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Unfallbegriff > Turnen, Fitness, Gymnastik und Kampfsport

Hampelmann

Urteil 8C_693/2010 vom 25.03.2011 E. 5.2 (Volltext): Unfallbegriff ohne äusseren Faktor nicht erfüllt

 

Die Versicherte hat an einer Tae Bo-Gymnastikkurs teilgenommen habe, welchen sie schon seit einem Jahr besucht. Am darauffolgenden Tag habe sie über immer stärker werdende Nacken- und Kopfschmerzen geklagt, welche sie auf eine Verletzung bei einer Hampelmann-Übung im Training zurückgeführt habe. Später seien plötzlich Lähmungserscheinungen aufgetreten und etwa um 17 Uhr sei sie am Arbeitsplatz zusammengebrochen. 

 

Bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken, unterliegt der Nachweis eines Unfalls indessen insofern strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht. Der äussere Faktor ist zentrales Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereignisses; er ist Gegenstück zur - den Krankheitsbegriff konstituierenden - inneren Ursache.

Salto rückwärts vom Schwedenkasten

Urteil 8C_189/2010 vom 09.10.2010 E. 5.2 (Volltext)

 

Sachverhalt: Salto rückwärts  vom circa 1,60 Meter hohen "Schwedenkasten" auf eine weiche, etwa 40 Zentimeter dicke Matte. Versicherte verspürte bei der Landung einen stechenden Schmerz im linken Knie.

 

Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. An besonders sinnfälligen Umständen fehlte es insoweit, als der Versicherte beim Sprung samt Landung weder stolperte, ausglitt noch stürzte.

 

5.2 ... Nicht jede noch so geringfügige Abweichung vom optimalen Verlauf einer turnerischen Darbietung - allenfalls verbunden mit der unbestimmten Qualifikation "misslungen" - begründet einen Unfall im Rechtssinne (Urteil U 134/00 vom 21. September 2001 E. 2b).

Rolle rückwärts

Urteil 8C_189/2010 vom 09.07.2010 (Volltext)

 

Sachverhalt: Jiu-Jitsu-Training: Bei einer Rückwärtsrolle nicht über die Schulter, sondern über das Genick gerollt, worauf es geknackt und ein ziehender und stechender Schmerz sie durchfahren habe.

 

Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.

Kampfsport: Kopf eingeknickt

Urteil U 385/01 vom 10.01.2003 (Volltext)

 

Sachverhalt: Der Versicherte gab an, er sei beim Bodenkampf unter seinen Trainingspartner geraten und habe versucht, diesen nach oben zu drücken, um sich von ihm zu lösen. Durch diese Bewegung sei grosser Druck auf sein Genick entstanden, sodass der Kopf nach vorne eingeknickt sei, was zur Stauchung und Quetschung der Halswirbelsäule geführt habe.

 

Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.

 

Die Vorinstanz und das Eidgenössische Versicherungsgericht kamen zum Schluss, das vom Versicherten ausgeübte Drücken nach oben stelle keine unkoordinierte Bewegung dar, weil der äussere Bewegungsablauf nicht durch etwas Programmwidriges gestört worden sei, woraus eine unphysiologische Beanspruchung einzelner Körperteile hätte resultieren können.

Pilates

Urteil 8C_546/2010 vom 22.02.2011 E. 3.3 (Volltext)

 

Sachverhalt: Am 29. April 2009 hätten sie im Pilates-Kurs Übungen im Schulterbereich gemacht, u.a. eine Übung, bei welcher sie ihr Gewicht auf der rechten Hand und dem rechten Fuss (seitlich) habe stabilisieren müssen. Verletzung: Sehnenriss an der rechten Schulter.

 

Resultat:

Bei der Übung selber handelt es sich um eine Verrichtung, die üblicherweise im Rahmen einer physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers erfolgt und bei welcher grundsätzlich kein besonderes Schädigungspotenzial vorhanden ist. Es fehlt im konkreten Fall sowohl an einer gesteigerten Gefahrenlage wie auch am Hinzutreten eines zur Unkontrolliertheit der Übung führenden Moments.

 

Bodenübungen

Urteil 8C_74/2007 vom 07.11.2007 E. 4 (Volltext)

 

Sachverhalt: Beim Sitzen am Boden mit dem Band Übungen für den Oberschenkel gemacht und plötzlich Schmerzen im Knie verspürt; Diagnose: Innenbandzerrzung.

 

Resultat:

Da die Versicherte explizit vereint, dass sich etwas Ungewöhnliches zugetragen hatte, ist ein in den Bewegungsablauf hineinspielendes äusseres Moment und damit ein ausserhalb des Körpers liegendes objektiv feststellbares, sinnfälliges, unfallähnliches Ereignis nicht nachgewiesen.

Hechtsprung

BGE 130 V 117 E. 2.2.1 vom 30.12.2003 (Volltext)

 

2.2.1 Im Urteil M. vom 14. September 1992, U 43/92, (teilweise publiziert in RKUV 1992 Nr. U 156 S. 258 ff.) ging es um eine Versicherte, die unmittelbar nach einem Hechtsprung im Bereich des Knöchels Schmerzen verspürte.

 

Das Eidgenössische Versicherungsgericht führte dabei aus, die erlittene Verletzung deute darauf hin, dass die betreffende Übung nicht in korrekter Weise abgeschlossen worden sei; auch habe die Versicherte plausibel dargelegt, dass sie tatsächlich schlecht gelandet sei. Wesentlich für die Annahme einer Programmwidrigkeit war für das Gericht in jenem Urteil, dass die Versicherte eine geübte Turnerin war, sodass eine derart schlechte Landung als ungewöhnlich erschien.

Rückwärtspurzelbaum

BGE 130 V 117 vom 30.12.2003 E. 2.2.7 (Volltext)

 

Sachverhalt: Rückwärtspurzelbaum; Verletzung im Nacken-/Schulterbereich.

 

Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. Normaler, üblicher Bewegungsablauf.

Rolle vorwärts

Urteil U 98/01 vom 28.06.2002 (Volltext)

 

Sachverhalt: Lehrerin, führt in einer Turnstunde eine Rolle vorwärts aus und verletzt sich am Nacken.

 

Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.