Hauptinhalt

Invaliditätsgrad > Allgemeine Bestimmungen

In Kürze

Einkommensvergleich:

 

Valideneinkommen: CHF 87'000.00

./. Invalideneinkommen: CHF 52’000.00

= Minderverdienst: CHF 35'000.00

 

IV-Grad: (100 : 87'000) x 35'000 = 40.23 % = 40 %

 

Einkommensvergleich: Zeitidentische Grundlage bei Verfügungserlass

Gesetzliche Bestimmungen

Invalidität

Art. 8 ATSG

 

1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.

 

2 Nicht erwerbstätige Minderjährige gelten als invalid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird.

 

3 Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Artikel 7 Absatz 2 ist sinngemäss anwendbar.

Grad der Invalidität

Art. 16 ATSG

 

Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das

 in Beziehung gesetzt zum

  • Erwerbseinkommen (Valideneinkommen), das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.

Grundsätze

Massgebender Zeitpunkt für den Einkommensvergleich

Urteil 8C_112/220 vom 13.05.2020 E. 6.2 (Volltext): UVG

 

Vorab ist festzuhalten, dass für den Einkommensvergleich zwar die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs massgebend sind. Allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen sind indessen praxisgemäss bis zum Einspracheentscheid zu berücksichtigen (vgl. BGE 143 V 295 E. 4.1.2 und 4.1.3 S. 299 f. mit Hinweisen).

BGE 129 V 222 vom 03.02.2003 (Volltext): IVG

 

Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (vgl. BGE 128 V 174)

Wahl der Bemessungsmethode

Urteil 8C_693/2012 vom 27.03.2013 E. 4.1 (Volltext): Statusfrage

 

Ob eine versicherte Person ohne Gesundheitsschaden als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder aber als nichterwerbstätig einzustufen ist (Statusfrage) - was je zur Anwendung einer anderen Invaliditätsbemessungsmethode

ührt -, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde.

Allgemeine Methode des Einkommensvergleichs

Urteil 8C_768/2009 vom 01.02.2010 E. 3.1.1 (Volltext)

 

Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).

 

Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen (BGE 128 V 29 E. 1 S. 30; Urteil 8C_423/2007 vom 18. März 2008, E. 3.4).

Urteil 8C_384/2016 vom 13.09.2016 E. 5.2 (Volltext): Negativer Einkommensvergleich

 

Negative Invaliditätsgrade können resultieren, da demnach gemäss der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs jener Verdienst, welchen der Versicherte ohne Gesundheitsschaden auf dem konkreten Arbeitsmarkt überwiegend wahrscheinlich erzielen würde, in Beziehung gesetzt wird mit jenem Einkommen, das er trotz des Gesundheitsschadens auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch erzielen könnte. Negative Invaliditätsgrade sind somit eine Folge der Rechtsprechung zur Bemessung des Valideneinkommens und können sich unabhängig von der Methode (LSE oder DAP), nach der das Invalideneinkommen bemessen wird, ergeben. 

Auf- oder Abrunden des Invaliditätsgrades

Urteil 8C_575/2018 vom 30.01.2019 E. 7.1 (Volltext)

 

Das Auf- oder Abrunden hat nach den anerkannten Regeln der Mathematik zu erfolgen. Demnach ist bei einem Ergebnis bis x.49 % auf x % abzurunden und bei Werten ab x.50... % auf x+1 % aufzurunden was den Invaliditätsgrad ergibt (BGE 130 V 121 E. 3.2 S.123).

Berechnungsbeispiele

  • IVG: Ein IV-Grad von 39.4 % ist auf 39 % abzurunden und somit besteht kein Rentenanspruch.
  • UVG: Ein IV-Grad von 9.5 % ist auf 10 % aufzurunden und somit besteht ein Rentenanspruch.