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Unfallbegriff > Drehbewegung

Rechtsprechung in chronologischer Reihenfolge

Extreme, reflexartige Drehbewegung am Boden

Urteil 8C_742/2017 vom 13.06.2018 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Am 13. November 2016 habe die Versicherte am Boden sitzend eine extreme Drehbewegung gemacht, weil sie geglaubt habe, ihrem (neben ihr befindlichen) Ehemann rutsche das Kind aus den Armen; danach habe sie starke Schmerzen (im Rücken) gespürt und deswegen eine Zeit lang nicht mehr aufstehen können.

 

6. Es dürfte zutreffen, dass die Bewegung reflexartig und damit einhergehend auch mit einem gewissen Kraftaufwand verbunden ausgeführt worden ist. Auch mag sie durchaus in dem Sinne als "extrem" ausgefallen sein, als die Drehbewegung so weit ausgeführt wurde, wie dies die körperliche Beweglichkeit widerstandfrei zuliess. Die Bewegung selbst beschränkte sich indessen auf das Abdrehen des Rumpfs. Eine vom Körper nicht mehr ohne weiteres beherrschbare Vielzahl von verschiedenen, ineinander greifenden Bewegungsabläufen, wie sie etwa bei einem (unerwarteten) Fehltritt ausgelöst werden können, lässt sich hingegen nicht ausmachen. Auch ist nicht davon auszugehen, dass damit die sich aus der Anatomie des Rumpfes und der Wirbelsäule ergebende, als Widerstand wahrnehmbare Beweglichkeitsgrenze absichtlich oder unwillkürlich zu überschreiten versucht wurde. Dies gründet im Umstand, dass das Kind letztlich nicht herunterfiel und insoweit der, allenfalls mit einer zusätzlichen Kippbewegung kombinierte "finale", möglicherweise panikartig ausgeführte Griff nach dem aufzufangenden Kind ausblieb. Der Rumpf ist nicht anders bewegt worden, als dies etwa auch im Rahmen einer körperlichen Ertüchtigung (am Boden sitzend den Rumpf mit einer schnellen, seitlichen, durch die Hände unterstützten Wippbewegung [nach links [oder rechts] drehend) der Fall gewesen wäre. Zwar ist der Vorgang als solcher unwillkürlich ausgelöst worden. Er hat sich indessen in kontrollierbaren Bahnen bewegt und kann insoweit nicht als programmwidrig bezeichnet werden. Ebenso wenig rechtfertigt es sich, einer solchen Aktivität generell ein erhebliches Gefährdungspotential zuzusprechen. 

 

Dies führt zur Verneinung einer Leistungspflicht der Suva für die geltend gemachten Rückenbeschwerden. 

Drehbewegung auf Stuhl, mit Fuss am Boden hängen geblieben

Urteil 8C_282/2017 vom 22.08.2017 (Volltext): Unfallbegriff erfüllt

 

Sachverhalt: Beim Drehen auf dem Bürostuhl zieht sich der Versicherte ein Bruch der Hüfte zu. Er sei mit dem Fuss am Boden hängen geblieben, habe den Fuss abgedreht und dabei ein Knackgeräusch gehört. Seither leide er an starken Schmerzen. Gemäss Bericht vom 18. Mai 2016 ermittelte Dr. med. C. als Ursache der Beschwerden einen Bruch der Revitan-Hüftprothese.

 

Das kantonale Gericht hat die Erfüllung des Unfallbegriffes zu Recht bejaht (E. 3.3.).

Drehbewegung beim Aussteigen aus dem Auto

Urteil 8C_282/2017 vom 22.08.2017 E. 3.2 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt 

 

Der diesem Urteil zu Grunde liegende Sachverhalt ist nicht mit dem hier zu beurteilenden zu vergleichen. In jenem Fall ereignete sich nichts Ungewöhnliches, als die versicherte Person - wegen dichten Verkehrs planmässig bei nicht vollständig geöffneter Türe - aus ihrem parkierten Auto ausstieg (BGE 142 V 219 E. 4.3.2 S. 221). 

Drehbewegung durch Erschrecken

Urteil 8C_712/2010 vom 16.11.2010 E. 4 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Sachverhalt: Der Versicherte hob eine etwa zehn bis fünfzehn Kilogramm schwere Kabelrolle an, als er aufgrund des Knalles der zufallenden Eingangstüre erschrak. Bei seiner Drehbewegung sackte er unglücklich zur Seite hin ab und zog sich dabei eine mechanische Blockade des Hüftgelenks und des Lendenwirbels zu.

 

Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, stellt dieser Ablauf keinen Unfall im Rechtssinne dar. Insbesondere ist es nicht nachvollziehbar, wie durch den Knall der zufallenden Tür die Drehbewegung des Versicherten dahingehend hätte gestört werden können, dass er zur Seite hin absackte. Plausibler erscheint die vorinstanzliche Annahme, das Einsinken als unmittelbaren Ausdruck und damit als Folge des eingetretenen Gesundheitsschadens zu werten. Somit haben kantonales Gericht und Verwaltung zu Recht einen ungewöhnlichen äusseren Faktor in Form einer unkoordinierten Bewegung verneint. Daraus folgt, dass das Ereignis vom 5. Oktober 2009 nicht als Unfall im Rechtssinne zu qualifizieren ist.