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Berufsunfälle (BU) / Nichtberufsunfälle (NBU)

 

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In Kürze und Expertensysteme

Berufsunfälle:

  • Arbeiten auf Anordnung oder im Interesse des Arbeitgebers
  • Arbeitspausen auf dem Betriebsareal 
  • Geschäfts- und Dienstreisen 
  • Betriebsausflüge 
  • Besuch von Schulen und Kursen
  • Transporte auf dem Arbeitsweg

Nichtberufsunfälle:

  • Alle Unfälle die nicht zu den Berufsunfällen zählen.

Expertensysteme: BU-NBU-Berteilung 

Gesetzliche Bestimmungen zu Berufs- und Nichtberufsunfällen

Berufsunfälle

Art. 7 UVG

 

1 Als Berufsunfälle gelten Unfälle (Art. 4 ATSG), die dem Versicherten zustossen:

  • a. bei Arbeiten, die er auf Anordnung des Arbeitgebers oder in dessen Interesse ausführt;
  • b. während der Arbeitspausen sowie vor und nach der Arbeit, wenn er sich befugterweise auf der Arbeitsstätte oder im Bereiche der mit seiner beruflichen Tätigkeit zusammenhängenden Gefahren aufhält.

2 Deckung für Teilzeitbeschäftigte

 

3 Der Bundesrat kann für Wirtschaftszweige mit besonderen Betriebsformen, namentlich für die Landwirtschaft und das Kleingewerbe, den Berufsunfall abweichend umschreiben.

Nichtberufsunfälle

Art. 8 UVG

 

1 Als Nichtberufsunfälle gelten alle Unfälle (Art. 4 ATSG), die nicht zu den Berufsunfällen zählen.

 

2 Deckung für Teilzeitbeschäftigte

Abgrenzungen zwischen Berufs- und Nichtberufsunfällen in Detail

Arbeiten auf Anordnung oder im Interesse des Arbeitgebers

Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 1985, Seite 95

 

Die Anordnung muss aufgrund des Arbeitsverhältnisses erfolgt sein. An dieser Voraussetzung fehlt es, wenn der Arbeitgeber mit seinem Arbeitnehmer in der Freizeit eine Bergtour unternimmt und diesen ersucht, im Eis Stufen zu schlagen, wobei der Arbeitnehmer abstürzt. Diese Anordnung ergeht nicht auf der Grundlage des Arbeitsvertrages, sondern gehört zur privaten Sphäre der Parteien. - Zwischen  der angeordneten Arbeit und dem Unfall muss kein Kausalzusammenhang bestehen. Es genügt, dass der Versicherte bei seiner Arbeit verunfallt: Erforderlich ist nur die zeitliche Koinzidenz. Deshalb ist der Unfall bei einer Schlägerei im Betrieb auch ein Berufsunfall, wenn der Streit seine Ursache in der Freizeit hat.

EVGE 1934 S 47 (Maspoli)

 

Der Versicherte sollte anlässlich einer Motorradfahrt an einem Sonntag beiläufig einen dienstlichen Auftrag erledigen; der Hauptzweck der Fahrt war aber der Besuch eines Fussballmatches. Der Unfall während der Fahrt war daher ein Nichtberufsunfall.

Arbeitsstätte und Arbeitspausen

Art. 12 Abs. 2 UVV

 

Als Arbeitsstätte nach Artikel 7 Absatz 1 Buchstabe b des Gesetzes gelten für landwirtschaftliche Arbeitnehmer das landwirtschaftliche Heimwesen und alle dazugehörenden Grundstücke; für Arbeitnehmer, welche in Hausgemeinschaft mit dem Arbeitgeber leben, auch die Räumlichkeiten für Unterkunft und Verpflegung.

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 1/2000 (Volltext): Praxis

 

Als Berufsunfälle gelten Unfälle, die dem Versicherten zustossen während der Arbeitspausen sowie vor und nach der Arbeit, wenn er sich befugterweise auf der Arbeitsstätte oder im Bereiche der mit seiner beruflichen Tätigkeit zusammenhängenden Gefahren aufhält und ein sachlicher Zusammenhang zwischen dem Aufenthalt und der beruflichen Tätigkeit besteht (Urteil 8C_277/2009 vom 19.6.2009).

 

Die Grenze der Arbeitsstätte liegt bei der Umzäunung des Betriebsareals. Fehlt eine solche, fällt sie mit der Grenze des eigenen oder gemieteten Areals zusammen. Zufahrtsstrassen und Zufahrtswege, die auch dem öffentlichen Verkehr zugänglich sind, zählen hingegen nicht mehr zur Arbeitsstätte. Hat der Betrieb nur einzelne Lokalitäten (Büros, Werkstätten) beispielsweise in einem mehrstöckigen Gebäude gemietet, beginnt und endet die Betriebsstätte beim Hauseingang.

 

Der Nebensatz “wenn er sich befugterweise auf der Arbeitsstätte ... aufhält“ bezieht sich sowohl auf den Zeitraum vor und nach der Arbeit als auch auf die Arbeitspausen. Wer in einer Pause die Arbeitsstätte bzw. den Gefahrenbereich verlässt und hierauf verunfallt, erleidet einen Nichtberufsunfall.

Urteil 8C_277/2009 vom 19.6.2009 E. 3.1 (Volltext): Sachlicher Zusammenhang notwendig

 

Der erforderliche Sachzusammenhang kann trotz Verweilens der versicherten Person auf der Arbeitsstätte bzw. im entsprechenden Gefahrenbereich fehlen oder unterbrochen werden. Dies ist dann der Fall, wenn sie sich dort befindet, um Tätigkeiten im eigenen Interesse auszuführen, oder wenn sie sich dort ohne zwingende Gründe aufhält (z.B. zwecks Besuchs von Arbeitskollegen während ihrer Ferien).

 

Das private Kung Fu-Training nach dem Tai-Chi-Unterricht gilt als NBU.

Eines teils als Werkstätte, teils als Ess- und Aufenthaltsraum dienendes Erdgeschoss eines Hauses auf dem Betriebsareal gehört zur Arbeitsstätte (EVG 1952 S. 157).

 

Der Umstand allein, dass sich eine Wohnbaracke auf dem Fabrikareal befindet, macht sie nicht zur Arbeitsstätte (SUVA-Jahresbericht 1970 Nr. 3a S. 17).

Geschäfts- und Dienstreisen

Art. 12 UVV: Berufsunfälle

 

1 Als Berufsunfälle im Sinne von Artikel 7 Absatz 1 des Gesetzes gelten insbesondere auch Unfälle, die dem Versicherten zustossen:

 

a. auf Geschäfts- und Dienstreisen nach Verlassen der Wohnung und bis zur Rückkehr in diese, ausser wenn sich der Unfall während der Freizeit ereignet;

Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 1985, Seite 97

 

Mit diesen Reisen ist nicht etwa der Arbeitsweg im Sinne von Art. 7 Abs. 2 UVG gemeint. Vielmehr macht der Versicherte Reisen, um dadurch eine geschäftliche Aufgabe zu erfüllen:

  • Der Reisevertreter besucht einen Kunden, um Waren zu verkaufen;
  • der Monteur muss auswärts Maschinen reparieren usw.

Wenn der Versicherte zwar während der Reise, aber doch in der Freizeit verunfallt, ist dies ein Nichtberufsunfall. Die Freizeit darf dabei nicht engherzig bestimmt werden. Wenn der Versicherte während seiner Arbeitszeit z. B. isst oder kleinere private Verrichtungen besorgt, soll dies nicht als Freizeit beurteilt werden. Diese beginnt, jedenfalls im Normalfall, erst wenn die Tagesarbeit abgeschlossen ist und der Versicherte auswärts übernachtet. Wenn er nämlich gleichen Tags heimkehrt, sind Unfälle, die sich noch vor dem Betreten seiner Wohnung ereignen, Berufsunfälle.

Betriebsausflüge

Art. 12 UVV: Berufsunfälle

 

1 Als Berufsunfälle im Sinne von Artikel 7 Absatz 1 des Gesetzes gelten insbesondere auch Unfälle, die dem Versicherten zustossen:

 

b. bei Betriebsausflügen, die der Arbeitgeber organisiert oder finanziert;

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 1/2000 (Volltext)

 

Als Berufsunfälle gelten insbesondere auch Unfälle, die dem Versicherten zustossen bei Betriebsausflügen, die der Arbeitgeber organisiert oder finanziert.

 

In der Regel liegt ein Berufsunfall vor, wenn folgende Voraussetzungen ganz oder teilweise (*) erfüllt sind:

 

Die Veranstaltung

  • findet an einem bezahlten Arbeitstag statt,
  • muss von den Betriebsangehörigen mehr oder weniger obligatorisch besucht werden und
  • wird vom Betrieb organisiert oder teilweise bezahlt. 

Unfälle bei Anlässen in der Freizeit hingegen, wie bei Skitagen, Fussballturnieren, Bergtouren usw. werden in aller Regel der Nichtberufsunfallversicherung belastet.

 

(*) Bemerkung von Koordination Schweiz: Jedes der drei Voraussetzungen muss ganz oder teilweise erfüllt sein. Wird eine Voraussetzung gar nicht erfüllt, handelt es sich um einen Nichtberufsunfall.

Besuch von Schulen und Kursen

Art. 12 UVV: Berufsunfälle

 

1 Als Berufsunfälle im Sinne von Artikel 7 Absatz 1 des Gesetzes gelten insbesondere auch Unfälle, die dem Versicherten zustossen:

 

c. beim Besuch von Schulen und Kursen, die nach Gesetz oder Vertrag vorgesehen oder vom Arbeitgeber gestattet sind, ausser wenn sich der Unfall während der Freizeit ereignet;

Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 1985, Seite 97

 

Berufsunfälle sind nach Abs. 1 lit c auch Unfälle beim Besuch von Schulen und Kursen, die nach Gesetz oder Vertrag vorgesehen oder vom Arbeitgeber gestattet sind; ausgenommen bleiben jedoch Unfälle während der Freizeit.

 

Es handelt sich zur Hauptsache um die berufliche Ausbildung und Fortbildung, z. B. den Besuch von Gewerbeschulen, Kaderschulen, Fachkursen usw. Die Dauer der Schulen und Kurse ist an sich unerheblich, sofern der Arbeitgeber den Lohn weiterbezahlen muss.

Transporte auf dem Arbeitsweg

Art. 12 UVV: Berufsunfälle

 

1 Als Berufsunfälle im Sinne von Artikel 7 Absatz 1 des Gesetzes gelten insbesondere auch Unfälle, die dem Versicherten zustossen:

 

d. bei Transporten mit betriebseigenen Fahrzeugen auf dem Arbeitsweg, die der Arbeitgeber organisiert und finanziert.

Abgrenzung von Berufs- und Nichtberufsunfällen im Homeoffice

Beispiele von Berufsunfällen gemäss Art. 7 UVG im Homeoffice:

  • Unfälle im unmittelbaren Umfeld des Arbeitsplatzes während der Arbeit: Höre das Kind schreien, renne vom Pult weg und stürze noch im selben Raum des Arbeitsplatzes (beruflicher Arbeitsbereich).
  • Verlassen des Arbeitsbereichs: Weg zur Toilette während der Arbeitszeit, hole im Auto vergessene Geschäftsdokumente; erwarte geschäftliche Briefpost und gehe den Briefkasten leeren.
  • Arbeitspause, um sich von der Arbeit zu erholen: Kafi mit Zeitung am Stubentisch.
  • Mittagspause: Esse ein Sandwich am Pult des Homeoffices während ich geschäftliche Dokumente studiere.
  • Versicherte Person mit nur BU-Deckung (Teilzeit): Der Arbeitsplatz befindet sich im Keller; Sturz auf dem Weg in den Keller (Arbeitsweg). 

Beispiele von Nichtberufsunfällen gemäss Art. 8 UVG im Homeoffice:

  • Allgemeine Familien- und Haushalttätigkeiten vor und nach der Arbeit.
  • Unfälle im nicht unmittelbaren Umfeld des Arbeitsplatzes während der Arbeitszeit: Höre das Kind schreien, renne vom Pult weg (1. Stock) und stürze im Parterre in der Stube (persönlicher Lebensbereich).
  • Fülle im Homeoffice die private Steuererklärung aus.
  • Arbeitspause mit allgemeiner Haushalttätigkeit (z. B. Kochen, Wäsche reinigen)
  • Arbeitspause, in welcher ich die Wohnung bzw. das Haus verlasse.
  • Mittagessen in der Stube
  • Versicherte Person mit BU/NBU-Deckung: Der Arbeitsplatz befindet sich im Keller; Sturz auf dem Weg in den Keller (Arbeitsweg).