Hauptinhalt

Gutachten > Fachrichtungen

Wahl der Fachrichtungen

Urteil 8C_780/2014 vom 25.03.2015 E. 5.1 (Volltext)

 

Nach der Rechtsprechung kommt den Gutachtern - was die Wahl der Untersuchungsmethoden betrifft - ein weiter Ermessensspielraum zu. Das beinhaltet auch die Auswahl der vorzunehmenden fachärztlichen Abklärungen, wonach die Wahl der Fachrichtungen in erster Linie von den Gutachterfragen abhängt und je nach Gesundheitsschaden mehrere Fachrichtungen in Frage kommen. Es liegt demnach im Ermessen der Gutachter, ob der Beizug weiterer Experten notwendig ist.

Neurochirurgie

Urteil 8C_350/2018 vom 28.08.2018 E. 5.1 (Volltext): Wirbelsäulenbeschwerden

 

Gestützt auf das Weiterbildungsprogramm der FMH für Fachärztinnen und -ärzte der Neurochirurgie besteht kein Zweifel daran, dass ein neurochirurgischer Gutachter zur Beurteilung von Wirbelsäulenbeschwerden fachlich kompetent ist. 

Neurologie / Neuropsychologie

IV-Rundschreiben Nr. 367 vom 21.08.2017 (Volltext)

 

Fachliche Anforderungen für neuropsychologische Tätigkeiten

Urteil 8C_636/2018 vom 28.11.2018 E. 4.3 (Volltext): Neuropsychologie

 

Gemäss konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die neuropsychologische Testuntersuchung allein nicht ausreichend, um die Kausalitätsfrage eines Beschwerdebildes selbstständig und abschliessend zu beantworten (BGE 134 V 109 E. S. 280 ff.119 V 335 E. 2b/bb S. 341, Urteil 8C_137/2014 vom 5. Juni 2014 E. 5). 

Urteil 8C_277/2014 vom 30.01.2015 E. 5.2 (Volltext): Verzicht auf Neuropsychologie

 

Weiter rügt die Versicherte eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, da keine neuropsychologische Abklärung stattgefunden habe und das Gutachten des Zentrums D. somit unvollständig sei. Nach der Rechtsprechung kommt den Gutachtern - was die Wahl der Untersuchungsmethoden betrifft - ein weiter Ermessensspielraum zu. Das beinhaltet auch die Auswahl der vorzunehmenden fachärztlichen Abklärungen. Es liegt demnach im Ermessen der Gutachter, ob der Beizug weiterer Experten notwendig ist oder nicht.

Urteil 8C_358/2014 vom 14.08.2014 E. 2.3.2 (Volltext): Neuropsychologie

 

Mit den geltend gemachten neuropsychologischen Defiziten allein ist der natürliche Kausalzusammenhang nicht zu begründen.

Urteil U 339/06 vom 06.03.2007 E. 3.2 (Volltext)Neurologie

 

Keine Federführung der Neurologie, wenn keine neurologischen Ausfälle bestehen.

Urteil U 424/04 vom 05.10.2005 E. 5 (Volltext): Keine neurologischen Defizite

 

Keine Anhaltspunkte für neurologische Defizite: Es ist kein neurologisches Gutachten notwendig.

Orthopädie

Urteil 8C_419/2014 vom 23.09.2014 E. 7.2 (Volltext): Komplexe Kniebeschwerden

 

In der Regel sind daher Kniegelenksbeschwerden zumindest dann von einem orthopädischen Facharzt mitzubegutachten, wenn ein wesentlicher Teil der die Heilbehandlung betreffenden medizinischen Akten von orthopädischen Fachärzten stammt und auch bereits verschiedene operative Eingriffe zu Behandlungs- und/oder Diagnosezwecken erfolgt sind.

Psychiatrie

Urteil 8C_663/2021 vom 09.02.2022 E. 5.6.5 (Volltext) : Testpsychologische Untersuchungen

 

Es trifft nicht zu, dass die Ergebnisse eines psychiatrischen Gutachtens generell nicht aussagekräftig wären, wenn solche Tests nicht durchgeführt wurden. Testpsychologischen Untersuchungen kommt nach den aktuell geltenden Qualitätsstandards in der psychiatrischen Begutachtung bloss ergänzende Beweisfunktion zu.

Urteil 8C_202/2021 vom 17.12.2021 E. 4.2.3 (Volltext): Gewisser Spielraum


Die psychiatrische Exploration eröffnet dem begutachtenden Psychiater sodann praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und rechtlich zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (BGE 145 V 361 E. 4.1.2 mit Hinweisen). 

Urteil 9C_728/2018 vom 21.03.2019 E. 3.3 (Volltext): Entscheidend ist Untersuchung, nicht Tests

 

Nicht beigepflichtet werden kann der versicherten Person auch, soweit sie rügt, das MEDAS-Gutachten vom 28. März 2017 sei insofern unvollständig, als darin eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Problematik einer Depression fehle. Sie beanstandet, dass im Rahmen der Untersuchung weder ein Test zur Erfassung der depressiven Symptomatik (wie z.B. das Beck Depressionsinventar, die Hamilton Depressionsskala etc.) noch eine allgemeine Checkliste (wie die SCL-90) verwendet worden sei. Ihre Kritik am Vorgehen des Gutachters verfängt schon deshalb nicht, weil die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung entscheidend ist und den angesprochenen Testverfahren im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung höchstens eine ergänzende Funktion zukommt (Urteile 8C_772/2016 vom 23. Januar 2017 E. 6.1 und 8C_578/2014 vom 17. Oktober 2014 E. 4.2.7). ...

 

Weitere Rechtsprechung: Urteil 9C_391/2010 vom 19.07.2010 E. 3.2.1

Urteil 8C_778/2018 vom 20.03.2019 E. 8.1.2 (Volltext): Qualitätsleitlinien ergänzender Charakter

 

Wie das Bundesgericht bereits mehrfach zur Qualitätsleitlinie für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie festgestellt hat, kommt diesen lediglich ergänzender Charakter zu und ein Gutachten verliert nicht automatisch seine Beweiskraft bei Nichtbeachtung der Leitlinie (vgl. dazu die Urteile 8C_55/2018 vom 30. Mai 2018 E. 6.4.1 und 8C_820/2016 vom 27. September 2017 E. 5.2). Dasselbe gilt auch für die vom Versicherten angerufene Leitlinie. 

Urteil 8C_354/2018 vom 20.12.2018 E. 4.2 (Volltext)

 

Da das Bundesgericht teilweise zwanzigminütige Explorationsgespräche als ausreichend für die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens erachtet hat (vgl. etwa Urteil 8C_639/2011 vom 5. Januar 2012 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen), erscheint eine dreistündige Untersuchung nicht als unangemessen kurz.

Urteil 8C_945/2009 vom 23.09.2010 E. 5 (Volltext): Ermessensspielraum

 

Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen und eröffnet dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteile 8C_694/2008 E. 5.1 und I 51/06 vom 19. September 2006 E. 3.1.2).

Urteil 9C_482/2010 vom 21.09.2010 E. 4-1 (Volltext): Fremdanamnese

  

Bei psychischen Störungen ist eine Fremdanamnese ebenso wie (schriftliche oder mündliche) Auskünfte des behandelnden Arztes (Urteile 9C_744/2009 vom 15. Dezember 2009 E. 7.4 und 9C_24/2008 vom 27. Mai E. 2.3.2) häufig wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich (Urteil I 305/06 vom 22. Mai 2007 E. 3.2; Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts I 58/06 vom 13. Juni 2006 E. 2.3).

 

Die Notwendigkeit einer Fremdanamnese wird damit begründet, die Beschwerdeführerin habe über bestimmte Lebensabschnitte nicht offen Auskunft gegeben. Die früheren Lebensumstände dürften komplex oder schwierig gewesen sein, wie der Gerichtsgutachter selber festgehalten habe. Aufgrund der Akten habe der dringende Verdacht bestanden, dass es in ihrem Leben belastende Konfliktsituationen gegeben habe. Dem hätte im Rahmen der Begutachtung durch Einholung fremdanamnestischer Auskünfte, insbesondere bei der behandelnden Psychotherapeutin, nachgegangen werden müssen.

Rheumatologie

Urteil 9C_320/2015 vom 25.08.2015 E. 3.3.3 (Volltext): Chronische Schmerzen = Orthopädie verzichtbar

 

Insbesondere ist eine orthopädische Untersuchung verzichtbar, bilden doch (chronische) Schmerzen des Bewegungsapparates Gegenstand sowohl der Rheumatologie als auch der Orthopädie.

Urteil 8C_835/2014 vom 16.01.2015 (Volltext): Beschwerden am Fuss

 

Dabei hat die Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass Gegenstand der Rheumatologie - als Teilbereich der Inneren Medizin - (chronische) Schmerzen des Bewegungsapparates bilden und dies u.a. auch auf die Orthopädie zutrifft. Weshalb insbesondere die Rheumatologie nicht in der Lage gewesen sein soll, die Beschwerden am linken Fuss der Versicherten kompetent zu beurteilen, ist nicht ersichtlich, zumal die unterschiedliche Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Ärzte nicht auf fachspezifischen Differenzen beruht.

Urteil I 046/04 vom 2.2.2005 E. 2.1 (Volltext): Psychosomatisches Beschwerde

 

So gibt die Rheumatologin Dr. W. an, bei fortdauernder Therapieresistenz sei differentialdiagnostisch an ein psychosomatisch überlagertes Schmerzsyndrom bzw. an eine pathologische Schmerzverarbeitung zu denken (Berichte vom 12. Dezember 1997 und 15. Juni 1998); auch im rheumatologischen Konsilium zum Gutachten der Begutachtungsstelle X. ist die Rede von einer psychischen Problematik. Solche Feststellungen bedeuten nicht von vornherein, dass der jeweilige Mediziner somatischer Fachrichtung seine fachliche Kompetenz überschritten hätte und der Beweiswert des fraglichen Dokuments deswegen a priori vermindert wäre. Da rheumatologische Schmerzzustände oftmals kaum von symptomgleichenpsychosomatischen Beschwerdebildern abzugrenzen sind, kommt dem Rheumatologen auch in Bezug auf Letztere durchaus eine beschränkte Beurteilungskompetenz zu (Urteil G. vom 28. Dezember 2004, I 704/03, Erw. 4.1.1). Die zitierten Ärzte haben die Grenzen ihrer Beurteilungszuständigkeit mithin nicht überschritten.