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Teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer/innen

In Kürze

Versicherte Person arbeitet im Wochendurchschnitt mindestens 8 Stunden:

Versicherte Person arbeitet im Wochendurchschnitt weniger als 8 Stunden:

Die Berechnung des Wochendurchschnittes von 8 Stunden gilt pro Arbeitgeber.

Teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer/innen

Art. 7 Abs. 2 UVG

 

2 Für Teilzeitbeschäftigte, deren Arbeitsdauer das vom Bundesrat festzusetzende Mindestmass nicht erreicht, gelten auch Unfälle auf dem Arbeitsweg als Berufsunfälle.

Art. 8 Abs. 2 UVG

 

2 Teilzeitbeschäftigte nach Artikel 7 Absatz 2 sind gegen Nichtberufsunfälle nicht versichert.

Art. 13 UVV

 

1 Teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, deren wöchentliche Arbeitszeit bei einem Arbeitgeber mindestens acht Stunden beträgt, sind auch gegen Nichtberufsunfälle versichert.

 

2 Für teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, deren wöchentliche Arbeitszeit dieses Mindestmass nicht erreicht, gelten Unfälle auf dem Arbeitsweg als Berufsunfälle.

BGE 134 V 412 vom 24.10.2008 (Volltext): 8-Stunden-Grenze gilt pro Arbeitgeber

 

Erfordernis einer Mindestarbeitszeit von acht Wochenstunden für die Versicherung von Nichtbetriebsunfällen; die acht Wochenstunden sind beim gleichen Arbeitgeber zu leisten.

Arbeitsweg

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 1/2000 (Volltext): Definition und Praxis

 

Für teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, die nicht gegen Nichtberufsunfälle versichert sind, gelten Unfälle auf dem Arbeitsweg als Berufsunfälle.

 

Der Arbeitsweg ist grundsätzlich der kürzeste Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Er muss angetreten werden, um die Arbeit aufzunehmen, und hinterher zwecks Heimkehr in die Wohnung zurückgelegt werden.

 

Bei sogenannten Wochenaufenthaltern gilt am Wochenende die direkte Anreise von und die Rückreise zur angestammten Wohnung ebenfalls als Arbeitsweg.

 

Kleinere Unterbrechungen und Umwege, die wegen Einkaufen, Arztbesuchen, Erfrischungen und Mahlzeiten etc. oder durch Inanspruchnahme von Fahrgemeinschaften üblich sind, werden bis zu einer Dauer von einer Stunde generell toleriert. Ist der Unterbruch oder der Umweg hingegen grösser oder ereignet sich der Unfall anlässlich besonderer Aktivitäten wie z.B. bei sportlicher Betätigung, so liegt kein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang mit der Arbeit mehr vor. Der Unfall gilt in diesem Fall nicht mehr als Arbeitswegunfall, auch wenn er sich noch innerhalb der genannten Zeitspanne ereignet hat. Falls kein wichtiger Grund (Nebel, Glatteis, Hilfeleistung) für den Unterbruch oder die Verzögerung gegeben ist, zählt der restliche Teil des Weges bei Unterbrüchen von mehr als einer Stunde nicht mehr als Arbeitsweg.

BGE 134 V 412 vom 24.10.2008 (Volltext): Andere Richtung

 

Der Unfall ereignete sich, als die Versicherte, anschliessend an die Arbeit, eine Verwandte besuchen wollte, welche in einer völlig anderen Richtung (Umweg 8.5 km mit anderer Buslinie) als die Versicherte wohnte. Der normale Arbeitsweg der Versicherten beträgt 3 km. Arbeitswegunfall verneint. Es handelt sich nicht um einen blossen Halt auf dem üblichen Weg oder um einen einfachen Umweg, sondern um eine ganz andere Route.

BGE 126 V 353 vom 23.10.2000 (Volltext): Unterbrechungen

 

Der für die Annahme eines Arbeitswegunfalles erforderliche Zusammenhang zwischen der Reise und der Arbeit wird durch eine Unterbrechung oder Verzögerung von einer Stunde nicht aufgehoben, unabhängig von den hiefür verantwortlichen Gründen. Bei Vorliegen qualifizierter Gründe gilt der Zusammenhang selbst bei Überschreiten dieser zeitlichen Marge noch nicht als aufgehoben.

BGE 97 V 207 vom 19.11.1971 (Volltext): Wohnort - Arbeitsort

 

Der Arbeitsweg liegt zwischen dem Wohnort und dem Arbeitsort des Versicherten. Die Reise eines Gastarbeiters an einen mehr oder weniger entfernten Ort zur Arbeitsaufnahme (in casu von Spanien nach Genf) ist kein Arbeitsweg.

SUVA-Jahresbericht 1970 Nr. 3a S. 17: Wohnbaracke

 

Der von Deutschland in die Schweiz einreisende Saisonnier, der zwei Tage vor Arbeitsantritt eine Wohnbaracke seines künftigen Arbeitgebers bezieht, verlegt seinen Wohnort vorübergehend dorthin. Sein erstmaliger Arbeitsweg ist der Weg von der Wohnbaracke an den Arbeitsort, weshalb er in der Nacht vor dem ersten Arbeitstag nicht versichert ist. 

Berechnung der wöchentlichen Arbeitsstunden von Teilzeitbeschäftigten

1. Grundsatz

 

Massgebend ist der Charakter der Anstellung vor dem Unfall und das, was von den Parteien für die folgende Zeit gewollt war.

 

Es ist nach Möglichkeit die durchschnittliche Beschäftigung im dem Unfall vorausgegangenen Jahr zu betrachten.

 

Bei befristeten Arbeitsverträgen ist für die Beurteilung der NBU-Deckung auf die vereinbarte Dauer des Arbeitsverhältnisses abzustellen.

 

NBU-Deckung besteht, wenn:

  • Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitsdauer mindestens 8 Stunden erreicht,

oder

  • die Wochen mit mindestens 8 Arbeitsstunden überwiegen.

2. Regeln

 

2.1. Die Berechnung erstreckt sich über die letzten 3 oder 12 Monate vor dem Unfall, wobei die günstigere Variante zählt.

 

2.2. Nur ganze Wochen sind zu beachten. Fällt Beginn bzw. Ende der relevanten Periode (Ziff. 2.1.) zwischen 2 Wochenenden, bleiben diese angebrochenen Wochen unberührt.

 

2.3. Sofern in der relevanten Periode (Ziff. 2.1.) die Wochen mit tatsächlichen Arbeitseinsätzen überwiegen, kommen nur die Wochen mit tatsächlichen Arbeitseinsätzen in die Berechnung, das gilt auch für Wochen, in denen nur 1 Stunde gearbeitet wurde.  

 

2.4. Vorab zählen die effektiven Arbeitsstunden. Lässt sich damit keine NBU-Deckung bewerkstelligen, werden tageweise Ausfallstunden wegen Unfall oder Krankheit durch die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit - aufgerundet auf die nächste volle Stunde - ergänzt. Weitere Ergänzungen, z.B. wegen Militär, Feier- oder Urlaubstagen, sind nicht zulässig.

 

2.5. Bei der Berechnung der Minimalgrenze von wöchentlich 8 Arbeitsstunden sind nicht vertragliche Vereinbarungen (z. B. Beschäftigungsrad 20 %), sondern die konkret geleisteten Arbeitsstunden massgebend (Urteil 8C_434/2014 vom 19.12.2014).

3. Unbefristete Arbeitsverhältnisse: Berechnungsbeispiele

 

Arbeitgeber:         A     B      C      D               

 

09.01. - 15.01.  :  06    06    06    10 Stunden 

16.01. - 22.01.  :  02    08    00    00 Stunden 

23.01. - 29.01.  :  08    10    08    00 Stunden  

30.01. - 05.02.  :  00    00    00    00 Stunden  

06.02. - 12.02.  :  08    00    04    00 Stunden  

13.02. - 19.02.  :  00    10    08    00 Stunden  

20.02. - 26.02.  :  05    14    09    10 Stunden

27.02. - 04.03.  :  06    08    04    00 Stunden 

05.03. - 11.03.  :  08    06    08    00 Stunden

 

Total:                   43    62    47    20 Stunden

 

Beurteilungen:

 

3.1. Verhältnis Arbeitswochen : Wochen ohne Arbeit  

  • A) 7 : 2 = nur Arbeitswochen berücksichtigen  
  • B) 7 : 2 = nur Arbeitswochen berücksichtigen   
  • C) 7 : 2 = nur Arbeitswochen berücksichtigen  
  • D) 2 : 7 = alle Kalenderwochen berücksichtigen   

3.2. Wochendurchschnitt  

  • A) 43 : 7 = 6.1 = Keine NBU-Deckung  
  • B) 62 : 7 = 8.8 = NBU-Deckung liegt vor   
  • C) 47 : 7 = 6.7 = Keine NBU-Deckung      
  • D) 20 : 9 = 2.2 = Keine NBU-Deckung    

3.3. Verhältnis 8 Std. + mehr : unter 8 Std. 

  • A) 3 : 4 = Keine NBU-Deckung
  • B) NBU-Deckung durch Ziffer 3.2.
  • C) 4 : 3 = NBU-Deckung i.o.
  • D) 2 : 7 = Keine NBU-Deckung

4. Befristete Arbeitsverhältnisse: Berechnungsbeispiele

 

Beispiel 4.1.

 

Es besteht ein befristetes Arbeitsverhältnis für einen Tag zu 8 Stunden.

  • Berechnung: 8 Stunden : 1 Woche = 8 Stunden pro Woche 

Resultat: Es besteht BU- und NBU-Deckung inkl. Nachdeckung von 31 Tagen; auch der Abschluss einer Abredeversicherung ist möglich.

Beispiel 4.2.

 

Es besteht ein befristetes Arbeitsverhältnis von 3 Tagen: Arbeitsstunden pro Tag:

 

Montag:   4 Stunden
Dienstag: 3 Stunden
Mittwoch: 2 Stunden


Total:       9 Stunden 

  • Berechnung: 9 Stunden : 1 Woche = 9 Stunden pro Woche

Resultat: Es besteht BU- und NBU-Deckung inkl. Nachdeckung von 31 Tagen; auch der Abschluss einer Abredeversicherung ist möglich.

Beispiel 4.3.

 

Es besteht ein befristetes Arbeitsverhältnis von 2 Wochen. Arbeitsstunden pro Woche:

 

1. Woche: 10 Stunden (Mo. 1, Mi. 7, Fr. 2 )

2. Woche: 05 Stunden (Mo. 2, Fr. 3)  

 

Total:        15 Stunden 

  • 1. Berechnung: 15 Stunden : 2 Wochen = 7.5 Stunden pro Woche = Nur BU-Deckung
  • 2. Berechnung: Verhältnis mind. 8 Stunden : unter 8 Stunden = 1 zu 1 = Nur BU-Deckung

Resultat: Es besteht nur BU-Deckung.

Beispiel 4.4.

 

Es besteht ein befristetes Arbeitsverhältnis zu 3 Wochen. Arbeitsstunden pro Woche:

 

1. Woche: 08 Stunden (Mo. 8)

2. Woche: 09 Stunden (Mo. 8, Di. 1)

3. Woche: 04 Stunden (Mo. 2, Di. 2)

 

Total:        21 Stunden 

  • 1. Berechnung: 21 Stunden : 3 Wochen = 7 Stunden pro Woche = Nur BU-Deckung
  • 2. Berechnung: Verhältnis mind. 8 Std. : unter 8 Stunden = 2 : 1 = NBU-Deckung

Resultat: Es besteht BU- und NBU-Deckung inkl. Nachdeckung von 31 Tagen; auch der Abschluss einer Abredeversicherung ist möglich.

Beispiel 4.5.

 

Es besteht ein befristetes Arbeitsverhältnis von 8 Wochen. Arbeitsstunden pro Woche: 

 

1. Woche: 08 Stunden

2. Woche: 10 Stunden

3. Woche: 00 Stunden

4. Woche: 00 Stunden

5. Woche: 00 Stunden

6. Woche: 08 Stunden

7. Woche: 00 Stunden

8. Woche: 10 Stunden

 

Total:        36 Stunden 

 

Verhältnis Arbeitswochen : Wochen ohne Arbeit = 4 : 4 = alle Kalenderwochen werden für die Berechnung berücksichtigt  

  • 1. Berechnung: 36 Stunden : 8 Wochen = 4,5 Stunden pro Woche = Nur BU-Deckung
  • 2. Berechnung: Verhältnis mind. 8 Stunden zu unter 8 Std. = 4 : 4 = Nur BU-Deckung  

Bemerkung: 
 
Beispiele 3.1, 3.2 und 3.4: Somit besteht auch die Nachdeckung von 31 Tagen; auch der Abschluss einer Abredeversicherung ist möglich. 

5. Berechnung mit Ausfalltagen und Absenzen

 

Beurteilung:

  • Die durchschnittliche, effektive wöchentliche Arbeitszeit beträgt nicht mindestens 8 Stunden ( 93 : 12 = 7.75; nicht aufrunden). Hinweis: Die Woche vom 8. bis 14 Juli gilt als angebrochene Woche und wird somit nicht gezählt.
  • Die Zahl der Wochen mit mindestens 8 Arbeitsstunden überwiegt nicht: Verhältnis 6 zu 6.
  • Es kann ein Ausfalltag für die Krankheitsabsenz vom 16. September berücksichtigt werden.
  • Für den Ausfalltag sind 3 Stunden einzusetzen. Berechnung: 93 (total gearbeitete Stunden) : 33 (Anzahl Tage) = 2.8, gerundet 3 Stunden

Ergänzt mit dem Krankheitstag vom 16 September ergibt sich neu eine Arbeitszeit von 96 Stunden. Somit überwiegen die Wochen mit über 8 Stunden: Verhältnis 7 zu 5. Es liegt NBU-Deckung vor. 

Teilzeitbeschäftigte Lehrer

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 27/83 

 

Für teilzeitlich beschäftigte Lehrkräfte wird zur Berücksichtigung der Vor- und Nachbereitung die vereinbarte Netto-Unterrichtsdauer (ohne Pausen) verdoppelt. Ergibt das Resultat mindestens 8 Stunden pro Woche, besteht auch Deckung für Nichtberufsunfälle (NBU).

 

Beispiel 1: 

  • Eine Lektion = 50 Minuten
  • Eine Woche mit 6 Lektionen = 300 Minuten bzw. 5 Stunden
  • Verdoppelung für Vor- und Nachbereitung = 10 Stunden
  • Resultat: NBU-Deckung liegt vor. 

Beispiel 2: 

  • Eine Lektion = 30 Minuten
  • Eine Woche mit 6 Lektionen = 180 Minuten bzw. 3 Stunden
  • Verdoppelung für Vor- und Nachbereitung = 6 Stunden
  • Resultat: NBU-Deckung liegt nicht vor.

Anrechnung eines Pikettdienstes an die wöchentliche Arbeitszeit

Art. 14 ArG: Grundsatz Pikettdienst

 

1 Beim Pikettdienst hält sich der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin neben der normalen Arbeit für allfällige Arbeitseinsätze bereit für die Behebung von Störungen, die Hilfeleistung in Notsituationen, für Kontrollgänge oder für ähnliche Sonderereignisse.

Art. 15 ArG: Anrechnung an die Arbeitszeit

 

1 Wird der Pikettdienst im Betrieb geleistet, stellt die gesamte zur Verfügung gestellte Zeit Arbeitszeit dar.

 

2 Wird der Pikettdienst ausserhalb des Betriebes geleistet, so ist die zur Verfügung gestellte Zeit soweit an die Arbeitszeit anzurechnen, als der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin tatsächlich zur Arbeit herangezogen wird. Die Wegzeit zu und von der Arbeit ist in diesem Fall an die Arbeitszeit anzurechnen.

Meinung von Koordination Schweiz

 

1. Die versicherte Person erhält während dem Pikettdienst zu Hause einen Stundenlohn von Fr. 3.00. Für die Berechnung der wöchentlichen Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten wird diese Pkettzeit trotz vorliegendem AHV-pflichtigem Lohn nicht berücksichtigt. Erfolgt jedoch ein Einsatz, ist die Weg- und Arbeitszeit bei der Berechnung der wöchentlichen Arbeitszeit zu berücksichtigen.

 

2. Wird der Pikettdienst im Betrieb des Arbeitgebers geleistet, sind diese Pikettstunden jedoch bei der Berechnung der wöchentlichen Arbeitszeit zu berücksichtigen.

 

3. Handelt es sich um einen gedeckten Berufs- oder Nichtberufsunfall, ist der Stundenlohn der Pikettzeit in beiden Fällen für den versicherten Verdienst zu berücksichtigen.