG), die bei der beruflichen Tätigkeit

verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen.

Schädigende Stoffe und arbeitsbedingte Erkrankungen

Art. 14 UVV

 

Die schädigenden Stoffe und arbeitsbedingten Erkrankungen im Sinne von Artikel 9 Absatz 1 des Gesetzes sind im Anhang 1 aufgeführt.

Anhang 1 UVV

Stand ab 01.04.2018 (Änderungen) 

 

Liste der schädigenden Stoffe und der arbeitsbedingten Erkrankungen nach Artikel 14 UVV:

1. Als schädigende Stoffe im Sinne von Artikel 9 Absatz 1 UVG gelten: 

  • Acetaldehyd
  • Acetate, nur Methyl-, Äthyl-, Butyl-, Amyl-, Vinylacetat
  • Aceton
  • Acetylen
  • Acridin
  • Acrolein
  • Acrylamid
  • Acrylate
  • Aethylenimin
  • Aethylenoxid
  • Aliphatische Amine
  • Alkaloide
  • Alkylamine
  • Aluminiumchlorid
  • Ameisensäure
  • Ammoniak
  • Anthracen
  • Antimon und seine Verbindungen
  • Aromatische Amine
  • Arsen und seine Verbindungen
  • Asbeststaub
  • Barium und seine in verdünnten Säuren löslichen Verbindungen
  • Benzine
  • Benzol
  • Beryllium, seine Verbindungen und Legierungen
  • Bitumen
  • Blei, seine Verbindungen und Legierungen
  • Brom
  • Cadmium und seine Verbindungen
  • Calciumcarbid
  • Calciumhydroxid (gelöschter Kalk)
  • Calciumoxid (gebrannter Kalk)
  • Carbamate und ihre Verbindungen
  • Chlor
  • Chlorkalk
  • Chlorschwefel
  • Chlorsulfonsäure
  • Chromverbindungen
  • Cyan und seine Verbindungen
  • Desinfektionsmittel: Alkohole, Kresole, Aldehyde, Biguanide und quartäre Ammoniumverbindungen
  • Diazomethan
  • Dimethylformamid
  • Dioxan
  • Epoxidharze
  • Essigsäure
  • Essigsäureanhydrid
  • Fluor und seine Verbindungen
  • Formaldehyd
  • Formamid
  • Glutaraldehyd
  • Glykole, ihre Äther und deren Ester
  • Halogenierte organische Verbindungen
  • n-Hexan
  • Holzstaub
  • Hydrazin und seine Derivate
  • Hydroxylamin
  • Isocyanate
  • Isothiazolinone
  • Jod
  • Kaliumchlorat
  • Kaliumhydroxid
  • Kautschukadditive
  • Keten
  • Kobalt und seine Verbindungen
  • Kohlenmonoxid
  • Kolophonium
  • Latex
  • Maleinsäureanhydrid
  • Mangan und seine Verbindungen
  • Methanol
  • Methyläthylketon
  • Mineralöladditive
  • Mineralöle
  • Naphtalin und seine Verbindungen
  • Natriumchlorat
  • Natriumhydroxid
  • Nickel
  • Nickelcarbonyl
  • Nitroglycerin
  • Nitroglykole
  • Nitrose Gase
  • Nitroverbindungen, organische
  • Ozon
  • Para-Phenylendiamin
  • Paraffin
  • Peroxide
  • Persulfate
  • Petrol
  • Phenol und seine Homologen
  • Phenylhydroxylamin
  • Phosgen
  • Phosphor und seine Verbindungen
  • Phthalsäureanhydrid
  • Platin-Komplexsalze
  • Pyridin und seine Homologen
  • Quecksilber, seine Verbindungen und Legierungen
  • Salpetersäure
  • Salpetrige Säure, ihre Salze (Nitrite) und Ester
  • Salzsäure
  • Schwefeldioxid
  • Schwefelkohlenstoff
  • Schwefelnatrium
  • Schwefelsäure, ihre Salze (Sulfate) und Ester
  • Schwefelsäureanhydrid
  • Schwefelwasserstoff
  • Schweflige Säure und ihre Salze (Sulfite)
  • Selen und seine Verbindungen
  • Stickstoffwasserstoffsäure und ihre Salze (Azide)
  • Styrol
  • Sulfurylchlorid
  • Synthetische Kühlschmiermittel
  • Teer
  • Teerpech
  • Tenside
  • Terpentinöl
  • Thalliumverbindungen
  • Thiocyanate (Sulfocyanate)
  • Thionylchlorid
  • Toluol
  • 2,4,6-Trichlor-1,3,5-triazin (Cyanursäurechlorid)
  • Trimellithsäureanhydrid
  • Vanadium und seine Verbindungen
  • Xylole
  • Zement
  • Zink und seine Verbindungen
  • Zinnverbindungen 

2. Als arbeitsbedingte Erkrankungen im Sinne von Artikel 9 Absatz 1 UVG gelten: 

 

a. Erkrankungen durch physikalische Einwirkungen: 

 

Hautblasen, -risse, -schrunden, -schürfungen, -schwielen:

  • Alle Arbeiten 

Chronische Erkrankungen der Schleimbeutel durch ständigen Druck:

  • Alle Arbeiten 

Drucklähmung der Nerven (Karpaltunnelsyndrom (CTS):

  • Alle Arbeiten 

So genannte Sehnenscheidenentzündung (Peritendinitis crepitans):

  • Alle Arbeiten 

Erhebliche Schädigungen des Gehörs:

  • Arbeiten im Lärm 

Erkrankungen durch Arbeit in Druckluft:

  • Alle Arbeiten 

Erfrierungen, ausgenommen Frostbeulen:

  • Alle Arbeiten 

Sonnenbrand, Sonnenstich, Hitzschlag:

  • Alle Arbeiten 

Erkrankungen durch Ultraschall und Infraschall:

  • Alle Arbeiten

Erkrankungen durch Vibrationen (nur radiologisch nachweisbare Einwirkungen auf Knochen und Gelenke, Einwirkungen auf den peripheren Kreislauf, Einwirkungen auf die peripheren Nerven):

  • Alle Arbeiten

Erkrankungen durch ionisierende Strahlen:

  • Alle Arbeiten 

Erkrankungen durch nicht ionisierende Strahlen (Laser, Mikrowellen, Ultraviolett, Infrarot usw.):

  • Alle Arbeiten

 

b. Arbeitsbedingte Erkrankungen/Andere Erkrankungen:

 

Staublungen:

  • Arbeiten in Stäuben von Aluminium, Silikaten, Graphit, Kieselsäure, (Quarz) Hartmetallen 

Erkrankungen der Atmungsorgane:

  • Arbeiten in Stäuben von Baumwolle, Hanf, Flachs, Getreide und deren Mehle von Weizen und Roggen, Enzymen, Schimmelpilzen 

Hautkrebse und hiezu neigende Hautveränderungen:

  • Alle Arbeiten mit Verbindungen, Produkten oder Rückständen von Teer, Pech, Erdpech, Mineralöl, Paraffin 

Infektionskrankheiten:

  • Arbeiten in Spitälern, Laboratorien, Versuchsanstalten und dergleichen 

Durch Kontakt mit Pflanzen verursachte Krankheiten:

  • Arbeiten im Umgang mit Pflanzen und einzelnen Pflanzenbestandteilen

Durch Kontakt mit Tieren verursachte Krankheiten:

  • Tierhaltung und Tierpflege sowie Tätigkeiten, die durch Umgang oder Berührung mit Tieren, mit tierischen Teilen, Erzeugnissen und Abgängen zur Erkrankung Anlass geben; Ein- und Ausladen sowie Beförderung von Waren 

Amöbiasis, Gelbfieber, Hepatitis A, Hepatitis E, Malaria:

  • Beruflich bedingter Aufenthalt ausserhalb Europas 

Ankylostomiasis, Cholera, Clonorchiasis, Filariasis, Hämorrhagische Fieber, Leishmaniasis, Lepra, Onchozerciasis, Salmonellosen, Shigellosen, Schistosomiasis, Strongyloidiasis, Trachom, Trypanosomiasis:

  • Beruflich bedingter Aufenthalt in tropischen/subtropischen Gebieten

Infektionskrankheiten (z. B. Coronavirus / COVID-19)

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 01/2003 (Volltext)

 

Erkrankungen, die in Anhang 1 Ziffer 2 lit. b UVV nicht namentlich erwähnt sind, sind grundsätzlich als Krankheiten im Sinne von Art. 3 Abs.1 ATSG zu qualifizieren. Leistungen aus UVG können unter dem Titel Berufskrankheit jedoch geschuldet sein, wenn  

  • sich eine Erkrankung medizinisch eindeutig einer der in Anhang 1 Ziffer 2 lit. b UVV erwähnten Gruppen von Erkrankungen zuordnen lässt (wie beispielsweise das schwere akute respiratorische Syndrom SARS den Infektionskrankheiten oder Ebola sowohl dem hämorrhagischen Fieber als auch den Infektionskrankheiten) und
  • die für diese Gruppe von Erkrankungen zusätzlichen Voraussetzungen erfüllt sind (wie beispielsweise bei Infektionskrankheiten das Arbeiten in Spitälern etc. oder bei Erscheinungsformen des hämorrhagischen Fiebers der beruflich bedingte Aufenthalt in tropischen/subtropischen Gebieten).   

Dabei übernimmt der UVG-Versicherer die Kosten für alle medizinisch notwendigen Abklärungen, auch wenn sich der Krankheitsverdacht in der Folge nicht bestätigt. Ist eine Quarantäne medizinisch indiziert, werden für die dadurch bedingte Arbeitsverhinderung Taggelder bezahlt. 
 
Kosten für reine Reihenuntersuchungen oder andere Prophylaxemassnahmen ohne konkrete Verdachtsmomente für eine Erkrankung im Sinne von Anhang 1 Ziffer 2 lit. b UVV werden nicht übernommen. 

Faktenblatt des BAG zu COVID-19: Vergütung der Analyse SARS-CoV-2 (Volltext d / f)

 

Auszug zur Vergütung seit dem 04.03 2020: 

 

Seit dem 04.03.2020 steht die Analyse auf das SARS-CoV-2 (Position 3565.00) auf der Analysenliste (AL). Somit sind die Kosten dieser Analyse wie folgt zu tragen (siehe auch das Schema auf der nächsten Seite):  

  • Durch die OKP für die symptomatischen Patienten mit schweren Symptomen oder erhöhtem Komplikationsrisiko. Die Indikation ist medizinisch bedingt. Die Kostenbeteiligung (Franchise und Selbstbehalt) ist wie bei allen anderen Krankheiten geschuldet.  
  • Im Falle einer vom Kanton angeordneten Untersuchung zum Schutz der Bevölkerung kommt weiterhin das Epidemiengesetz (EpG) zur Anwendung, wie zum Beispiel  

    • wenn die Analyse bei symptomatischen Patienten verordnet wird, die gleichzeitig Gesundheitsfachpersonen oder Pflegepersonal von Alters- oder Pflegeheimen sind
    • wenn der Kantonsarzt die Analyse bei einer beschwerdefreien Person verordnet.

  • Die untersuchte Person trägt die Kosten vollumfänglich, wenn weder eine medizinische noch eine öffentliche gesundheitliche Notwendigkeit für die Analyse besteht (aufgrund der limitierten Verfügbarkeit der Tests werden aktuell keine Tests auf Wunsch von Personen gemacht). 

Coronavirus / COVID-19 als Berufskrankheit

 

Anhang 1 Ziff 2 lit. b UVV: Infektionskrankheiten: Arbeitsbedingte Erkankungen = Arbeiten in Spitälern, Laboratorien, Versuchsanstalten und dergleichen

 

Meinung von Koordination Schweiz:

 

Die Empfehlung bezieht sich auf Arbeitnehmende von Institutionen,

  • die infizierte Patienten/innen pflegen/betreuen (Spitäler)
  • die in infizierter/infizierender Umgebung arbeiten (Laboratorien, Versuchsanstalten).

Formulierung 'und dergleichen' gemäss Anhang 1 Ziff 2 lit. b UVV: Werden in einer 'dergleichen Institution' infizierte Personen gepflegt, besteht für diese Arbeitnehmende auch ein höheres Infektionsrisiko als für andere Personen. Wird in diesen Fällen das Vorliegen einer Berufskrankheit geprüft, sind ebenso die Beweisgrundsätze gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG massgebend.

 

Keine Prüfung einer Berufskrankheit gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG bzw. Anhang 1 Ziff 2 lit. b UVV kann bei Arbeitnehmenden vorgenommen werden, die keine Betreuungsaufgaben von infizierten Personen wahrnehmen (z. B. Detailhandel, Polizei, usw.).