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Invaliditätsgrad > Invalideneinkommen: Kürzung der Tabellenlöhne

Kürzung der Tabellenlöhne

BGE 126 V 75 vom 9.5.2000 (Volltext)

 

Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab:

welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei erlaubt ein Abzug vom statistischen Lohn von insgesamt höchstens 25%, den verschiedenen Merkmalen, die das Erwerbseinkommen zu beeinflussen vermögen, Rechnung zu tragen.

 

Bei der Überprüfung des gesamthaft vorzunehmenden Abzuges, der eine Schätzung darstellt und von der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen. 

Leidensbedingte Einschränkung (in chronologischer Reihenfolge)

Urteil 9C_475/2019 vom 15.11.2019 E. 5.2.2 (Volltext): Vielgestaltige Sehbeschwerden = Abzug 15 %

 

Vielmehr erscheint der Versicherte aufgrund seiner vielgestaltigen Sehbeschwerden auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gegenüber einem gesunden Mitbewerber benachteiligt, indem er nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung hat (vgl. Urteile 8C_334/2018 vom 8. Januar 2019 E. 5.2.2, 8C_91/2018 vom 14. Juni 2018 E. 6.1 und 9C_283/2017 vom 29. August 2017 E. 4.2.5). Dem ist durch einen Abzug vom Tabellenlohn von maximal 15 % Rechnung zu tragen.  

Urteil 9C_447/2019 vom 08.10.2019 E. 4.3.2 (Volltext): Leichte und mittelschwere Tätigkeiten = Kein Abzug

 

Dass die Versicherte nur noch leichte Tätigkeiten zumutbar sind, ist indes kein Grund für einen leidensbedingten Abzug, zumal der Tabellenlohn im hier zugrunde gelegten Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteile 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E. 6.3.2 und 9C_284/2018 vom 17. Juli 2018 E. 2.2.1).

Urteil 8C_799/2018 vom 30.04.2019 E. 4.4 (Volltext): Weniger Flexibel, Absenzen-Risiko = Kein Abzug

 

Das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft, rechtfertigt in aller Regel keinen Abzug vom Tabellenlohn. Der vom Versicherten geltend gemachte zusätzliche Pausenbedarf ist durch das gutachterlich auf 70 % herabgesetzte Rendement ausreichend berücksichtigt. 

Urteil 8C_768/2018 vom 12.04.2019 E. 5.2.3 (Volltext): Im Gutachten berücksichtigt = Kein Abzug

 

Wird der leidensbedingten Einschränkung bereits in der Arbeitsunfähigkeitseinschätzung Rechnung getragen, erfolgt kein Abzug.

Urteil 9C_444/2018 vom 17.10.2018 E. 3.2 (Volltext): Mögliche künftige Absenzen (MS) = Kein Abzug 

 

Den Akten über den bisherigen Verlauf seiner invalidisierenden Multiplen Sklerose lassen sich jedenfalls keine derartigen unvorhersehbaren und unberechenbaren Absenzen vom Arbeitsplatz entnehmen. Der Versicherte selber macht denn auch solches gar nicht geltend. Die abstrakte Möglichkeit künftiger schwer kalkulierbarer Abwesenheiten bei Ausübung einer leidensangepassten Erwerbstätigkeit rechtfertigt keinen Abzug vom Tabellenlohn.

Urteil 8C_58/2018 vom 07.08.2018 E. 5.3 (Volltext):  Faktische Einhändigkeit = Abzug 20 - 25 %

 

Bei der Bemessung der Höhe des Abzuges von 20 % orientierte sich die Vorinstanz an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach eine faktische Einhändigkeit oder Beschränkung der dominanten Hand als Zudienhand einen Abzug von 20 - 25 % zu rechtfertigen vermag und dem Versicherten zudem kein Vollpensum mehr zumutbar ist. ...

Urteil 8C_297/2018 vom 06.07.2018 E. 4.3 (Volltext): Zur AUF von 50 % + 20 % Abzug

 

Die Einschränkung einer anpgassten Tätigkeit beträgt 50 %. Begründung eines zusätzlichen leidensbedingten Abzugs von 20 %: 

  • Borderline-Persönlichkeit
  • Psychische Einschränkungen; d. h. stressfreie Tätigkeit ohne Druck
  • Erhebliche Einschränkungen der dominanten rechten oberen Körperseite
  • Geringe Intelligenz (IQ  73)

Urteil 9C_266/2017 vom 29.05.2018 (Volltext): Unflexibel, psychische Problemstellungen = Kein Abzug

 

3.4.2. ... Dementsprechend kann nach der Gerichtspraxis in der Regel eine psychisch bedingte verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden (Urteil 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1, in: SZS 2015 S. 561 mit Hinweisen), ebenso wenig das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteile 8C_146/2017 vom 7. Juli 2017 E. 5.2.2; 9C_708/2009 vom 19. November 2009 E. 2.3.2, in: SVR 2010 IV Nr. 28 S. 87; 9C_437/2015 vom 30. November 2015 E. 2.4 und 8C_712/2012 vom 30. November 2012 E. 4.2.1).

Urteil 8C_884/2017 vom 24.05.2018 (Volltext): Starke Belastung bei Leistungsfähigkeit berücksichtigt

 

4.2. ... Soweit es auf Limitierungen beim Heben, Tragen und Bewegen von Lasten und auf die Notwendigkeit der Vermeidung einer übermässigen Beanspruchung des rechten Arms hinweist, wird dies bereits mit der Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 20 % berücksichtigt. 

Urteil 8C_179/2018 vom 22.05.2018 (Volltext): Schwer kalkulierbare Absenzen / Krankheitsschübe = 10 % 

 

4.2. Der IV-Stelle ist insofern beizupflichten, als nach der Rechtsprechung regelmässig wiederkehrende krankheitsbedingte Absenzen vom Arbeitsplatz grundsätzlich bei der Festlegung des zeitlich zumutbaren Umfangs der Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen sind (Urteile 8C_631/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.4.1, 9C_462/2007 vom 25. Januar 2008 E. 3.2.2).

 

Diese Regel gilt indessen nicht ausnahmslos. Nicht vorhersehbare und schwer kalkulierbare Absenzen, wie sie durch Krankheitsschübe verursacht werden, können einen Tabellenlohnabzug rechtfertigen (Urteile 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E. 4.3 und 9C_728/2009 vom 21. September 2010 E. 4.3.1). 

Urteil 8C_744/2017 vom 14.05.2018 (Volltext): Einhändigkeit. obere Extremitäten = 20 - 25 %

 

5.2. Bei der Bemessung der Höhe des Abzugs orientierte sich das kantonale Gericht (wie gezeigt) an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach eine faktische Einhändigkeit oder Beschränkung der dominanten Hand als Zudienhand einen Abzug von 20 bis 25 % zu rechtfertigen vermag (Urteil 9C_418/2008 vom 17. September 2008 E. 3.3.2 und 3.3.3 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 8C_670/2015 vom 12. Februar 2016 E. 5.2).

 

Angesichts dieser Praxis und mit Blick auf die erheblichen Einschränkungen des Versicherten an beiden oberen Extremitäten erweist sich ein leidensbedingter Abzug von 20 % nicht als überhöht, so dass dem kantonalen Gericht auch keine rechtsfehlerhafte Ermessensausübung vorgeworfen werden kann.  

Urteil 9C_833/2017 vom 20.04.2018 E. 2.2 (Volltext): Keine doppelte Anrechnung

 

Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (vgl. Urteil 9C_217/2017 vom 21. Dezember 2017 E. 4.2 mit Hinweis).

 

Bestätigung der Rechtsprechung: Urteil 8C_586/2019 vom 24.01.2020 E. 5.3.2

Urteil 8C_558/2017 vom 01.02.2018 (Volltext): Reduzierte Leistungsfähikgeit / Voraussetzungen für Abzug

 

5.3.1. Dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Person gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, rechtfertigt an sich noch keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil 9C_728/2009 vom 21. September 2010 E. 4.3.2, in: SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90 mit Hinweisen).

 

Bestehen jedoch über das ärztlich beschriebene Beschäftigungspensum hinaus zusätzliche Einschränkungen, wie ein vermindertes Rendement pro Zeiteinheit wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein Bedarf nach ausserordentlichen Pausen, oder ist die funktionelle Einschränkung ihrer besonderen Natur nach nicht ohne weiteres mit den Anforderungen vereinbar, wie sie sich aus den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen ergeben, kann dies bei der Bemessung des leidensbedingten Abzugs vom statistischen Tabellenlohn berücksichtigt werden (Urteil 8C_163/2015 vom 16. Juni 2015 E. 3.2.2 mit Hinweisen).

 

Solche zusätzlichen, leidensbedingten Beeinträchtigungen sind vorliegend nicht erkennbar, so dass ein Abzug unter diesem Titel nicht angezeigt erscheint.  

Urteil 8C_447/2017 vom 17.01.2018 (Volltext): Schwere Beeinträchtigung der Flexibilität = 15 %

 

5.5.2. ... Vorliegend gilt es allerdings zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin wegen ihrer eben beschriebenen Einschränkungen nicht in jeder kaufmännischen Tätigkeit eingesetzt werden kann; insbesondere fallen Tätigkeiten mit zahlreichen Aussenkontakten ausser Betracht. Ihre Stellensuche wird dadurch zusätzlich erschwert. Dies gilt im Übrigen auch für andere Tätigkeiten, die ihrem Bildungsniveau entsprechen, weil die Einschränkungen alle Lebensbereiche betreffen. Mit andern Worten steht ihr selbst auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt lediglich ein beschränktes Spektrum an Tätigkeiten zur Auswahl. Daher ist ein leidensbedingter Abzug von 15 % angebracht.  

Urteil 8C_319/2017 vom 06.09.2017 (Volltext): Zur AUF von 40 % + 10 % Abzug

 

Die körperlichen Limitierungen sind zusätzlich zu der infolge des erhöhten Pausenbedarfs um 40 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in Betracht zu ziehen (vgl. Urteil 8C_548/2010 vom 23. Dezember 2015 E. 5.3.2).

 

Zudem ist die Versicherte beim Gehen auf zwei Gehstöcke angewiesen (vgl. E. 2 hievor), woraus ebenfalls eine weitergehende Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit über den erhöhten Pausenbedarf hinaus resultiert (vgl. Urteil 8C_569/2009 vom 19. März 2010 E. 2.2.3). Diese Einschränkungen des Leistungsprofils fallen hier erheblich ins Gewicht. Denn die bisher rein stehend und ausschliesslich körperlich arbeitende Versicherte ohne vielseitige Arbeitserfahrung an unterschiedlichen Stellen kann aufgrund ihrer gesundheitsbedingten Defizite ohne Berufsbildung bei unqualifizierten Hilfstätigkeiten des untersten Anforderungs- bzw. Kompetenzniveaus auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt insgesamt nur mit einem unterdurchschnittlichen erwerblichen Erfolg rechnen (E. 3.3.2.1.)

Urteil 8C_693/2014 vom 22.01.2015 (Volltext): Zeitdruck meiden = Kein Abzug

 

Gemäss E. 4.2.2. rechtfertigt 'lediglich ausserordentlichen Zeitdruck zu meiden', keinen Abzug vom Tabellenlohn.

Urteil 8C_558/2013 vom 02.04.2014 E. 4.3 (Volltext): Vermehrte Pausen = Kein zusätzlicher Abzug

 

Bei einer Bestimmung des Invalideneinkommens aufgrund der Zahlen der LSE drängt sich kein Abzug auf, zumal die leidensbedingten Einschränkungen (Leistungseinbussen durch einen vermehrten Pausenbedarf) bereits bei der zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 65 % berücksichtigt worden sind.

Urteil 8C_711/2012 vom 16.11.2012 E. 4.2.2 (Volltext): Rasche Ermüdbarkeit = Kein Abzug

 

Rasche Ermüdbarkeit, Unmöglichkeit, Überstunden zu leisten sowie schwankende Leistungsfähigkeit aus psychischen Gründen: Diese pauschalen Einwände rechtfertigen keinen höheren Abzug. Bei psychisch bedingten Rücksichtnahmen handelt es sich nicht um einen eigenständigen abzugsfähigen Umstand.

Urteil 9C_126/2011 vom 08.07.2011 E. 5.2 (Volltext): Leicht reduziert leistungsfähig = Kein Abzug

 

Dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Person gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, rechtfertigt an sich keinen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. Urteile 8C_827/2009 vom 26. April 2010 E. 4.2.1, 9C_980/2008 vom 4. März 2009 E. 3.1.2, 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 4.3.3, 9C_344/2008 vom 5. Juni 2008 E. 4 und I 69/07 vom 2. November 2007 E. 5.1; vgl. aber auch SVR 2010 IV Nr. 28 S. 87, 9C_708/2009 E. 2.5). ... 

Urteil 9C_422/2011 vom 19.09.2011 (Volltext): Arbeitstempo / Müdigkeit = 5 - 15 %

 

Leidensbedingter Abzug von 5 - 15 % für das langsamere Arbeitstempo und den Bedarf von vermehrten Pausen wegen Müdigkeit. 

Urteil 8C_548/2010 vom 23.12.2010 (Volltext): Wechselbelastung = 10 %

 

Der UVG-Versicherer verkennt, dass nicht nur die invaliditätsbedingte Limitierung auf eine Teilzeitarbeit im Umfang eines Pensums von 65%, sondern auch die dabei zu beobachtenden Einschränkungen hinsichtlich Wechselbelastung zusätzlich als lohnsenkender Einflussfaktor mitzuberücksichtigen sind (vgl. E. 5.2.2 i.f.). Resultat 10 % Abzug

Urteil 8C_536/2010 vom 22.10.2010 (Volltext): Berufskrankheit = Kein Abzug

 

Nichteingnungsverfügung für Arbeiten mit Kontakt mit Mineralölen. Trotz zusätzlicher Einschränkungen bei Arbeiten mit Metall- und Wasserkontakt rechtfertigt sich bei der Berechnung des Invalideneinkommens kein leidendsbedingter Abzug. 

Urteil U 240/99 vom 07.08.2001 (Volltext): Faktisch Einhänder = 25 %

 

3 cc) ... Der Beschwerdeführer ist faktisch Einhänder. Die betroffene Hand ist die dominante rechte. Diese kann er nicht nur kräftemässig, sondern auch von der Motorik her lediglich in stark eingeschränktem Masse gebrauchen. Insbesondere führt zu häufiges Schreiben zu schmerzhaften Verkrampfungen der rechten Hand. Zu berücksichtigen ist sodann, dass es dem Versicherten trotz Einsatzwillen nicht gelungen ist, die Handelsschulausbildung erfolgreich zu beenden. Wenn auch nicht davon gesprochen werden kann, es bestünden realistischerweise keine Einsatzmöglichkeiten in der freien Wirtschaft, sind der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit doch enge Grenzen gesetzt, indem praktisch alle produktionsnahen Tätigkeiten ausser Betracht fallen und zahlreiche dem Dienstleistungssektor zuzuordnende Beschäftigungen lediglich in stark eingeschränktem Umfang ausübbar sind.

 

Resultat: 100 % Arbeitsfähigkeit mit einem leidensbedingten Abzug von  25 %

Beschäftigungsgrad

Urteil 8C_699/2017 vom 26.04.2018 E. 3.1 (Volltext): Teilzeit Männer 70 % = Kein Abzug

 

Aktualisiert mit T18 (2016): Bei einem Teilzeitpensum von 70 % wurde kein Abzug berücksichtigt. Aktuell resultiert aus der Tabelle T18 (2016) bei Teilzeitbeschäftigung im Bereich 50-74 % eine Einbusse von 4.1 % (Männer) und 4.9 % (Frauen). Das Bundesgericht hat diese Einbussen als nicht überproportionale Lohneinbusse gewertet und nicht mit einem Leidensabzug korrigiert.

 

Sehen Sie auch: Urteil 8C_805/2016 vom 22.03.2017 E. 3.2

Urteil 9C_808/2015 vom 29.02.2016 (Volltext): Teilzeit Männern 67.5 bis 75 % = 10 %

 

3.3.2. Kann der Versicherte seine Arbeitsfähigkeit (vorliegend: 67.5 %) nicht vollschichtig umsetzen, ist praxisgemäss ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen, weil Teilzeitarbeit bei Männern statistisch gesehen vergleichsweise weniger gut entlöhnt wird als eine Vollzeittätigkeit. Dem Beschwerdegegner ist gemäss verbindlicher Feststellung der Vorinstanz ein Pensum von sechs Stunden täglich (entsprechend einem 75 %-Pensum) zumutbar. Das kantonale Gericht hat demnach in Anbetracht des reduzierten Beschäftigungsgrades grundsätzlich zu Recht einen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen; ...

Urteil 9C_158/2016 vom 05.04.2016 (Volltext): Teilzeit Männer 80 % = Kein Abzug

 

4.2.2. ... Schliesslich ist der Versicherte in der Lage, die gutachtlich bescheinigte 80 %ige Arbeitsfähigkeit vollschichtig auszuüben mit reduziertem Rendement und leicht erhöhtem Pausenbedarf. In dieser Konstellation ist kein Abzug wegen Teilzeitarbeit vorzunehmen (...). 

Urteil 8C_504/2014 vom 29.09.2014 (Volltext): Teilzeit Frauen = Kein Abzug

 

Soweit die Versicherte einen Abzug vom Tabellenlohn verlangt, weil sie nur noch teilzeitlich arbeiten könne, ist dem entgegenzuhalten, dass die LSE-Statistik 2010 bei Teilzeitarbeit von Frauen im Anforderungsniveau 3 höhere Löhne als bei Vollbeschäftigung ausweist, weshalb kein entsprechender Abzug gerechtfertigt ist (E. 7.).

Urteil 9C_653/2011 E. 4.5 vom 16.12.2011 (Volltext): Teilzeit Männer 61 % = 5 %

 

Im Rahmen eines IV-Grades von 39 % eines Versicherten ist unter dem Titel eines reduzierten Beschäftigungsgrades ein Abzug des Tabellenlohnes für das Invalideneinkommen von 5 % gerechtfertigt. 

Urteil 9C_643/2010 vom 27.12.2010 (Volltext): Teilzeit Männern 25 - 49 % = Mind. 15 %

 

Unter dem Titel Beschäftigungsgrad im Besonderen wird bei Männern, welche gesundheitlich bedingt lediglich noch teilzeitlich erwerbstätig sein können, ein Abzug anerkannt. Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass bei Männern statistisch gesehen Teilzeitarbeit vergleichsweise weniger gut entlöhnt wird als eine Vollzeittätigkeit (E. 3.1.). - 2006 erzielten Männer in einfachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) bei einem Arbeitspensum zwischen 50 und 74 % aufgerechnet auf ein Vollzeitpensum durchschnittlich ein um 9,07 % tieferes Einkommen als Vollzeitbeschäftigte; bei einem Arbeitspensum zwischen 25 und 49 % betrug die Einbusse gar 18,34 % (LSE 2006 Tabelle T2*) (E. 3.4.). 

Alter

Urteil 8C_841/2017 vom 14.05.2018 (Volltext): Alter und Parallelisierung nicht doppelt berücksichtigen

 

Vorliegend ist entscheidend, dass das Alter der Beschwerdegegnerin schon bei der Parallelisierung des Valideneinkommens mitberücksichtigt worden ist, da es die Flexibilität zum Wechsel in eine durchschnittlich bezahlte Stelle erheblich vermindert. Eine doppelte Berücksichtigung ist nicht möglich (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327).

Urteil 8C_558/2017 vom 01.02.2018 (Volltext): Alterssegment ab 40 Jahre eher lohnerhöhend

 

5.3.2. Weiter kommt dem Alter im Zusammenhang mit dem Leidensabzug nur beschränkte Bedeutung zu. Zum einen fällt der Umstand, dass die Stellensuche altersbedingt erschwert sein mag, als invaliditätsfremder Faktor regelmässig ausser Betracht. Ausserdem steht fest, dass sich das Alter bei Frauen im Alterssegment von 40 bis 64/65 bei Stellen ohne Kaderfunktion eher lohnerhöhend auswirkt. ...

 

Bestätigung der Rechtsprechung: 8C_327/2018 vom 31.08.2018 E. 4.4.2

Urteil 8C_439/2017 vom 06.10.2017 (Volltext): Vorgerücktes Alter

 

5.6.4. Die im Urteil 8C_754/2015 offen gelassene Frage, ob das Merkmal "Alter" in der obligatorischen Unfallversicherung grundsätzlich überhaupt einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen könnte, oder ob die Einflüsse der Altersfaktoren auf die Erwerbsfähigkeit in diesem Versicherungsbereich allein im Rahmen einer Anwendung der Sonderregelung von Art. 28 Abs. 4 UVV Berücksichtigung finden, musste das Bundesgericht im Urteil 8C_307/2017 nicht beurteilen. Sie kann auch im vorliegenden Fall offen bleiben, da die Voraussetzungen für einen altersbedingten Abzug vom Tabellenlohn ohnehin nicht erfüllt sind. Ob das Merkmal "Alter" einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände des Einzelfalls zu prüfen (Urteile 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.2; 9C_334/2013 vom 24. Juli 2013 E. 3). Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswirken muss. Hilfsarbeiten werden auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (Urteile 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1; 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3). ...

Urteil 9C_808/2015 E. 3.4.2. vom 29.02.2016 (Volltext): Nicht lohnsenkend

 

Da Hilfsarbeiten auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) altersunabhängig nachgefragt werden, wirkt sich der Faktor Alter nicht (zwingend) lohnsenkend aus.

 

Einfache und repetitive Tätigkeiten erfordern sodann weder gute Sprachkenntnisse noch ein besonderes Bildungsniveau.

Dienstjahre

Urteil 9C_874/2014 vom 02.09.2015 (Volltext): Keine relevante Bedeutung

 

3.3.2. Die Rechtsprechung trägt dem Umstand, dass die Lohnhöhe oft von der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängt, womit eine versicherte Person, welche - nach dem gesundheitlichen Verlust der bisherigen Stelle - in einem Betrieb neu anfangen muss, insofern kaum einen allgemeinen Durchschnittslohn erhalten wird, mit dem Kriterium "Dienstjahre" Rechnung. Jedoch ist in dieser Hinsicht zu berücksichtigen, dass sich das Anfangseinkommen im Rahmen einer neuen Arbeitsstelle in der Regel nicht isoliert nach der Anzahl Dienstjahre, sondern u.a. auch aufgrund der mitgebrachten Berufs- bzw. Branchenerfahrungen bestimmt.

 

Die Bedeutung der Dienstjahre nimmt im privaten Sektor ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist. Im Rahmen des Anforderungsniveaus 4 kommt der langen Betriebszugehörigkeit praxisgemäss keine relevante Bedeutung zu (...).

Urteil 8C_805/2016 vom 22.03.2017 (Volltext): Unbedeutende Rolle

 

3.3. ... Der Versicherte war vor seiner Berentung mehrere Jahre als Maschinenführer und anschliessend während rund zwei Jahren als Koch im familieneigenen Imbissstand tätig gewesen. Seit 2001 geht er keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. Er verfügt über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Für ihn kommen (im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils) daher Hilfsarbeitertätigkeiten im untersten Kompetenzniveau in Betracht. Deshalb spielt hier das Kriterium der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt nur eine unbedeutende Rolle und vermag einen Abzug nicht zu rechtfertigen. 

Nationalität / Aufenthaltskategorie

BGE 146 V 16 vom 18.12.2020 (Volltext): Grenzgängerstatus

 

Das Bundesgericht qualifiziert den Grenzgängerstatus in ständiger Rechtsprechung unter dem Kriterium "Nationalität/Aufenthaltskategorie" als potenziell abzugsrelevant (E. 6.1).

Urteil 9C_857/2017 vom 24.08.2018 E. 4.3.2 (Volltext): Kein Abzug

 

Was den Ausländerstatus anbelangt, ist ebenfalls kein Abzug angezeigt, verdienen doch Frauen mit Niederlassungsbewilligung (Kategorie C) ohne Kaderfunktion zwar weniger als Schweizerinnen, aber dennoch mehr als das für die Invaliditätsbemessung herangezogene Durchschnittseinkommen (vgl. Urteil 9C_81/2011 vom 28. März 2011 E. 4.3). Im Übrigen weist die IV-Stelle zu Recht auf die Rechtsprechung gemäss Urteil 8C_484/2008 vom 4. Juni 2009 E. 5.2.2 hin (siehe auch Urteil 9C_717/2009 vom 20. Oktober 2009 E. 4), wonach die allenfalls lohnmindernde Auswirkung des Ausländerstatus, die mittels 'Parallelisierung' schon berücksichtigt wurde, nicht zusätzlich noch einen leidensbedingten Abzug begründen kann.  

Urteil 9C_266/2017 vom 29.05.2018 E. 3.4.4 (Volltext): Sprachschwierigkeiten > Kein Abzug

 

Ebenfalls nicht abzugsrelevant sind die von ihm angeführten sprachlichen Schwierigkeiten, da Hilfsarbeitertätigkeiten keine guten Kenntnisse der deutschen Sprache erfordern (Urteile 9C_777/2015 vom 12. Mai 2016 E. 5.3; 9C_426/2014 vom 18. August 2014 E. 4.2).