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AHV-Renten > Ordentliche Renten > Flexibles Rentenalter

Aufschub der Altersrente

Möglichkeit und Wirkung des Aufschubs

Art. 39 AHVG (RWL)

 

1 Personen, die Anspruch auf eine ordentliche Altersrente haben, können den Beginn des Rentenbezuges mindestens ein Jahr und höchstens fünf Jahre aufschieben und innerhalb dieser Frist die Rente von einem bestimmten Monat an abrufen.

 

2 Die aufgeschobene Altersrente und die sie allenfalls ablösende Hinterlassenenrente wird um den versicherungstechnischen Gegenwert der nicht bezogenen Leistung erhöht.

 

3 Der Bundesrat setzt die Erhöhungsfaktoren für Männer und Frauen einheitlich fest und ordnet das Verfahren. Er kann einzelne Rentenarten vom Aufschub ausschliessen.

Ausschluss vom Rentenaufschub

Art. 55bis AHVV (RWL)

 

Vom Aufschub gemäss Artikel 39 AHVG sind ausgeschlossen:

  1. ...
  2. die Altersrenten, die eine Invalidenrente ablösen;
  3. die Altersrenten, zu denen eine Hilflosenentschädigung gewährt wird;
  4. ...
  5. ...
  6. ...
  7. die Altersrenten für freiwillig Versicherte, die eine Fürsorgeleistung gemäss Artikel 92 AHVG (aufgehoben) oder Artikel 76 IVG (aufgehoben) bis zur Zurücklegung der Altersgrenze gemäss Artikel 21 Absätze 1 und 2 AHVG bezogen haben.

Zuschlag beim Rentenaufschub

Art. 55ter AHVV (RWL)

 

Der prozentuale Zuschlag zur aufgeschobenen Rente beträgt nach einer Aufschubsdauer von:

  • 1 Jahre und 00 - 02 Monate: 05.2 %
  • 1 Jahre und 02 - 05 Monate: 06.6 %
  • 1 Jahre und 06 - 08 Monate: 08.0 %
  • 1 Jahre und 09 - 11 Monate: 09.4 %
  • 2 Jahre und 00 - 02 Monate: 10.8 %
  • 2 Jahre und 02 - 05 Monate: 12.3 %
  • 2 Jahre und 06 - 08 Monate: 13.9 %
  • 2 Jahre und 09 - 11 Monate: 15.5 %
  • 3 Jahre und 00 - 02 Monate: 17.1 %
  • 3 Jahre und 02 - 05 Monate: 18.8 %
  • 3 Jahre und 06 - 08 Monate: 20.5 %
  • 3 Jahre und 09 - 11 Monate: 22.2 %
  • 4 Jahre und 00 - 02 Monate: 24.0 %
  • 4 Jahre und 02 - 05 Monate: 25.8 %
  • 4 Jahre und 06 - 08 Monate: 27.7 %
  • 4 Jahre und 09 - 11 Monate: 29.6 %
  • 5 Jahre und 00 - 02 Monate: 31.5 % 

2 Der Zuschlag wird ermittelt, indem die Summe der aufgeschobenen Monatsbetreffnisse durch die entsprechende Anzahl Monate dividiert wird. Dieser Betrag wird mit dem zutreffenden Prozentsatz nach Absatz 1 multipliziert.

 

3 Wird eine aufgeschobene Altersrente durch Hinterlassenenrenten abgelöst, so beträgt der Zuschlag:

  1. bei Witwen- und Witwerrenten 80 Prozent des bisherigen Zuschlages
  2. bei Waisenrenten 40 Prozent des bisherigen Zuschlages.

4 Die Summe aller Zuschläge darf den Betrag des Zuschlages zur Altersrente nicht übersteigen.

 

5 Der Betrag des Zuschlages wird der Lohn- und Preisentwicklung angepasst.

Aufschubserklärung und Abruf

Art. 55quater AHVV (RWL / Rechtsprechung)

 

1 Die Aufschubsdauer beginnt vom ersten Tag an zu laufen, der dem Monat folgt, in welchem das Rentenalter nach Artikel 21 Absatz 1 AHVG erreicht wurde. Der Aufschub ist innert eines Jahres vom Beginn der Aufschubsdauer an schriftlich zu erklären. Ist innert Frist keine Aufschubserklärung erfolgt, so wird die Altersrente nach den allgemein geltenden Vorschriften festgesetzt und ausbezahlt.

 

2 Der Abruf erfolgt in schriftlicher Form.

 

3 Wird eine aufgeschobene Altersrente abgerufen, so wird sie vom folgenden Monat an ausbezahlt, eine Nachzahlung von Renten ist ausgeschlossen.

 

4 Stirbt der Rentenberechtigte, so gilt die Altersrente als abgerufen.

Vorbezug der Altersrente

Möglichkeit und Wirkung des Vorbezuges

Art. 40 AHVG (RWL)

 

1 Männer und Frauen, welche die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine ordentliche Altersrente erfüllen, können die Rente ein oder zwei Jahre vorbeziehen. Der Rentenanspruch entsteht in diesen Fällen für Männer am ersten Tag des Monats nach Vollendung des 64. oder 63. Altersjahres, für Frauen am ersten Tag des Monats nach Vollendung des 63. oder 62. Altersjahres. Während der Dauer des Rentenvorbezuges werden keine Kinderrenten ausgerichtet.

 

2 Die vorbezogene Altersrente sowie die Witwen-, Witwer- und Waisenrente werden gekürzt.

 

3 Der Bundesrat legt den Kürzungssatz nach versicherungstechnischen Grundsätzen fest.

Kürzungsbetrag beim Rentenvorbezug

Art. 56 AHVV (RWL)

 

1 Die Rente wird um den Gegenwert der vorbezogenen Rente gekürzt.

 

2 Bis zum Rentenalter entspricht dieser Betrag pro Vorbezugsjahr 6,8 Prozent der vorbezogenen Rente.

 

3 Nach Erreichen des Rentenalters entspricht dieser Betrag pro Vorbezugsjahr 6,8 Prozent der Summe der ungekürzten Renten, dividiert durch die Anzahl der Monate, während denen die Rente bezogen wurde.

 

4 Der Betrag der Kürzung wird der Lohn- und Preisentwicklung angepasst.

Kürzung der Hinterlassenenrenten

Art. 57 AHVV (RWL)

 

1 Wird eine vorbezogene Altersrente durch eine Hinterlassenenrente abgelöst, wird die Rente nur um einen Prozentsatz des nach Artikel 56 ermittelten Kürzungsbetrages reduziert. Dieser Prozentsatz beträgt:

  1. bei Witwen- und Witwerrenten 80 Prozent;
  2. bei Waisenrenten 40 Prozent.

2 Die Summe der Kürzungen von Witwen-, Witwer- oder Waisenrenten darf den Kürzungsbetrag nach Artikel 56 nicht übersteigen. Bei Änderungen in der Anspruchsberechtigung ist der Kürzungsbetrag anzupassen.

Rechtsprechung

Frist für Aufschubsgesuch

Urteil 9C_531/2020 (BGE 147 V 70) vom 17.12.2020 (Volltext)

 

Art. 39 Abs. 3 AHVG; Art. 55quater Abs. 1 Satz 2 AHVV; Rentenaufschub.

 

Die in Art. 55quater Abs. 1 Satz 2 AHVV statuierte Frist zur Erklärung des Rentenaufschubs ist gesetzes- und verfassungskonform (E. 3.2.3).