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Invaliditätsgrad > Invalideneinkommen

Grundsatz

BGE 126 V 75 vom 09.05.2000 (Volltext)

 

Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.

 

Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, können rechtsprechungsgemäss Tabellenlöhne beigezogen werden.

Tatsächliche Verhältnisse

BGE 116 V 253 vom 05.07.1990 (Volltext)

 

Es muss auf den nach Eintritt der Invalidität tatsächlichen erzielten Verdienst abgestellt werden, wenn kumulativ:

  • besonders stabile Arbeitsverhältnisse eine Bezugnahme auf den allgemeinen Arbeitsmarkt praktisch erübrigen;
  • der Versicherte eine Tätigkeit ausübt, bei der anzunehmen ist, dass er die ihm verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft;
  • das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint.

Sind diese Voraussetzungen nicht bzw. teilweise nicht erfüllt, ist auf ein hypothetisches Invalideneinkommen abzustellen.

Urteil 9C_720/2012 vom 11.02.2013 (Volltext): Definition der drei Faktoren

 

Hochrechnung vom tatsächlich erzielten 50 %igen Einkommen auf ein zumutbares 70 %-Penums als Invalideneinkommen ist korrekt.

  • Stabile Arbeitsverhältnisse: Soll verhindern, dass zu Ungunsten der versicherten Person von einem (zu) hohen tatsächlichen Einkommen ausgegangen wird, welches sie nicht ohne weiteres auch in Zukunft verdienen kann.
  • Kein Soziallohn: Zum Vorteil der versicherten Person soll verhindert werden, dass ein Einkommen angerechnet wird, welches nicht überwiegend wahrscheinlich erzielt werden kann.
  • Voll ausgeschöpfte Restarbeitsfähigkeit: Dieses Kriterium dient nicht den Interessen der versicherten Person, sondern denjenigen der Invalidenversicherung, indem sich die versicherte Person nicht auf ein tieferes Einkommen berufen kann, während ihr die Erzielung eines höheren zumutbar wäre.

Restarbeitsfähigkeit

 

Voll ausgeschöpft; d. h. tatsächliche Verhältnisse sind massgebend:

Nicht voll ausgeschöpft; d. h. Schadenminderungspflicht / Anrechnung zumutbare Tätigkeit (LSE):

Teilzeitbeschäftigte

BGE 119 V 481, E 2b vom 22.12.1993 (Volltext): UVG

 

Massgebend ist ein hypothetisches Vollpensum.

 

Analog dem Valideneinkommen muss auch das Invalideneinkommen unabhängig davon bestimmt werden, ob der Versicherte vor dem Unfall eine Teilzeit- oder eine Vollzeitbeschäftigung ausgeübt hat.

Zusatzeinkommen

Urteil 8C_922/2012 E. 5.2 vom 26.02.2013 (Volltext)

 

Sämtliche Bestandteile des Erwerbseinkommens, mithin Nebeneinkünfte und geleistete Überstunden oder Einkommenszusätze sind auch bei der Berechnung des Invalideneinkommens miteinzubeziehen, wenn feststeht, dass die versicherte Person im Hinblick auf ihren Gesundheitszustand in der Lage ist, Arbeiten zu verrichten, die zu solchen Zuschlägen führen.

Urteil U 130/02 vom 29.11.2002 (Volltext)

 

Als Invalideneinkommen ist ein Zusatzeinkommen hingegen nur zu beachten, wenn ein solches trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarer weise noch erzielbar ist.

DAP-Löhne der Suva

Urteil 8C_541/2012 (139 V 592) vom 31.10.2013 (Volltext)

 

DAP-Löhne der Suva sind für die Bestimmung des Invalideneinkommens zulässig. Die DAP- und LSE-Methoden sind gleichwertig.

Salärempfehlungen nur in Ausnahmefällen

Urteil 8C_544/2009 vom 19.10.2009 (Volltext)

 

4.1 Praxisgemäss ist für die Ermittlung des hypothetischen Invalideneinkommens bei Fehlen eines tatsächlich erzielten Erwerbseinkommens grundsätzlich nicht auf die unverbindlichen Empfehlungen des SKV/KV abzustellen, sondern auf die auf tatsächlich erzielten Gehältern beruhenden Tabellenlöhne der LSE (Urteil I 708/06 vom 23. November 2006 E. 4.5 f. mit Hinweisen).

 

Lediglich in Ausnahmefällen können die Salärempfehlungen des SKV/KV beigezogen werden, namentlich wenn diese bereits Grundlage für die Bestimmung des Validenlohnes bildeten (erwähntes Urteil I 708/06 E. 4.6 mit Hinweisen). Diese Voraussetzung liegt hier, wie die SUVA zutreffend vorbringt, nicht vor. Der Einwand in der Vernehmlassung zur Beschwerde, die Salärempfehlungen des SKV/KV beruhten auf alle zwei bis drei Jahre durchgeführten Umfragen bei verschiedenen Unternehmen, mag zutreffen, ändert indessen nichts am genannten Grundsatz. Schliesslich enthalten auch die Erwägungen des angefochtenen Entscheids keine Anhaltspunkte für eine abweichende Beurteilung. Das Vorgehen der Vorinstanz ist daher bundesrechtswidrig.