Hauptinhalt

Erwerbsunfähigkeit > Strukturiertes Beweisverfahren

In Kürze

 Ziel: Feststellung einer invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigung 

 

Das Wesen des strukturierten Beweisverfahrens darin besteht, anhand eines Kataloges von (Standard-) Indikatoren, unterteilt in die Kategorien "funktioneller Schweregrad" und "Konsistenz", das unter Berücksichtigung sowohl leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren als auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen) tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen.

 

(Urteil 8C_423/2019 vom 07.02.2020 E. 3.2.1)

Konzept des strukturierten Beweisverfahrens

Strukturiertes Beweisverfahren

Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH)

 

1005 (3/16): Die Feststellung einer invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigung erfolgt nach Vorliegen einer ärztlichen Diagnosestellung anhand eines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 141 V 281). Dieses ist auf alle Arten von Gesundheitsschädigungen anwendbar. Weil die Diagnosestellung, die Erhebung der funktionellen Einschränkungen im Leistungsvermögen sowie die Berücksichtigung von persönlichen und sozialen Faktoren bei körperlichen, geistigen und psychischen (objektivierbare und nicht objektivierbare) Krankheitsbildern unterschiedlich komplex ist, kann hinsichtlich der qualitativen Anforderungen an ein strukturiertes Beweisverfahren je nach Beschwerdebild differenziert werden.

 

1006 (3/16): Im strukturierten Beweisverfahren ist der Nachweis des funktionellen Schweregrades und der Konsistenz der Gesundheitsschädigung unter Verwendung sogenannter Indikatoren zu erbringen. In Anhang VI sind die Standardindikatoren im Detail aufgeführt.

 

Systematischer Überblick über die Indikatoren (Pdf-Datei):

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 (Volltext)

 

3.6. Anhand eines Kataloges von Indikatoren erfolgt eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens.  

 

3.7.1. Zu betonen ist, dass die Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung an den Regeln betreffend die Zumutbarkeit nichts ändert, namentlich nicht am Erfordernis einer objektivierten Beurteilungsgrundlage. Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Damit ist eine langjährige Rechtsprechung Gesetz geworden. Demgemäss ist für die Frage, ob es der versicherten Person zuzumuten ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen, insofern eine objektivierte Betrachtungsweise massgeblich, als es nicht auf ihr subjektives Empfinden ankommen kann. Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und -limitierungen, wie sie, gerichtsnotorisch, ärztlicherseits sehr oft unterstützt werden - wobei erst noch häufig gar keine konsequente Behandlung stattfindet -, sind auch künftig nicht als invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigung anzuerkennen.

  

4.1.2. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sachverhalt ermittelt wird.

   

4.1.3. Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren können nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden:  

 

Kategorie "funktioneller Schweregrad"

Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)

Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Einzelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken.  

Sämtliche psychische Leiden dem strukturierten Beweisverfahren unterziehen

BGE 143 V 418 vom 30.11.2017 (Volltext): Grundsatz

 

Grundsätzlich sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Änderung der Rechtsprechung (E. 6 und 7).

 

Ein Leiden als leicht einzustufen, weil diagnostisch kein Bezug zum Schweregrad desselben gefordert ist und ihm bereits deshalb eine versicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abzusprechen, geht fehl. Klarstellung der Rechtsprechung (E. 5.2).

 

Fortan ist E. 4.3.1.3 von BGE 141 V 281 so zu verstehen, dass Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (E. 8.1).

 

ATSG > Erwerbsunfähigkeit > Abhängigkeitssyndrome

BGE 143 V 409 vom 30.11.2017 (Volltext): Ausnahmen

 

Depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur und rentenbegründende Invalidität. Es ist sach- und systemgerecht, solche Leiden ebenfalls einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Dieses bleibt entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann. Änderung der Rechtsprechung (E. 4.5).

Sinngemässe Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens im UVG

Urteil 8C_10/2015 (BGE 141 V 574) vom 05.09.2015  (Volltex): Kausalität als Voraussetzung

 

5.2. Da es geboten erscheint, sämtliche pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3 S. 13) den gleichen sozialversicherungsrechtlichen Anforderungen zu unterstellen (vgl. E. 5.1 hievor), soll die im Hinblick auf einen IV-Rentenanspruch erfolgte Rechtsprechungsänderung gemäss BGE 141 V 281 sinngemäss auch im Bereich des UVG Anwendung finden. Vorausgesetzt wird allerdings, dass zwischen dem Unfall und den Beschwerden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht.

Beurteilung der Kausalität (UVG) ohne Bedeutung auf invalidisierendes Leiden

Urteil 9C_294/2020 vom 13.08.2020 E. 4.2 (Volltext)

 

Denn im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren ist nicht von Belang, ob ein Leiden als natürlich und adäquat kausal im Sinne der Rechtsprechung zum UVG zu betrachten ist, und selbst wenn die Kausalität zu bejahen ist, bedeutet dies weder in der Invaliden- noch in der Unfallversicherung, dass das Leiden auch invalidisierend ist (vgl. auch BGE 133 V 549 E. 6 S. 553 ff.).  

Parallelüberprüfung (Arzt / Rechtsanwender) von medizinischen Elementen

Urteil 9C_808/2018 (BGE 145 V 361) vom 02.12.2019 (Volltext): Kompetenzen Arzt / Rechtsanwender

 

Zusammenfassung:

  • Wenn eine normorientiert erfolgte medizinische Schätzung vorliegt, ist von ihr nur aus triftigen Gründen abzuweichen!

4.3. Dieser Überblick über die Rechtsprechung zeigt, dass zwar jede gutachterliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit durch den medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen der (freien) Überprüfung durch die rechtsanwendende Verwaltung (im Beschwerdefall das Gericht) im Lichte von BGE 141 V 281 - und der seither ergangenen, das Konzept auf alle psychischen und psychosomatischen ausweitenden Urteile - unterliegt. Von einer lege artis, d.h. im dargelegten Sinne (vgl. E. 3 und 4.1) auch normorientiert erfolgten medizinischen Schätzung ist  aus triftigen Gründen abzuweichen. Solche liegen vor, wenn die medizinisch-psychiatrische Annahme einer Arbeitsunfähigkeit letztlich, im Ergebnis, unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsistenz und materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt (vgl. E. 3.2.2). Dabei ist in Erinnerung zu rufen und es gilt als Leitschnur, dass die ärztliche Beurteilung - von der Natur der Sache her unausweichlich - Ermessenszüge aufweist, die auch den Rechtsanwender begrenzen (E. 4.1.2).  

 

Demnach besteht

  • zum Einen das rechtsprechungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprüfung im Vergleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter.
  • Zum Anderen umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der (freien) Überprüfung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen Folgenabschätzung abzuweichen. 

Diese beiden Argumentationslinien sind wie folgt abzugrenzen:

  • In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befunden, Diagnosen usw.), d.h. sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration.
  • Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen,  aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V 418 E. 6 S. 427).

Am Beispiel rezidivierender depressiver Entwicklungen leichten bis mittleren Grades veranschaulicht, die in der IV-rechtlichen Invaliditätsprüfung sehr oft - und auch in concreto - im Vordergrund stehen, bedeutet dies:

 

Es genügt nicht,

  • dass der medizinisch-psychiatrische Sachverständige vom diagnostizierten depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit, welchen Grades auch immer, schliesst;

vielmehr hat er darzutun,

  • dass, inwiefern und inwieweit  wegen der von ihm erhobenen Befunde (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebsschwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, verminderte Anpassungsfähigkeit usw.) die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person.

Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungsstelle oder Gericht - Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (so [implizit] bereits Urteil 9C_611/2018 vom 28. März 2019 E. 4.3.3).  

Standardindikatoren der Kategorie des funktionellen Schweregrades

Funktioneller Schweregrad

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.3 (Volltext): Grundsatz

 

Auf den funktionellen Schweregrad bezogene Indikatoren bilden das Grundgerüst der Folgenabschätzung. Die daraus gezogenen Folgerungen müssen einer Konsistenzprüfung standhalten (dazu E. 4.4).

Komplex Gesundheitsschädigung

Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome (KSIH, Anhang Vl) 

 

Feststellungen über die konkreten Erscheinungsformen der diagnostizierten Gesundheitsschädgung helfen dabei, Funktionseinschränkungen, welche auf diese Gesundheitsschädigung zurückzuführen sind, von den (direkten) Folgen nicht versicherter Faktoren zu unterscheiden.

 

Ausgangspunkt ist der diagnose‐inhärente Mindestschweregrad.

 

Die Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 sind zu beachten. So liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht.

 

Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn:

  • eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht;
  • intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt;
  • keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird;
  • demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken;
  • schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. 

Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträgigung verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente, selbst wenn die klassifikatorischen Merkmale einer somatoformen Schmerzstörung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG erster Satz). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen zu bewerten und derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen. Die Schwere des Krankheitsgeschehens ist auch anhand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese zu plausibilisieren. Insbesondere die Beschreibung der somatoformen Schmerzstörung in ICD‐10 Ziff. F45.4 hebt ätiologische Faktoren hervor: Merkmal der Störung ist, dass sie "in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen" auftritt, denen die Hauptrolle für Beginn, Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen zukommt.

 

Rückschlüsse auf den Schweregrad sollen nicht mehr über den Begriff des primären Krankheitsgewinns erfolgen.

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.3.1.1 (Volltext)

Behandlungserfolg oder -resistenz (KSIH, Anhang VI) 

 

Das definitive Scheitern einer indizierten, lege artis und mit optimaler Kooperation des Versicherten durchgeführten Therapie weist auf eine negative Prognose hin. Wenn dagegen die erfolglos gebliebene Behandlung nicht (mehr) dem aktuellen Stand der Medizin entspricht oder im Einzelfall als ungeeignet erscheint, so ist daraus für den Schweregrad der Störung nichts abzuleiten.

 

Psychische Störungen der hier interessierenden Art gelten nur als invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind.

 

Bei einem erst relativ kurze Zeit andauernden somit noch kaum chronifizierten Krankheitsgeschehen dürften regelmässig noch therapeutische Optionen bestehen, eine Behandlungsresistenz also ausgeschlossen sein. Dies zeigt, dass die Frage nach der Chronifizierung einer ("anhaltenden") somatoformen Schmerzstörung bei der Beurteilung des Schweregrades meist nicht wesentlich weiter führt: Ohne langjährige, verfestigte Schmerzentwicklung ist eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit kaum vorstellbar; Entsprechendes gilt schon für die Diagnose.

 

Soweit im Übrigen aus der Inanspruchnahme von Therapien und der Kooperation auf Vorhandensein oder Ausmass des Leidensdrucks zu schliessen ist, geht es um die Konsistenz der Auswirkungen einer Gesundheitsschädigung.

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.3.1.2 (Volltext)

Eingliederungserfolg oder -resistenz (KSIH, Anhang Vl)

 

Rückschlüsse auf den Schweregrad einer Gesundheitsschädigung ergeben sich nicht nur aus der medizinischen Behandlung, sondern auch aus der Eingliederung im Rechtssinne. Denn so wie die zumutbare ärztliche Behandlung (welche, unter Vorbehalt von Art. 12 IVG, nicht zulasten der Invalidenversicherung geht) die versicherte Person als eine Form von Selbsteingliederung in die Pflicht nimmt, hat sich jene in beruflicher Hinsicht primär selbst einzugliedern und, soweit angezeigt, an entsprechenden beruflichen Eingliederungs- und Integrationsmassnahmen (Art. 8 f., Art. 14 ff. IVG) teilzunehmen. Fallen solche Massnahmen nach ärztlicher Einschätzung in Betracht, bietet die Durchführungsstelle dazu Hand und nimmt die rentenansprechende Person dennoch nicht daran teil, gilt dies als starkes Indiz für eine nicht invalidisierende Beeinträchtigung. Umgekehrt kann eine trotz optimaler Kooperation misslungene Eingliederung im Rahmen einer gesamthaften, die jeweiligen Umstände des Einzelfalles berücksichtigenden Prüfung bedeutsam sein. 

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.3.1.2 (Volltext)

Komorbidität (KSIH, Anhang Vl)

 

Die psychische Komorbidität ist nicht mehr generell vorrangig, sondern lediglich gemäss ihrer konkreten Bedeutung im Einzelfall beachtlich, so namentlich als Gradmesser dafür, ob sie der versicherten Person Ressourcen raubt.

 

Die bisherigen Kriterien "psychiatrische Komorbidität" und "körperliche Begleiterkrankungen" sind zu einem einheitlichen Indikator zusammenzufassen. Erforderlich ist eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen. Eine Störung, welche nach der Rechtsprechung als solche nicht invalidisierend sein kann, ist nicht Komorbidität, sondern allenfalls im Rahmen der Persönlichkeitsdiagnostik zu berücksichtigen.

 

Das Erfordernis einer Gesamtbetrachtung gilt grundsätzlich unabhängig davon, wie es um den Zusammenhang zwischen dem Schmerzsyndrom und der Komorbidität bestellt ist. Daher verliert beispielsweise eine Depression nicht mehr allein wegen ihrer (allfälligen) medizinischen Konnexität zum Schmerzleiden jegliche Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Faktor. Beschwerdebilder jedoch, die bloss als diagnostisch unterschiedlich erfasste Varianten derselben Entität mit identischen Symptomen erscheinen, sind von vornherein keine Komorbidität. Andernfalls würde die auf mehrere Arten erfass- und beschreibbare Gesundheitsbeeinträchtigung doppelt veranschlagt.

 

Es besteht grundsätzlich kein linearer Zusammenhang zwischen der Anzahl der nicht ausreichend organisch erklärten Körperbeschwerden (bzw. der Anzahl von somatoformen Syndromen in verschiedenen Erscheinungsformen) und dem Schweregrad der funktionellen Beeinträchtigung. Es gibt somit keine schematische Regel im Sinne "je grösser die Anzahl der Einzelbeschwerden, desto höher die funktionelle Einschränkung", da ansonsten bloss einzelne Symptome und Befunde aneinandergereiht und rein quantitativ-mechanisch bewertet würden, was den Blick auf die Gesamtwirkung des Beschwerdebildes für den Funktionsstatus verstellte.

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.3.1.3 (Volltext) 

BGE 143 V 418 vom 30.11.2017 (Volltext): Kormorbiditäten

 

Fortan ist E. 4.3.1.3 von BGE 141 V 281 so zu verstehen, dass Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (E. 8.1).

Komplex Persönlichkeit

KSIH, Anhang Vl (Volltext)

 

Neben den herkömmlichen Formen der Persönlichkeitsdiagnostik, die auf die Erfassung von Persön- lichkeitsstruktur und -störungen abzielt, fällt auch das Konzept der sogenannten "komplexen Ich- Funktionen" in Betracht. Diese bezeichnen in der Persönlichkeit angelegte Fähigkeiten, welche Rückschlüsse auf das Leistungsvermögen zulassen (u.a. Selbst- und Fremdwahrnehmung, Realitätsprüfung und Urteilsbildung, Affektsteuerung und Impulskontrolle sowie Intentionalität und Antrieb).

 

Da die Persönlichkeitsdiagnostik mehr als andere (z.B. symptom- und verhaltensbezogene) Indikatoren untersucherabhängig ist, bestehen hier besonders hohe Begründungsanforderungen. Diesen Konturen zu verleihen, wird Aufgabe noch zu schaffender medizinischer Leitlinien sein.

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E.4.3.2 (Volltext)

Komplex Sozialer Kontext

KSIH, Anhang Vl (Volltext)

 

Der soziale Kontext bestimmt auch mit darüber, wie sich die (kausal allein massgeblichen) Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung konkret manifestieren: Soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie nach wie vor ausgeklammert. Anderseits hält der Lebenskontext der versicherten Person auch (mobilisierbare) Ressourcen bereit, so die Unterstützung, die ihr im sozialen Netzwerk zuteil wird.

 

Immer ist sicherzustellen, dass gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit zum einen (Art. 4 Abs. 1 IVG) und nicht versicherte Erwerbslosigkeit oder andere belastende Lebenslagen zum andern nicht ineinander aufgehen.

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.3.3 (Volltext)

Standardindikatoren der Kategorie der Konsistenz

Konistenz

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.4 (Volltext): Grundsatz

 

Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz. Darunter fallen verhaltensbezogene Kategorien:

  • Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen 
  • Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck 

Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen

KSIH, Anhang Vl (Volltext)

 

Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist.

 

Das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs ist wiederum so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern.

 

Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen.

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E.  4.4.1 (Volltext)

Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck

KSIH, Anhang Vl (Volltext)

 

Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisstdas Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder ebenvernachlässigt werden, weist auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. 

 

Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen ist.

 

In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung.

 

Urteil 9C_492/2014 (BGE 141 V 281) vom 03.06.2015 E. 4.4.2 (Volltext)

Medizinisches Gutachten im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens

Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI)Anhang VI 

 

ATSG > Gutachten (inkl. SwissMED@P)

Auftrag für ein medizinisches Gutachten

Sehr geehrte Gutachterin, sehr geehrter Gutachter

 

Hiermit werden Sie beauftragt, für die Invalidenversicherung (IV) ein medizinisches Gutachten über Frau Muster zu erstellen. Im Rahmen dieses Auftrages ist der Gutachtenaufbau gemäss der nachfolgenden Gliederung genau in dieser Form einzuhalten. Insbesondere bei psychiatrischen und psychosomatischen Fragestellungen sind eingehende Ausführungen zu den einzelnen Gliederungspunkten und den Themenkatalogen zu machen. Bitte achten Sie darauf, dass Sie alle in diesem Auftrag formulierten Fragen sowie die Fragen auf der Gliederung explizit beantworten. Verweise auf Textstellen im Fliesstext sind nicht zulässig. Bei der Erstellung des Gutachtens orientieren Sie sich bitte an den Qualitätsleitlinien der medizinischen Fachgesellschaften.

 

Im Auftrag für bi- und polydisziplinäre Gutachten: Die Konsensbeurteilung erstellen Sie bitte gemeinsam mit den beteiligten Gutachtern gemäss beiliegender Vorgabe.

 

Im Auftrag für mono- und bidisziplinäre Gutachten: Die Vergütung des Gutachtens erfolgt nach Tarmed. Für Abrechnung nach Kategorie E (in besonders komplexen Fällen) ist eine vorherige Kostengutsprache der Auftrag gebenden IV-Stelle einzuholen. Bitte erstellen Sie das Gutachten innerhalb von ……. nach Auftragserteilung.

 

 

Anlass und Umstände der Begutachtung (von der IV-Stelle im Einzelfall zu formulieren)

 

Kontext des Auftrages: Wo im Verfahren steht der Fall: Erstbeurteilung/ Revision/Wiederanmeldung? In letzteren Fällen genaue Benennung des massgeblichen Entscheids und der zugrundeliegenden medizinischen Dokumentation. Auflistung der dokumentierten AUF-Zeiten (mit ProzentAngabe). EDI Informationen bzgl. erfolgter Observationen bzw. Observationsmaterial werden hier erwähnt.

 

Medizinischer Sachverhalt: Kurze, individuelle Zusammenfassung des medizinischen Sachverhalts mit Darlegung, welche Themen warum durch das Gutachten geklärt werden sollen (bzw. was vielleicht schon klar ist).

 

Fragestellung: Was konkret will die IV-Stelle (der RAD) vom Gutachter wissen (z.B. Verlauf der Arbeitsunfähigkeit ab einem bestimmten Zeitpunkt)

 

Anforderungsprofil bisherige Tätigkeit bzw. Aufgabenbereich: Die IV-Stellen beschreiben den Status der versicherten Person (erwerbstätig, teilerwerbstätig, Haushalt/Aufgabenbereich) sowie die angestammte Tätigkeit/ Aufgabenbereich (z.B. mittels Arbeitsplatzbeschrieb, Belastungsprofil, Haushaltsabklärung, soweit vorhanden).

 

 

Fallspezifische Fragen der IV-Stelle (Zutreffendes durch IV-Stelle auszuwählen)

 

Revision (Fragen werden nur bei Revisionsfällen gestellt)

  • Hat sich im Vergleich zur medizinischen Aktenlage, die der oben genannten massgeblichen Verfügung zugrunde lag, eine Veränderung des Gesundheitszustandes ergeben? Welche Veränderungen bei Befunden und Diagnosen stellen Sie fest?
  • Seit wann ist die Veränderung des Gesundheitszustandes anzunehmen?
  • Haben sich durch die genannten Veränderungen die Arbeitsunfähigkeit in angestammter und die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit verändert? Wenn ja, ab wann und in welchem Ausmass?

Haushalt / Teilerwerbstätigkeit: Fälle ohne vorliegende Haushaltsabklärung:

  • Wie wirken sich die gesundheitlichen Einschränkungen aus medizinischer Sicht auf folgende Tätigkeiten aus:
    • Ernährung (Rüsten, Kochen, Anrichten, alltägliche Reinigungsarbeiten in der Küche, Vorrat)
    • Wohnungs- und Hauspflege (Aufräumen, Abstauben, Staubsaugen, Bodenpflege, Reinigung sanitäre Anlagen, Bettwäsche wechseln, gründliche Reinigung, Pflanzen-, Garten- und Umgebungspflege, Abfallentsorgung) sowie Haustierhaltung (Spazieren, Tier- und Stallreinigung)
    • Einkauf (alltäglicher Einkauf und Grosseinkauf) sowie weitere Besorgungen (Post, Versicherungen, Amtsstellen)
    • Wäsche- und Kleiderpflege (Waschen, Wäsche aufhängen und abnehmen, Bügeln, Flicken, Schuhe putzen)
    • Pflege und Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen

  • Wie viele Stunden pro Woche ist eine (oben beschriebene) angepasste Tätigkeit zumutbar, wenn die versicherte Person gleichzeitig gemäss Vorabklärung im Aufgabenbereich (Haushalt) beansprucht ist?

Fälle, wo der Bericht der Haushaltsabklärung bereits vorliegt:

  • Sind die im Abklärungsbericht geltend gemachten Funktionsstörungen aus medizinischer Sicht plausibel?
  • Wie viele Stunden pro Woche ist eine (oben beschriebene) angepasste Tätigkeit zumutbar, wenn die versicherte Person gleichzeitig gemäss Abklärungsbericht im Aufgabenbereich (Haushalt) beansprucht ist?

Gliederung des Gutachtens 

1. Ausgangslage und Formelles

 

1.1 Abwicklung des Gutachtensauftrages / Formelles

  • Angaben zum Auftraggeber
  • Angaben zur versicherten Person (Name, Vorname, Geburtsdatum, Adresse, Versicherungsnummer, Angaben zur Überprüfung der Identität)
  • Angaben zum Gutachter (Name, Adresse, Facharzttitel)
  • Auftragsdatum, Eingangsdatum, Explorationsdaten (mit Uhrzeit von-bis) und Datum der Gutachtenfertigstellung
  • Angaben bzgl. Beteiligung eines Dolmetschers, ggf. in welche Sprache

1.2 Anlass und Umstände der Begutachtung (zu übernehmen aus Auftrag)

  • Kontext des Auftrages
  • Medizinischer Sachverhalt
  • Fragestellung
  • Anforderungsprofil bisherige Tätigkeit

1.3 Übersicht der verwendeten Quellen

  • Vom Auftraggeber zur Verfügung gestellte Akten (IV-Dossier, ggf. Observationsmaterial, evtl. UV-Akten, ggf. Akten von Strafverfolgungsbehörden etc.)
  • Summarische Auflistung der vom Gutachter zusätzlich beigebrachten (oder bei ihm eingegangenen) Aktenstücke (auch telefonische Nachfragen)
  • Eigene Untersuchungen und Befunde
  • Zusätzlich durchgeführte Untersuchungen, Zusatzgutachten, Berichterstattung
  • Angaben von Drittpersonen

 

2. Aktenauszug (Beinhaltet auch Feststellungen aus Observationsmaterial)

 

 

3. Befragung

 

3.1 Spontane Angaben der versicherten Person im Rahmen eines offenen Interviews

 

3.2 Vertiefende Befragung zu folgenden Themen - je nach Fragestellung schwerpunktmässig zu bearbeiten

  • Jetziges Leiden (freier Vortrag und strukturierte Nachfrage)
  • Aktuelle Beschwerden; Entstehung, Verlauf der Beeinträchtigung, Reaktionen des Umfeldes, Behandlungsmassnahmen, eigene Krankheitskonzepte, Umgang mit den Beschwerden im Alltag, Bewältigungsstrategien, Zukunftsvorstellungen bzgl. Krankheitsverlauf.
  • Systematische, psychiatrische und/oder somatische Anamnese, Konsum psychotroper Substanzen
  • Familienanamnese / Heredität
  • Besonderheiten bei der Geburt, frühkindliche Entwicklung, Beziehungen innerhalb der Primärfamilie, Verhaltensauffälligkeiten in Vorschulzeit und Schulzeit
  • Schulischer und beruflicher Werdegang, Ehrenämter, Militär
  • Berufliche Tätigkeiten und Stellungen im Beruf, Datum und Umstände der Arbeitsaufgabe, Erfahrungen mit Eingliederungsmassnahmen oder Arbeitsversuchen
  • Arbeitsbezogenes Beschwerdebild (subjektive Wertung und Begründung des Versicherten, was bei der Arbeit noch geht, bzw. nicht mehr möglich ist)
  • Soziale Anamnese (z.B. Wohnung, finanzielle Verhältnisse /Schulden, Partnerschaft, Kinder, Sorgerecht, Massnahmen nach Kinder- und Erwachsenenschutzrecht, Unterhaltspflichten evtl. auch im Heimatland, Beziehungsnetz und Beziehungsgestaltung, Umgang des Umfelds mit der Behinderung)
  • Einschneidende Erlebnisse inkl. frühere Konflikte mit dem Gesetz (auch im Strassenverkehr)
  • Tagesablauf (detailliert, repräsentativ), Freizeitgestaltung, Hobbies, benötigte Hilfen in Haushalt und Alltag, Benutzung von Verkehrsmitteln, Art der Anreise, Ferienreisen etc.
  • Bisherige Behandlung(en) inklusive Medikamente (auch Angaben zu Methoden ausserhalb der Schulmedizin, auch Angaben, wenn keine Therapie erfolgt.
  • Zukunftsvorstellungen allgemein und in Bezug auf berufliche Tätigkeiten bzw. Eingliederung.
  • Besprechung von sich evtl. ergebenden Inkonsistenzen
  • Besprechung von allfälligem Observationsmaterial

 

4. Befund

 

4.1 Verhaltensbeobachtungen und äussere Erscheinung (Interaktionen, Kooperation und Motivation, Stressniveau bei Anreise bzw. Gesprächsbeginn etc.)

 

4.2 Sprachliche Verständigung (Beizug von Dolmetscher, Niveau der Verständigungsmöglichkeiten)

 

4.3 Untersuchungsbefunde

  • Somatischer Befund
  • Psychiatrischer Befund
  • Zusatzbefunde
  • Apparative und Labor-Untersuchungen
  • Testpsychologische Zusatzuntersuchungen

 

5. Allfällige Angaben von Dritten (auch behandelnde Ärzte)

 

 

6. Diagnosen

 

Auflistung und Herleitung der Diagnosen. Beurteilung und Einordnung der Beschwerden und Befunde in Bezug auf aktuelle Diagnosesysteme und in Bezug auf frühere, auch anderslautende Beurteilungen, differenzialdiagnostische Überlegungen; Transparenz, welche Kriterien des jeweiligen Diagnosesystems im konkreten Fall erfüllt sind; fundierte Aussagen zum Schweregrad der Störung.

 

Bei Suchtleiden Darlegung, ob ein anderes relevantes Leiden Ursache der Suchtentwicklung war/ist und oder ob irreversible Sucht-Folgeschäden vorliegen.

 

 

7. Medizinische und versicherungsmedizinische Beurteilung

 

7.1 Zusammenfassung der bisherigen persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Entwicklung der versicherten Person einschliesslich der aktuellen psychischen, sozialen und gesundheitlichen Situation

  • Stellungnahme zur Persönlichkeit, besonders in Hinblick auf die Ressourcenlage der versicherten Person, Stellungnahme zu Unterstützung oder Schwierigkeiten im sozialen Umfeld.

7.2 Beurteilung des bisherigen Verlaufs von Behandlungen, Rehabilitationen, Eingliederungsmassnahmen etc., Diskussion von Heilungschancen

  • Stellungnahme zum Therapieverlauf, Darlegung der Gründe für Abbrüche von Interventionen. Ggf. Stellungnahme, ob Kooperationsprobleme krankheits- oder ressourcenbedingt sind. Für die Bewertung des Eingliederungspotenzials ist eine Aussage erforderlich, ob bisherige Behandlungen angemessen waren und ausgeschöpft sind und wie man die Prognose des Krankheitsgeschehens einschätzt. Allenfalls sind weitere Behandlungsoptionen anzugeben.

7.3 Beurteilung von Konsistenz und Plausibilität

  • Stellungnahme, ob gleichmässige Einschränkungen des Aktivitätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen bestehen, ob entsprechend der geschilderten Symptome auch Therapien durchgeführt wurden (Leidensdruck).
  • Stellungnahme, ob geklagte Symptome und oder Funktionseinbussen konsistent und plausibel und Untersuchungsergebnisse valide und nachvollziehbar sind.
  • Diskussion und Bewertung evtl. divergenter Akteninformationen sowie vorhandener früherer fachlicher Einschätzungen (z.B. auch Berichte von Eingliederungsmassnahmen).

7.4 Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen

  • Herleitung und Darstellung der Funktions- und Fähigkeitsstörungen sowie der vorhandenen Ressourcen und Belastungen mit kritischer Würdigung des Längsschnittverlaufes, der Selbsteinschätzung, der Persönlichkeit, der Kooperationsbereitschaft des Exploranden. Ggf. Stellungnahme, ob und wie sich mehrere leichte Behinderungen in Kombination ungünstig auf die Belastbarkeit auswirken. Ggf. Abgrenzung von medizinisch begründeten und nicht medizinisch begründeten Funktionsstörungen.

 

8. Aufführung und Beantwortung der Fragen

 

Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit

  • Wie viele Stunden kann die versicherte Person in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit anwesend sein?
  • Besteht während dieser Anwesenheitszeit auch eine Einschränkung der Leistung? Wenn ja, in welchem Umfang und warum?
  • Wie gross schätzen Sie insgesamt die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, bezogen auf ein 100%-Pensum?
  • Wie ist der zeitliche Verlauf der Entwicklung dieser Arbeitsfähigkeit?

Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit

  • Welche Merkmale müsste eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit aufweisen?
  • Welche maximale Präsenz wäre in einer solchen Tätigkeit möglich (in Stunden pro Tag)?
  • Besteht während dieser Anwesenheitszeit auch eine Einschränkung der Leistung in einer solchen Tätigkeit? Wenn ja, in welchem Umfang und warum?
  • Wie gross schätzen Sie insgesamt die Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt, bezogen auf ein 100%-Pensum?
  • Wie ist der zeitliche Verlauf der Entwicklung dieser Arbeitsfähigkeit?

Medizinische Massnahmen und Therapien mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit

  • Kann die Arbeitsfähigkeit nach Einschätzung der Gutachter noch durch medizinische Massnahmen relevant verbessert werden?
  • Wenn ja, bitte genauere Angaben der individuellen Therapieoptionen, der vermutlichen Behandlungsdauer bis zum Eintritt des Erfolges und der Evidenz der vorgeschlagenen Therapie, einschliesslich des Umfangs des zu erwartenden Erfolges. Gibt es medizinische Gründe (Risiken), die gegen die vorgeschlagene Therapie sprechen?

Fallspezifische Fragen (Bitte aus dem Auftrag übernehmen)

 

 

9. Beilagen (z.B. zusätzlich besorgte Dokumente)

 

Erklärung zur Unabhängigkeit, Unbefangenheit und Objektivität

  • Die Unterzeichnende / der Unterzeichnende bestätigt hiermit, den Auftrag der IV frei von Interessenbindungen, unparteiisch und in voller Unabhängigkeit ausgeführt und in der Argumentation und bei der Beantwortung der Fragen die allgemein anerkannten medizinischen Erkenntnisse und die versicherungsmedizinischen Rahmenbedingungen berücksichtig zu haben.

Gliederung Konsensbeurteilung für bi- und polydisziplinäre Gutachten

Interdisziplinäre Gesamtbeurteilung

 

1. Abwicklung des Gutachtensauftrages / Formelles

  • Angaben zum Auftraggeber
  • Angaben zur versicherten Person (Name, Vorname, Geburtsdatum, Adresse, Versicherungsnummer)
  • Auftragsdatum, Eingangsdatum, Explorationsdaten (mit Uhrzeit von - bis) und Datum der Gutachtenfertigstellung

2. Angaben zu den Gutachtern bzw. Untersuchungen

 

Untersuchung durch Fallführer (Fachrichtung) vom (Name, Titel)

  • z.B. Psychiatrische Untersuchung vom (siehe Beilage Name, Titel)
  • z.B. Rheumatologische Untersuchung vom (siehe Beilage Name, Titel)
  • z.B. Neurologische Untersuchung vom (siehe Beilage Name, Titel)

Durchgeführte Zusatzdiagnostik:

 

3. Anlass und Umstände der Begutachtung (zu übernehmen aus Auftrag)

  • Kontext des Auftrages
  • Medizinischer Sachverhalt
  • Fragestellung Anforderungsprofil bisherige Tätigkeit bzw. Aufgabenbereich

4. Interdisziplinäre Gesamtbeurteilung (Konsensbeurteilung)

 

4.1. Integrative medizinische Beurteilung mit

  • Kurze Zusammenfassung der Krankheitsentwicklung (keine Anamnese, keine Textkopien aus den Gutachten)
  • Herleitung / Begründung der aktuellen Diagnosen

4.2. Relevante Diagnosen mit und ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

 

4.3. Funktionelle Auswirkungen der Befunde / Diagnosen

 

4.4. Diskussion eventuell relevanter Persönlichkeitsaspekte

 

4.5. Diskussion von Belastungsfaktoren und Ressourcen

 

4.6. Konsistenzprüfung

 

4.7. Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit

 

4.8. Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit

 

4.9. Begründung der Gesamt-Arbeitsunfähigkeit und Gesamt-Arbeitsfähigkeit (addieren sich die Teil-Arbeitsunfähigkeiten ganz, teilweise oder gar nicht)

 

4.10. Medizinische Massnahmen und Therapien mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit

 

5. Angaben zur Entstehung des Konsens mit Unterschriften 

  • Wann ist Besprechung erfolgt, wer hat formuliert, wer war dabei, mündlich, fernmündlich, wurde ausnahmsweise aufgrund der Sachlage auf die Beteiligung am Konsens verzichtet und weshalb?

Anhang

  • Fächerübergreifende Aktenzusammenfassung
  • Gutachten aller untersuchten Fachdisziplinen