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Taggeld

Gesetzliche Bestimmungen

Anspruch

Art. 16 UVG

 

1 Ist der Versicherte infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so hat er Anspruch auf ein Taggeld.

 

2 Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten.

 

3 Das Taggeld der Unfallversicherung wird nicht gewährt, wenn ein Anspruch auf ein Taggeld der Invalidenversicherung oder auf eine Mutterschaftsentschädigung, eine Vaterschaftsentschädigung, eine Betreuungsentschädigung oder eine Adoptionsentschädigungnach dem EOG.

 

4 Taggeldanspruch von arbeitslosen Personen

 

5 Personen nach Artikel 1a Absatz 1 Buchstabe c, denen eine Rente im Sinne von Artikel 22bis Absatz 5 IVG in Verbindung mit Artikel 28 IVG ausgerichtet wird, haben keinen Anspruch auf ein Taggeld.

Höhe

Art. 17 UVG

 

1 Das Taggeld beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt.

 

2 Höhe des Taggeldes von arbeitslosen Personen

 

3 ...

 

4 Die Höhe des Taggeldes der Personen nach Artikel 1a Absatz 1 Buchstabe c entspricht dem von der Invalidenversicherung ausgerichteten Nettobetrag des Taggeldes.

Höhe der Taggelder

Art. 25 UVV

 

1 Das Taggeld wird nach Anhang 2 berechnet und für alle Tage, einschliesslich der Sonn- und Feiertage, ausgerichtet.

 

3 Teilarbeitsfähigkeiten von arbeitslosen Personen

Taggeld und Hinterlassenenrente

Art. 26 UVV

 

Entsteht mit dem Tod des Taggeldberechtigten ein Anspruch auf Hinterlassenenrente, so haben die Hinterlassenen bis zum Beginn dieser Rente weiterhin Anspruch auf das Taggeld.

Abzüge bei Spitalaufenthalt

Art. 27 UVV

 

1 Der Abzug vom Taggeld für die Unterhaltskosten in einem Spital beträgt:

  1. 20 Prozent des Taggeldes, höchstens aber 20 Franken bei Alleinstehenden ohne Unterhalts- oder Unterstützungspflichten;
  2. 10 Prozent des Taggeldes, höchstens aber 10 Franken bei Verheirateten und unterhalts- oder unterstützungspflichtigen Alleinstehenden, sofern Absatz 2 nicht anwendbar ist.

2 Bei Verheirateten oder Alleinstehenden, die für minderjährige oder in Ausbildung begriffene Kinder zu sorgen haben, wird kein Abzug vorgenommen.

Taggeldberechnung gemäss UVV, Anhang 2

Übrige Sozialversicherungen

Art. 104 UVG

 

Der Bundesrat kann die Koordination des Taggeldes zu den übrigen Sozialversicherungen regeln.

Praxis

Ferienentschädigung im Stundenlohn

Ferienentschädigung von:  

  • 08.33 % entspricht 4 Wochen Ferien (100 : 48 x 4)
  • 10.63 % entspricht 5 Wochen Ferien (100 : 47 x 5)
  • 13.04 % entspricht 6 Wochen Ferien (100 : 46 x 6)

Praxis: 

  • Wird der Stundenlohn bei der Taggeldberechnung mit 52 Wochen multipliziert (nicht z. B. mit 48 Wochen), ist die %uale Ferienentschädigung bereits berücksichtigt.

Berechnungsbeispiel:

  • Stundenlohn Fr. 30.00
  • Ferienentschädigung: 8.33 %
  • Arbeitszeit: 8 Stunden pro Tag 
  • Berechnung: Fr. 30.00 x 8 Stunden x 5 Tage x 52 Wochen = Fr. 62'400.00
  • Taggeldansatz: Fr. 62'400.00 : 365 x 80 % = Fr. 136.77 

Berechnung der Arbeitsunfähigkeit bei Teilzeitbeschäftigten

BGE 135 V 287 vom 25.07.2009 E. 4.3 (Volltext)

 

Die Beschwerdeführerin macht somit zu Recht geltend, als Referenzpensum zur Ermittlung des Grades der Arbeitsunfähigkeit sei das Arbeitspensum unmittelbar vor dem Unfall einzusetzen.

Berechnungsbeispiel:

  • Betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit: 40 Stunden
  • Durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der versicherten Person: 25 Stunden
  • Vom Arzt attestierte wöchentliche Arbeitsfähigkeit: 15 Stunden
  • Grad der Arbeitsunfähigkeit (25 - 15 = 10 Std.; 100 : 25 x 10 Std.): 40 %

Ausfallstunden

Gestützt auf die Schadenminderungspflicht sind Arzt- und Therapiebesuche in der Freizeit vorzunehmen. Ist dies nicht möglich, gilt folgende Formel für die Berechnung einzelner Ausfallstunden:

 

Taggeldansatz x 7 : wöchentliche Arbeitszeit = Stundenansatz (bereits auf 80 % reduziert)

 

Berechnungsbeispiel:

  • Taggeldansatz: Fr. 111.-- / wöchentliche Arbeitszeit: 41 Stunden 
  • Stundenansatz für Ausfallstunden: 111 x 7 : 41 = Fr. 18.95 

Taggeld und Hinterlassenenrente

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 03/86 (Volltext)

 

Der Anspruch auf Hinterlassenenrente entsteht nicht mit dem Todestag, sondern mit dem Monat nach dem Tod des Versicherten. Soweit der Versicherte bis zum Tode taggeldberechtigt ist, ist das Taggeld den Hinterbliebenen bis Rentenbeginn weiter zu gewähren (Art. 26 UVV). Verstirbt der Versicherte jedoch noch vor Ablauf der Karenztage, wird entgegen Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 340 N 842 a den Hinterbliebenen kein Taggeld bis Rentenbeginn ausgerichtet, da in diesen Fällen mangels Taggeldanspruchs kein Leistungsunterbruch eintritt.

Spitalabzug

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 13/83 (Volltext)

  

Der Spitalabzug wird nur auf dem ausbezahlten Taggeld vorgenommen. Fällt der Beginn der Arbeitsunfähigkeit mit dem Spitalaufenthalt zusammen, so kann für die Karenztage kein Abzug gemacht werden. Liegt grobe Fahrlässigkeit vor, so werden die Leistungen zunächst gekürzt, erst dann erfolgt der Verköstigungsabzug.

Taggelder ohne Erwerbsausfall (Sachverhalte mit Grafiken)

Taggeldanspruch erfordert Erwerbsausfall zum Unfallzeitpunkt

Urteil 8C_402/2008 vom 16.10.2008 (Volltext)

 

Sachverhalt

  • Unfall 22. Mai
  • Ordentliche Pensionierung per 31. Mai
  • Dem Versicherten wurde bis 31. Mai (= Pensionierung) und dann wieder ab 17. September für eine schränkte Zeit eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.

Obwohl der Versicherte am 17. September bereits pensioniert war, bejaht das Bundesgericht Taggelder auch ab 17. September. Begründung: Entscheidend für den Taggeld-Anspruch: Erwerbsausfall zum Unfallzeitpunkt!

 

Das Bundesgericht lässt durchblicken, dass dies auch für die Abredeversicherung sowie für befristete Arbeitsverhältnisse gilt. 

 

Taggeldanspruch besteht über das Pensionalter hinaus

BGE 134 V 392 vom 30.07.2008 E. 5.2.1 (Volltext)

 

Ein einmal entstandener Anspruch auf Taggelder besteht auch über den Eintritt ins Pensionsalter hinaus.

 

Bestätigung der Rechtsprechung: Urteil 8C_538/2008 vom 22.10.2008

 

UVG-Taggeld setzt Erwerbsausfall am Unfalltag voraus

BGE 130 V 35 vom 29.10.2003 (Volltext)

 

Unfall während der Nachdeckung bei vorzeitiger Pensionierung:

 

Der vorzeitig pensionierte Versicherte, der während der Nachdeckungsfrist des Art. 3 Abs. 2 UVG einen Unfall erleidet, hat mangels eines Erwerbsausfalles am Unfalltag keinen Anspruch auf Taggelder der Unfallversicherung. 

 

Abstrakte Berechnung des Taggeldes

UVG-Kreisschreiben Nr. 20 vom 30.03.2017 (Volltext)

 

Um die einheitliche Anwendung des UVG sicherzustellen ist das Taggeld unabhängig eines Erwerbsausfalles abstrakt zu berechnen; von dieser Weisung ausgenommen ist die Taggeldberechnung bei vorzeitiger Pensionierung.