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Massnahmen beruflicher Art > Berufsberatung

Gesetzliche Bestimmungen

Berufsberatung

Art. 15 IVG (KSBE)

 

1 Versicherte, die infolge Invalidität Schwierigkeiten bei der Berufswahl haben, haben Anspruch auf Berufsberatung und eine vorbereitende Massnahme zum Eintritt in die Ausbildung.

 

2 Versicherte, die infolge Invalidität Schwierigkeiten bei der Ausführung ihrer früheren Tätigkeit haben, haben Anspruch auf Berufsberatung.

Art. 4a IVV: Berufsberatung (KSBE / Erläuterungen per 01.01.2022) 

 

1 Eine Berufsberatung nach Artikel 15 IVG kann sich aus den folgenden Bestandteilen zusammensetzen:

  1. von Fachpersonen durchgeführte Beratungsgespräche, Analysen und diagnostische Tests;
  2. vorbereitende Massnahmen zum Eintritt in die Ausbildung nach Artikel 15 Absatz 1 IVG;
  3. Massnahmen zur vertieften Abklärung möglicher Berufsrichtungen nach Artikel 15 Absatz 2 IVG.

2 Als Massnahmen nach Absatz 1 Buchstabe b gelten arbeitsmarktnahe Massnahmen, die nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit in Betrieben des ersten Arbeitsmarkts oder in Institutionen durchgeführt werden, um Eignung und Neigung der versicherten Person für mögliche Ausbildungen zu überprüfen und die versicherte Person an die Anforderungen des ersten Arbeitsmarkts heranzuführen. Diese Massnahmen sind auf längstens zwölf Monate befristet.

 

3 Als Massnahmen nach Absatz 1 Buchstabe c gelten Massnahmen, die in Betrieben des ersten Arbeitsmarkts oder in Institutionen durchgeführt werden, um Eignung und Neigung der versicherten Person für mögliche Berufsrichtungen und Tätigkeiten zu überprüfen. Diese Massnahmen sind insgesamt auf drei Monate befristet. Sofern die benötigten Erkenntnisse für den Entscheid für eine Berufsrichtung oder Tätigkeit noch nicht vorliegen, können die Massnahmen um längstens drei Monate verlängert werden.

 

4 Bei den Massnahmen nach den Absätzen 2 und 3 werden je nach Fähigkeiten der versicherten Person individuelle Vorgaben zu Zielen und Dauer festgehalten. Die Massnahme ist insbesondere dann zu beenden, wenn:

  1. das Ziel erreicht wurde oder nicht erreicht werden kann;
  2. sich eine geeignetere Eingliederungsmassnahme aufdrängt;
  3. die Weiterführung aus medizinischen Gründen nicht zumutbar ist.

Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art (KSBE)

Begriff

KSBE

 

2001 (1/17): Die Berufsberatung, die auch die Laufbahnberatung von Erwachsenen einschliesst, dient der Erfassung der Persönlichkeit und der Feststellung der Fähigkeiten und Neigungen der vP, welche als Grundlage für die Wahl einer geeigneten Ausbildung, Berufstätigkeit bzw. einer Tätigkeit in einem andern Aufgabenbereich oder für die Stellenvermittlung dienen. 

 

Abgrenzungen zu den Abklärungsmassnahmen (Art. 43 ATSG, Art. 69 IVV)

 

2001.1 (1/17): Die Berufsberatung erfordert, dass die vP eingliederungsfähig ist. Bei Abklärungen beruflicher Art im Rahmen der Berufs beratung nach Art. 15 IVG ist die objektive und subjektive Eingliederungsfähigkeit vorhanden. Mittels einer Abklärung wird eruiert, welche Tätigkeiten sich für eine vP eignen, unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten und Neigungen sowie ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Wenn lediglich die Frage zu beantworten ist, ob die vP überhaupt eingliederungsfähig ist, kommt Art. 43 ATSG i.V.m. Art. 69 IVV zur Anwendung. Diese Frage ist im Vorfeld der Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu klären.

Anspruch

KSBE 

 

2002: Anspruch auf Berufsberatung haben vP, die wegen einer Behinderung in ihrer Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit beeinträchtigt und daher auf spezialisierte Berufsberatung angewiesen sind.

Durchführung

KSBE

 

2003 ((1/17): Die Berufsberatung erfolgt durch die IV-Stelle. Sie besteht aus:

  • den üblichen Methoden und Vorkehren der Berufsberatung (Beratungsgespräche und, falls erforderlich psychologische Testverfahren etc.);
  • Schnupperlehren mit dem Ziel, durch praktische Arbeit und eigenes Erleben den Berufswunsch der vP zu überprüfen und zu klären, ob die vP die erforderlichen Neigungen und Voraussetzungen mitbringt;
  • umfassenderen Abklärungen in spezialisierten Institutionen oder im ersten Arbeitsmarkt . Diese sind nach einem im Einzelfall festgelegten oder standardisierten Abklärungsprogramm mit klarer Zielsetzung durchzuführen.

2004 (1/17): Abklärungen in spezialisierten Institutionen oder im ersten Arbeitsmarkt sind in der Regel auf drei Monate zu befristen. Sie sind vorzeitig zu beenden, wenn die verlangten Resultate vorliegen oder von einer Weiterführung keine zusätzlichen Erkenntnisse mehr erwartet werden können. Verlängerungen der Abklärung zur Überbrückung der Zeit bis zum Beginn einer nachfolgenden Massnahme dürfen nur erfolgen, wenn diese im Rahmen der Eingliederungsplanung zielführend sind.

 

2005 (1/17): Schnupperlehren sollen nicht länger als zwei Wochen dauern und sind während den Schulferien durchzuführen. Sie sind einzig im Hinblick auf die Abklärung der beruflichen Eignung anzuordnen. Die arbeitsrechtlichen Vorschriften sind einzuhalten.

 

2006 (1/17): aufgehoben

Kostenvergütung

KSBE

 

2007 (1/17): Bei vertieften Abklärungen im Rahmen der Berufsberatung werden die Kosten der Massnahme, des Transports, der Verpflegung und Unterkunft sowie der allfälligen zusätzlichen Betreuung vergütet.

 

2008 (1/17): Bei Abklärungen im ersten Arbeitsmarkt ist grundsätzlich da von auszugehen, dass in der Regel keine Kosten entstehen.

 

2009 (1/17): Bei Schnupperlehren werden in der Regel nur invaliditätsbe dingt zusätzlich anfallende Transportkosten vergütet (Art. 51 IVG).

 

2010 (1/17): Bei Aufenthalten im Hinblick auf die Aufnahme in ein betreutes Wohnangebot werden die Kosten nicht von der IV übernommen.