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Versicherter Verdienst für das Taggeld > Zukünftige Lohnerhöhung

Gesetzliche Bestimmung

Zukünftige Lohnerhöhung

Art. 23 Abs. 7 UVV

 

Hat die Heilbehandlung

  • wenigstens drei Monate gedauert

und wäre der Lohn des Versicherten in dieser Zeit

  • um mindestens 10 Prozent erhöht worden,

so wird der massgebende Lohn für die Zukunft neu bestimmt.

Rechtsprechung und Praxis in chronologischer Reihenfolge

Lohnerhöhung vor dem Unfall vereinbart oder schicksalhafte Gründe

Urteil 8C_722/2012 vom 04.12.2012 E. 1 (Volltext)

 

Nach der Rechtsprechung wird auch eine Neuberechnung des Taggeldes vorgenommen, wenn sich der massgebende Lohn auf Grund einer bedeutsamen Änderung des Arbeitspensums erhöht hätte,

  • wobei diese Änderung bereits vor dem Unfall voraussehbar gewesen sein muss,
  • ausser sie sei auf unvorhersehbare, schicksalhafte Gründe

wie etwa Tod, Invalidität oder Konkurs des Ehepartners zurückzuführen (RKUV 1994 Nr. U 201 S. 271 E. 3a; vgl. auch RKUV 1994 Nr. U 195 S. 210 E. 3b). ...

Höchstbetrag des versicherten Verdienstes als Grenze der Anpassung

Urteil U 384/01 vom 02.12.2004 (Volltext)

 

Die Grenze für eine Anpassung bildet der im Zeitpunkt des Unfalles massgebliche Höchstbetrag des versicherten Verdienstes gemäss Art. 22 Abs. 1 UVV.

Blosse Wünsche und einseitige Absichtserklärungen genügen nicht

Urteil U 201 vom 13.06.1994, RKUV 4/1994 (Volltext)

 

Die im Rahmen dieser Bestimmung bedeutsame Änderung des Arbeitspensums muss bereits vor dem Unfall voraussehbar gewesen sein, sei es aufgrund arbeitsvertraglicher Abreden, sie es aus anderen Gründen, blosse Wünsche und einseitige Absichtserklärungen genügen nicht. Einzig dort kann auf dieses Erfordernis verzichtet werden, wo die Ausdehnung der Arbeitszeit auf unvorhersehbare, schicksalhaft Gründe (Tod, Invalidität, Konkurs des Ehepartners etc.) zurückgeht (Erw. 3a, vgl. auch RKUV 1994 U 195).

Kinderzulagen gelten nicht als Lohnerhöhung

Urteil U 252/03 vom 23.03.2004 E. 2.2 (Volltext)

 

Kinderzulagen infolge Geburt gelten nicht als Lohnerhöhung.

Auch bei Erhöhungen der Arbeitszeit anwendbar

Urteil U 195 vom 21.03.1994 E. 5, RKUV 4/1994 (Volltext)

 

Art. 23 Abs. 7 UVV ist nicht nur bei Lohnerhöhungen, sondern auch bei Erhöhungen der Arbeitszeit anwendbar. Es ist im Rahmen der ihm obliegenden Mitwirkungspflichten Sache des Versicherten, mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit darzutun, dass eine Erhöhung erfolgt wäre, wenn kein Unfall eingetreten wäre.

Wegfall der dreimonatigen Frist bei Lehrabschluss

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 20/1984 (Volltext)

 

Wenn ein Lehrling einen Unfall erleidet, der zu einer Arbeitsunfähigkeit führt, die sich über den Lehrabschluss hinauszieht, so ist auf das Erfordernis der dreimonatigen Heilbehandlungsdauer zu verzichten.