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Unfallbegriff > Zahnschaden / Kauschaden / Zahnunfall

Kauschaden

Entscheidungsdiagramm inkl. Expertensystem

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Expertensystem Zahnschaden

  • Diese Applikation beurteilt, ob der Unfallbegriff im Rahmen des Zahnschadens (Kauschaden) vorliegt.

Rechtsprechung in chronologischer Reihenfolge

Übersicht

 

Wenn beim Kauen ein Zahn abbricht, ist die Voraussetzung des ungewöhnlichen Faktors nur dann gegeben, wenn der harte Gegenstand, auf welchen man beisst, den Rahmen des Alltäglichen überschreitet. Wurde der harte Gegenstand verschluckt, kann der Unfallhergang nicht nachgewiesen werden; d. h. es besteht keine Deckung.

 

Der ungewöhnliche äussere Faktor liegt vor: 

Der ungewöhnliche äussere Faktor liegt nicht vor: 

Steine im gekauften Salat mit Oliven ohne Beutelhinweis

Urteil 8C_191/2018 vom 21.12.2018 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Der Versicherte kaufte einen abgepacken, essfertigen Salat mit Oliven. Auf der Verpackung war kein Hinweis, dass die enthaltenen Oliven entsteint oder nicht entsteint sind. Der Versicherte biss auf einen Olivenstein und beschädigte einen Zahn. Das Gericht verneinte den Unfallbegriff infolge fehlender Ungwöhnlichkeit; der Versicherte musste infolge fehlendem Verpackungshinweis mit Steinen in den Oliven rechnen. 

 

Anders verhält es sich, wenn der Versicherte einen Beutel mit ausdrücklich entsteinten Oliven kauft: Urteil 8C_985/210 vom 20.04.2011

Morchelsauce

Urteil 8C_53/2016 vom 09.11.2016 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Versicherte kaufte einen Beutel getrocknete Morcheln. Zahnschaden beim Biss auf ein Kieselsteinchen in der Morchelsauce. Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. Obwohl die Morcheln in einer verschlossenen Verpackung gekauft wurden, ist der ungewöhnliche äusserer Faktor nicht erfüllt.  

Nüsse im Salat

Urteil 8C_750/2015 vom 18.01.2016 E. 5 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Ausschlaggebend ist dabei nach der Rechtsprechung zu den Zahnverletzungen beim Essen, ob der fragliche äussere Faktor, der zur Zahnverletzung geführt hat, üblicher Bestandteil des verarbeiteten Materials ist. Nüsse sind weder im Brot noch im Salat - als Dekoration beziehungsweise geschmackliche Anreicherung - grundsätzlich unüblich. Jedenfalls war die Nuss im Salat zum Essen bestimmt, und es geht entgegen der vorinstanzlichen Auffassung nicht über das Alltägliche und Übliche hinaus (BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76), wenn Nüsse in einem Salat verwendet werden. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass er im Restaurant offenbar als "Caesar-Salat" angeboten wurde und solche Salate nicht regelmässig mit Nüssen gereicht werden. Nicht massgebend ist, ob der Versicherte persönlich davon ausging, dass der Salat keine Nüsse enthalte. - Die Walnuss im Salat lässt sich daher nicht als ungewöhnlicher äusserer Faktor und damit der erlittene Zahnschaden nicht als Unfall qualifizieren.

Olive mit Stein im grünen Salat

Urteil 8C_893/2014 vom 27.01.2014 E. 3.5 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Zusammenfassend lässt sich die grüne Olive mit Stein im grünen Salat nicht als ungewöhnlicher äusserer Faktor und damit der erlittene Zahnschaden nicht als Unfall qualifizieren.

Kirschen-Konfitüre

Urteil 9C_553/2013 vom 17.10.2013 (Volltext): Unfallbegriff erfüllt 

 

Wer sich an einem Stein in der entkernten Kirschen-Konfitüre einen Zahn ausbeisst.

 

Ob es sich um hausgemachte oder industriell gefertigte Konfitüre handelt, spielt dabei keine Rolle. Sie habe schon früher von deren Kirschen-Konfitüre gegessen und nie einen Stein darin gefunden. Darauf habe sie vertrauen dürfen.

Olivenbrot: Beutel mit entkerten Oliven

Urteil 9C_985/2010 vom 20.04.2011 (Volltext): Unfallbegriff erfüllt 

 

Versicherte kaufte Beutel mit entkernten Oliven, welche sie zum Backen eines Olivenbrots verwendete. Biss beim Verzehr eines selbstgebackenen Brots auf einen Olivenstein und Bruck eines Zahnes. Entkernte Oliven sollten keine Steine enthalten. Anders könnte das Resultat aussehen, wenn auf der Packung gut sichtbar eine entsprechende Warnung gewesen wäre.

 

Sehen Sie Urteil 8C_191/2018 vom 20.04.2011: Fehlender Hinweis auf der Verpackung führte zur Verneinung des Unfallbegriffs.

Griottes aus Kirschen

Urteil U 8/06 vom 13.03.2006 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Ungewöhnlich war somit nicht der Biss auf den Kirschstein in der "Griotte au Kirsch", sondern die dadurch verursachte Schädigung des Backenzahns. Weil sich das Merkmal der Ungewöhnlichkeit nur auf den äusseren Faktor selbst, nicht aber auf dessen Wirkungen auf den menschlichen Körper bezieht, liegt kein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG vor.

Pizza mit Oliven

Urteil U 454/04 vom 14.02.2006 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Beim Verzehr einer tiefgekühlten Pizza mit Oliven: Man muss damit rechnen, dass sich noch Kerne in den Oliven befinden.

Wild essen

Urteil U 367/04 vom 18.10.2005 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Beim Essen von Wild in einem Restaurant muss damit gerechnet werden, dass sich Reste von Schrot bzw. Projektilen im Fleisch befinden. Ein ungewöhnlicher äusserer Faktor ist zu verneinen.

Beweis des Fremdkörpers in der Nahrung

Fremdkörper verschluckt

Urteil 8C_250/2016 vom 20.06.2018 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Sachverhalt: Beim Essen von Kartoffelgratin auf einen harten Gegenstand gebissen; diesen jedoch verschluckt.

 

4.1. Die blosse Vermutung, der Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, genügt für die Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht genügt (vgl. etwa Urteile 8C_215/2013 vom 4. Juni 2013 E. 3, 8C_1034/2009 vom 28. Juli 2010 E. 4.4.3, 9C_1095/2009 vom 31. März 2010, 8C_1059/2008 vom 27. Februar 2009 E. 4.3, K 155/05 vom 23. November 2005 E. 3, RKUV 2004 Nr. U 515 S. 418, U 64/02 E. 2.2, je mit Verweis auf TURTÈ BAER, Die Zahnschädigung als Unfall in der Sozialversicherung, SJZ 1992, S. 324, mit Hinweisen).

 

Dies treffe insbesondere auch dann zu, wenn der fragliche Gegenstand zwar benannt werde, der entsprechende Nachweis aber nicht erbracht werden könne (Urteil K 155/05 vom 23. November 2005 E. 3 mit Hinweisen). Da die versicherte Person den fraglichen Gegenstand verschluckte und deshalb lediglich die Vermutung anstellen konnte, es habe sich um ein kleines Steinchen gehandelt, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz eine Zahnschädigung durch ein Steinchen als nicht überwiegend wahrscheinlich erachtete.  

Bedeutung eines vorgeschädigten Zahnes

Urteil 8C_750/2015 vom 18.01.2016 (Volltext): Funktionstüchtigkeit genügt 

 

Nicht massgeblich ist, dass der am 29. Juli 2014 verletzte Zahn vorgeschädigt war. Die Annahme eines Unfalles darf nach der Rechtsprechung nicht mit der Begründung ausgeschlossen werden, ein völlig intakter Zahn hätte die Belastung überstanden. Es genügt, dass ein sanierter Zahn für den normalen Kauakt funktionstüchtig ist (BGE 112 V 201 E. 3a S. 204).

Blosse Vermutung eines Fremdköprers

Urteil 8C_215/2013 vom 04.06.2013 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt

 

Beim Nussbrot-Sandwich-Essen Zahn abgebrochen. Unfallbegriff nicht erfüllt: Fremdkörper (Nussschale) nicht rechtsgenügend nachgewiesen.

 

3 ... Die blosse Vermutung, der Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, nicht genügt für die Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors ( Turtè Baer, Die Zahnschädigung als Unfall in der Sozialversicherung, SJZ 1992, S. 324, mit Hinweisen). In diesen Fällen liegt Beweislosigkeit vor, deren Folgen die versicherte Person zu tragen hat, welche aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221 f.; 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweisen), und es besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Eine blosse Vermutung, dass der Schaden durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor eingetreten sei, liegt nach der Rechtsprechung insbesondere auch dann vor, wenn der fragliche Gegenstand zwar benannt wurde, der entsprechende Nachweis aber nicht erbracht werden konnte (RKUV 2004 Nr. U 515 S. 418, U 64/02 E. 2.2.2; RKUV 2004 Nr. U 518 S. 433, U 252/02 E. 6.3).

Beweislosigkeit

Urteil 9C_19/2008 vom 03.06.2008 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt 

 

Der Versicherte hat beim Essen von Butterzopf mit Aprikosenkonfitüre auf einen harten Gegenstand gebissen und sich dadurch einen Zahnschaden zugezogen. Er hat den Fremdkörper, welcher die Schädigung der Zähne verursachte, verschluckt.

 

Es kann nicht mehr rechtsgenüglich festgestellt werden, ob der Zahnschaden durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor verursacht wurde, was für die Bejahung eines Unfalls im Rechtssinne jedoch vorausgesetzt wäre. Es liegt Beweislosigkeit vor. Der Versicherte hat die Folgen aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt - der Verursachung der Zahnschädigung durch einen Fremdkörper - selber zu tragen. -  Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.

Weitere Ereignisse mit geschädigten Zähnen

Zahn am Trinkglas anschlagen

Urteil U 243 vom 08.02.1996 (RKUV 3/1996)

 

Das Anschlagen eines Schneidezahns mit einem Glas beim Trinken stellt nichts Ungewöhnliches dar, selbst wenn dies mit einer gewissen Heftigkeit erfolgt (E. 2b).

Zahnschaden nach Sprung

Urteil 8C_718/2009 vom 30.11.2009 (Volltext)

 

Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt bei einem Versicherten, der anlässlich eines Baustellenbesuchs in eine 80 cm tiefe Grube springt und dabei durch einen Kugelschreiber, den er sich vor dem Sprung in den Mund gesteckt hat, einen vorschädigten, mit einer Amalgamfüllung sanierten Zahn beschädigt.