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Integritätsentschädigung

Inhalt

 

Grundsätze

  • Anspruch
  • Höhe
  • Dauerhaftigkeit und Erheblichkeit
  • Bemessung
  • Mehrere Unfälle
  • Voraussehbare Verschlimmerung
  • Berufskrankheit

Skala und Tabellen

Praxis und Berechnung

  • Motorradunfall mit Verlust eines Arms
  • Psychische Unfallfolgen

Gutachterfrage

  • Integritätsentschädigung

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Grundsätze

Anspruch

Art. 24 UVG

 

1 Erleidet der Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung.

 

2 Die Entschädigung wird

  • mit der Invalidenrente festgesetzt oder,
  • falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt.

Der Bundesrat kann für die Entstehung des Anspruchs in Sonderfällen einen anderen Zeitpunkt bestimmen, namentlich bei Gesundheitsschädigungen durch das Einatmen von Asbestfasern.

Urteil 8C_836/2013 vom 27.03.2014 E. 4.5 (Volltext): Zeitpunkt Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen

 

Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 24 Abs. 2 UVG mit der Invalidenrente festgesetzt oder, wenn kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt. Diese Bestimmung schreibt dem Unfallversicherer nicht nur vor, wann er über eine Integritätsentschädigung zu verfügen hat, sondern legt auch den massgeblichen Zeitpunkt fest, in dem die materiellen Anspruchsvoraussetzungen zu prüfen sind (BGE 113 V 48 E. 4 S. 53).

 

Weil die Integritätsentschädigung dem Ausgleich von Dauerschäden dient, kann dieser Anspruch erst beurteilt werden, wenn sich der Gesundheitszustand der versicherten Person stabilisiert hat und von medizinischen Massnahmen keine Besserung mehr erwartet werden kann (Urteil 8C_820/2011 vom 25. April 2012 E. 2.3). Da der Zeitpunkt des materiellen Anspruchsbeginns hinsichtlich der Integritätsentschädigung vom Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs abhängt, ist folgerichtig zuerst über den Anspruch auf eine Invalidenrente zu befinden (8C_592/2012 vom 23. November 2012 E. 4.2 mit Hinweis), zumal - ausnahmsweise - die Integritätsentschädigung auch erst später zugesprochen werden kann, sofern sich die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen erst nach Erlass der Rentenverfügung zuverlässig beurteilen lassen (BGE 113 V 48 E. 3.b S. 52 f.).

Höhe

Art. 25 UVG

 

1 Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft.

 

2 Der Bundesrat regelt die Bemessung der Entschädigung.

Skala und Tabellen

Anhang 3 UVV

1 Für die nachstehend genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes. Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet. Das gilt auch für das Zusammenfallen mehrerer körperlicher, geistiger und psychischer Integritätsschäden. Integritätsschäden, die gemäss nachstehender Skala 5 Prozent nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung. Der Integritätsschaden wird – mit Ausnahme der Sehhilfen – ohne Hilfsmittel beurteilt.

 

2 Völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt. Bei teilweisem Verlust und bei teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer; die Entschädigung entfällt jedoch ganz, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 Prozent des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe.

Skala der Integritätsentschädigung Prozent
    
Verlust von mindestens zwei Gliedern eines Langfingers oder eines Gliedes des Daumens 05
Verlust des Daumens 20
Verlust einer Hand 40
Verlust eines Arms im Ellbogen oberhalb desselben 50
Verlust einer Grosszehe 05
Verlust eines Fusses 30
Verlust einer Niere 20
Verlust der Milz 10
Verlust der Geschlechtsorgane oder der Fortpflanzungsfähigkeit 40
Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinnes 15
Verlust des Gehörs auf einem Ohr 15
Verlust des Sehvermögens auf einer Seite 30
Vollständige Taubheit 85
Vollständige Blindheit 100
Habituelle Schulterluxation 10
Verlust eines Beines im Kniegelenk 40
Verlust eines Beines oberhalb des Kniegelenks 50
Verlust eienr Ohrmuschel 10
Verlust der Nase 30
Skalpierung 30
Sehr schwere Entstellung im Gesicht 50
Schwere Beeinträchtigung der Kaufähigkeit 25
Sehr starke schmerzhafte Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule 50
Paraplegie 90
Tetraplegie 100
Sehr schwere Beeinträchtigung der Lungenfunktion 80
Sehr schwere Beeinträchtigung der Nierenfuntion 80
Beeinträchtigung von psychischen Teilfunktionen wie Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit 20
Posttraumatische Epilepsie mit Anfällen oder in Dauermedikation ohne Anfälle 30
Sehr schwere organische Sprachstörungen, sehr schweres motorisches oder psychoorganisches Syndrom 80

Suva-Tabellen zur Integritätsentschädigung

Urteil 8C_121/2018 vom 14.06.2018 E. 4.3.2 (Volltext): Bedeutung der Tabellen

 

Die 22 Suva-Tabellen enthalten Richtwerte (BGE 124 V 29 E. 1c S. 32), die für das Gericht nicht verbindlich sind (BGE 116 V 156 E. 3a S. 157). Dementsprechend richtet sich die Integritätsentschädigung - nur, aber immerhin - im Regelfall nach dem angegebenen Prozentsatz (Ziff. 1 von Anhang 3 zur UVV)

01 / 2000: Funktionsstörungen obere Extremitäten

 

02 / 2000: Funktionsstörungen untere Extremitäten

 

03 / 2000: Einfacher oder kombinierter Finger-, Hand- und Armverlust

 

04 / 2002: Einfacher oder kombinierter Zehen, Fuss- und Beinverlust

 

05 / 2011: Arthrosen

 

06 / 2001: Gelenksinstabilitäten

 

07 / 2001: Wirbelsäulenaffektionen

 

08 / 2002: Psychische Folgen von Hirnverletzungen

 

09 / 2001: Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten an inneren Organen

 

10 / 1990: Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten an den Atmungsorganen

 

11 / 1998: Augenverletzungen

 

12 / 2000: Schädigung des Gehörs

 

13 / 2000: Tinnitus

 

14 / 2002: Störungen des Gleichgewichtsfunktionssystems

 

15 / 2001: Unfallbedingte Zahnschäden

 

16 / 2002: Postthrombotischem Syndrom

 

17 / 1993: Ausfälle und Funktionsstörungen der Hirnnerven

 

18 / 2003: Schädigung der Haut

 

19 / 2004: Psychische Folgen von Unfällen

 

21 / 2006: Rückenmarksverletzungen  

 

22 / 2003: Verlust der Geschlechtsorgane oder der Fortpflanzungsfähigkeit