Hauptinhalt

Ferienfähigkeit / Ferienunfähigkeit

Definition

Urteil GD_989/2009 der Gesundheitsdirektion Kanton Zürich vom 03.08.2012 (Volltext)

 

Krankheit oder Unfall während der Ferien kann zu «Ferienunfähigkeit» führen, wenn wegen Bettruhe, medizinischer Behandlungen, regelmässigem Arztbesuch über längerer Zeit, Spitalaufenthalt oder allgemeinem Unwohlsein eine Entspannung und Erholung nicht eintreten kann. Die Beeinträchtigungen müssen ein einigermassen erhebliches Ausmass angenommen haben, um den Ferienzweck vereiteln zu können; Arbeitsunfähigkeit führt nicht in jedem Fall zu Ferienunfähigkeit.

Im Zweifelsfall Beurteilung durch den Arzt notwendig

Vorhandene Arztzeugnisse nehmen in der Regel zur Arbeitsfähigkeit und nicht die Ferienfähigkeit Stellung. Aus diesem Grund muss im Zweifelsfall ein Arzt konkret danach gefragt werden:

 

Ferienfähigkeit: ist die versicherte Person trotz Arbeitsunfähigkeit infolge der aktuellen Erkrankung in der Zeit vom ... bis ... zur Erholung und Entspannung fähig oder haben die Ferien eher den Zweck einer Kur? Wir bitten Sie, die Antwort zu begründen.

Konsequenzen bei Krankheiten während den Ferien bei Ferienfähigkeit

Für den Arbeitnehmenden

 

Bei Ferienfähigkeit trotz Arbeitsunfähigkeit werden dem Arbeitnehmenden die Anzahl Ferientage vom Feriensaldo abgezogen.

Für den Arbeitgeber

 

Bei Ferienfähigkeit trotz Arbeitsunfähigkeit hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmenden den Lohn zu 100 % zu bezahlen.

Für den Krankentaggeldversicherer

 

Bei Ferienfähigkeit trotz Arbeitsunfähigkeit hat der Krankentaggelversicherer die Taggelder für die Zeit der Ferien einzustellen.

Reise nicht antreten heisst nicht Ferienunfähigkeit

Urteil 810 14 81 des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 10.09.2014 (Volltext)

 

A. ... Dr. D. hielt in seinem Schreiben vom 19. November 2012 fest, dass A. seit dem 25. Juni 2012 bei ihm in Behandlung sei. Ab diesem Datum sei die Patientin zu 100% arbeitsunfähig gewesen und sei es bis Ende November 2012 noch. Trotz dieser Arbeitsunfähigkeit bestehe aus medizinischer Sicht keine Einschränkung bezüglich der Ferien, das heisse, die Patientin sei ferientauglich “in dieser Zeit“. ...

 

4.4. Zweck der Ferien ist die Erholung des Arbeitnehmers (BGE 128 III 280 E. 4.a/aa, besprochen von ALFRED BLESI, in: Zeitschrift für Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] S. 14 ff.; Urteil des Kantonsgerichts Graubünden ZK2 11 13 vom 6. März 2013 E. 9.b mit weiteren Hinweisen). Die Tatsache, dass ein Arbeitnehmer keine Reise antreten kann, führt nicht unbedingt zum Schluss, dass dadurch der Erholungszweck der Ferien vereitelt wird. Ferien, die ein Arbeitnehmer zu Hause verbringt, können durchaus ihren Erholungszweck erfüllen. Tagesausflüge, Spaziergänge, Besuche bei Freunden können sich für einen Arbeitnehmer, der nicht arbeitsfähig ist, ebenso erholsam auswirken wie eine oft mit vielen Umstellungen verbundene Ferienreise (Urteil des Arbeitsgerichts Zürich vom 1. Februar 1979, in: Blätter für Zürcherische Rechtsprechung [ZR] 80/1981 S. 203).