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Mehrfachdiagnosen und Komorbiditäten und deren Einfluss auf die Erwerbsunfähigkeit

Rechtsprechung in chronologischer Reihenfolge

Organische Befunde nach Unfall / Depressive Episode (Kein strukturiertes Beweisverfahren)

Urteil 8C_230/2022 vom 23.09.2022 (Volltext): IV-Grad 10 %

 

4.1.  Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezüglich der letzten Tätigkeit diagnostizierten die Experten eine beginnende

  • Coxarthrose beidseits, links mehr als rechts,
  • eine knöchern konsolidierte distale Fraktur des linken Femurs vom 1. Dezember 2014 mit einem stationären pyramidenförmigen Knochendefekt der distalen medialen Diaphyse des linken Femurs,
  • eine mediale Gonarthrose
  • und eine beginnende Retropatellararthrose beidseits, links stärker als rechts,
  • sowie eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0; DD: Dysthymia F34.1).

Gemäss E. 4.2 resultiert schlussendlich im Rahmen der gemischten Methode eine Gesamtinvalidität von 10 %.

 

Verzicht auf das strukturierten Beweisverfahren gemäss E. 5.2.3.1:

 

Es ist zwar richtig, dass gemäss BGE 143 V 409 und 418 für die Beurteilung der Invalidität grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind, wie die Versicherte sodann einwendet. Hieraus lässt sich aber nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zum einen genügt das psychiatrische Gutachten vom 7. Mai 2019 von Dr. med. C den Vorgaben von BGE 141 V 281, sodass die Vorinstanz ohne Bundesrecht zu verletzen von dessen Beweiskraft ausgehen durfte. Dr. med. C. nahm nach der Herleitung der Diagnosen eine medizinische und versicherungsmedizinische Beurteilung vor, in deren Rahmen sie sich zur bisherigen persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Entwicklung der Versicherten einschliesslich der aktuellen psychischen, sozialen und gesundheitlichen Situation, zum bisherigen Verlauf von Behandlung, der Konsistenz und Plausibilität der geltend gemachten Beschwerden sowie zu den Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen äusserte. Alsdann legte sie dar, dass eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe wegen der leicht verminderten Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit und des dadurch leicht erhöhten Erholungs- und Pausenbedarfs. Die Gutachterin hat damit die massgeblichen Beweisthemen abgehandelt und sich bei ihrer Einschätzung an die normativen Rahmenbedingungen gehalten.

Psychische Störungen / 2 Unfällen mit HWS-Beteiligung / Zeckenbiss

Urteil 9C_271/2017 vom 16.04.2018 (Volltext): IV-Grad 50 %

 

4.1. Gemäss Gutachten der asim leidet die Versicherte an

  •  einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41).

Diagnostiziert wurden ferner

  • akzentuierte Persönlichkeitszüge durch Typ A Verhalten (ICD-10 Z.73.1,
  • starke Leistungsorientierung,
  • Überhilfsbereitschaft,
  • mangelnde Abgrenzungsfähigkeit
  • und teilweise zwanghafter Hang zum Perfektionismus).

4.2. Mit Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome ergibt sich, dass die Versicherte verschiedenen Ereignissen (zwei Unfällen mit Beteiligung der Halswirbelsäule, Zeckenbiss mit Borrelioseerkrankung) ausgesetzt war, bevor die Schmerzstörung, die mit der Borreliose begann, ab 2004 zugenommen hat. Gemäss Ausführungen im asim-Gutachten zeigen Persönlichkeitsstruktur und Biografie der Versicherten die typischen Merkmale und damit eine Vulnerabilität für die Ausbildung eines Fibromyalgiesyndroms. 

 

5. Die Zusprechung einer halben Invalidenrente ab 1. Juli 2011, zuzüglich Zins ab 1. Juli 2013, ist bundesrechtskonform.

Depressive Störung / Persönlichkeitsstörung / Hüftarthrose

Urteil 9C_550/2016 vom 30.12.2016 E. 3.2 (Volltext): IV-Grad 50 %

 

Danach leide der Versicherte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an

  • einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F38.10), derzeit schwergradig ausgeprägt,
  • an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 F61.0)
  • sowie an einer Periarthropathia coxae rechts.

Der Gesundheitszustand habe sich somit entgegen den Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 16. Dezember 2014 in psychiatrischer Hinsicht verschlechtert. Es sei nunmehr von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten auszugehen. 

Persönlichkeitsstörungen / Substanzgebrauch / ADHS / Dysthymie

Urteil 8C_325/2016 vom 31.08.2016 E. 4.2 (Volltext): Erwerbsunfähigkeit liegt vor

 

Es werden die Diagnosen

  • der kombinierten und anderen Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F61) mit ängstlich-vermeidenden,
  • schizoiden und unreifen Zügen, der psychischen und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2) mit regelmässigem Substanzgebrauch,
  • ADHS,
  • sowie einer Dysthymie (ICD-10 F34.1)

aufgeführt. Es handelt sich dabei um eine Kombination von psychischen Störungen, die eine massgebliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht von vornherein ausschliessen lässt (SVR 2008 IV Nr. 8 S. 23).

 

... und sei nunmehr von einer bleibenden Erkrankung auszugehen, die mit medizinischen Massnahmen und "Dauertherapie" nicht verbessert werden könne. Der Versicherte sei auf eine langfristige Unterstützung angewiesen. Trotz intensiver Bemühungen seien seine Einschränkungen nicht willentlich überwindbar.

Anpassungsstörung / Bewegungsstörungen / histrionische Persönlichkeitszüge / PTBS

Urteil 8C_713/2015 vom 09.02.2016 E. 5 (Volltext): Keine Erwerbsunfähigkeit

 

Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte

  • eine chronische Anpassungsstörung (DSM-IV-TR 309.0),
  • dissoziative Bewegungsstörungen (ICD-10 F 44.4)
  • sowie akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z 73.1)
  • und vermerkte einen Status nach posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1),

alle Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.

Burnout / Persönlichkeitsstörung / Somatisierungsstörung / Fibromyalgie

Urteil 9C_726/2014 vom 25.02.2015 E. 3.2.1 (Volltext): Keine Erwerbsunfähigkeit

 

Beschwerdebild ohne Anspruch auf eine Rente der IV:

  • Eine rezidivierende depressive Störung im Anschluss an eine massive Erschöpfungsdepression bzw. ein Burnout (ICD-10 F33.01;
  • bei Persönlichkeit mit zwanghaften, ängstlich-vermeidenden, abhängigen und histrionischen Zügen [ICD-10 Z73.1]),
  • eine Somatisierungsstörung (im Zusammenhang mit Stress und Drucksituationen; ICD-10 F45.4)
  • und eine seit über 20 Jahren bestehende Fibromyalgie.

Mittelgradige depressive Episode / Somatoformen Schmerzstörung

Urteil 9C_1026/2012 vom 13.02.2013 (Volltext): Keine Erwerbsunfähigkeit

 

Keine invalidisierende gesundheitliche Beeinträchtigung:

  • Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) als Begleiterscheinung der mehrfach diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
  • (Reaktive) Begleiterscheinung des syndromalen Zustands und der psychosozialen Belastungsfaktoren, insbesondere der Arbeitslosigkeit

Zervikozephalen Symptomenkomplex / Vegetativer Dysregulation / Funktionsstörungen

Urteil 8C_697/2011 vom 14.12.2011 (Volltext): Volle Arbeitsfähigkeit

 

Beschwerden nach seitlicher Streifkollision. Auf längere Sicht volle Arbeitsfähigkeit im ausgeübten Beruf als Sozialarbeiter bei folgenden Beschwerden:

  • Persistierenden zervikozephalen Symptomenkomplex
  • Vegetativer Dysregulation
  • Leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörungen
  • Schwerer Anpassungsstörung vom ängstlich-depressiven Typ und Verdacht auf dissoziative Symptomatik (Sensibilitätsstörung und Depersonalisationsphänomene)

Schmerzsyndrom / Schmerzverarbeitungsstörung / Adipositas / usw.

Urteil 8C_953/2010 vom 29.04.2011 E. 4.1 (Volltext): Volle Arbeitsfähigkeit

 

Bei zehnfachem Beschwerdekomplex für körperlich angepasste Tätigkeit nach kurzer Zeit uneingeschränkt arbeitsfähig.

 

Eine körperliche angepasste Tätigkeit, wie sie nachfolgend näher beschrieben werde, wäre ihm allerdings bereits kurze Zeit später zumutbar gewesen. Aus orthopädischer Sicht bestehe für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in wechselnder Position, wo eine Hebe- und Tragelimite von 15 kg nur ausnahmsweise überschritten werde und keine längeren Zwangshaltungen des Rumpfes vorkämen, eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer und internistischer sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. Dies bei folgenden Diagnosen:

  • Chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (ICD-10 M54.5;
  • Intermittierende pseudoradikuläre Ausstrahlungen rechts, beginnende degenerative Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule, klinisch und MR-tomographisch ohne Neurokompression, ICD-10 M47.86/M51.2).
  • Schmerzverarbeitungsstörung und Symptomausweitung (ICD-10 F54);
  • Inkomplettes metabolisches Syndrom (Adipositas mit BMI 32,8 kg/m2 [ICD-10 E66.0];
  • Leichte Hepatopathie [ICD-10 K76.9];
  • Dyslipidämie [ICD-10 E78.2];
  • Erhöhter HbA1c-Wert aktuell;
  • Verdacht auf Diabetes mellitus [ICD-10 E11.9]);
  • Medikamenten-Malcompliance (ICD-10 Z91.1).
  • Emotinal impulsives Verhalten (ICD-10 F60.30) (E 5.2)

Somatoforme Schmerzstörung / Leichte depressive Epsiode / Antidepressive Medikation

Urteil 8C_958/2010 vom 25.02.2011 (Volltext): Arbeitsunfähigkeit 20 %

 

Lediglich 20 %ige Arbeitsunfähigkeit als Bodenleger bei folgendem Beschwerdebild (E. 6.2.2.1):

  • Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
  • Leichte depressive Epsiode
  • Vom 24. Februar bis 8. Mai während 5 Tagen pro Woche in teilstationärer Psychistrischer Tagesklinik
  • Regelmässiger antidepressiver Medikation
  • Leichte Konzentrationsstörungen, erhöhte Ermündbarkeit, Anstriebsstörung, Schlafstörungen
  • Invaliditätsfremde psychosozialen Belastungsfaktoren: Ebenfalls erkrankte Ehefrau, belastende finanzielle Situation, Abhängigkeit vom Sozialamt

Schmerzverarbeitungsstörung / HWS-Distorionstrauma / Diskushernien-Operation

Urteil 8C_782/2010 vom 09.12.2010 E. 3.1 (Volltext): Volle Arbeitsfähigkeit

 

Der Beschwerdeführer ist aufgrund der ärztlichen Diagnosen

  • einer Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54),
  • eines persistierenden zervikozephalen Symptomenkomplexes (ICD-10: M54.2)
  • bei einem HWS-Distorionstrauma (ICD-10: S13.4)
  • sowie einem Status nach Diskushernien-Operation LWK5/S1 1997 mit aktuell feststellbarer leichten Wurzelirritation S1 bei Rezidivhernie (ICD-10: G54.4)
  • und einem Nikotinabusus (ICD-10: F17.2),

sowohl in seiner bisherigen Tätigkeit als Informatik-Techniker als auch für sämtliche körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig.

Schmerzsydrom / depressive Störung / Cannabis-Abhängigkeitssyndrom

Urteil 8C_429/2010 vom 15.10.2010 E. 3.1 (Volltext): Volle Arbeitsfähigkeit

 

Danach liegt keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Ohne Einfluss auf diese sei

  • ein chronisches zervikozephales und rezidivierendes rechtsseitiges zervikobrachiales Schmerzsydrom mit/bei:
  • Fehlhaltung,
  • myostatischer Insuffizienz,
  • aktuell ohne nachweisbares pathologisch-anatomisches Korrelat,
  • eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig, remittiert (ICD-10: F33.4),
  • ein Cannabis-Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F12.2)
  • sowie eine chronisch-rezidivierende Prostatitis mit/bei: Status nach mehrfacher antibiotischer Therapie. 

Somatisierungsstörung / Somatoforme Schmerzstörung / Mittelschwere Depression

Urteil 8C_945/2009 vom 23.09.2010 (Volltext): Keine Erwerbsunfähigkeit

 

Keine Erwerbsunfähigkeit und damit keine anspruchsbegründende Invalidität im vorliegenden Fall beim gleichzeitigen Vorliegen folgenden vier Diagnosen:

  • Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
  • Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
  • Somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10: F45.30, 45.31)
  • Mittelschwere Depression (ICD-10: F32.1)