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Versicherter Verdienst für das Taggeld > Saisonbeschäftigung

Gesetzliche Bestimmung

Saisonbeschäftigung

Art. 23 Abs. 4 UVV

 

Für einen Versicherten, der während einer Saisonbeschäftigung einen Unfall erleidet, gilt Artikel 22 Absatz 3. Ereignet sich der Unfall in der Zeit, in der er nicht erwerbstätig ist, so wird der im vorangegangenen Jahr tatsächlich erzielte Lohn durch 365 geteilt.

Praxis

UVG Ad-Hoc-Empfehlungen

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 06/85 (Volltext)

 

Von einer Saisonbeschäftigung im Sinne von Art. 23 Abs. 4 UVV kann dann gesprochen werden, wenn sie an eine bestimmte Jahreszeit gekoppelt ist oder von der Jahreszeit entsprechenden Verhältnissen, wie insbesondere der Witterung, abhängt. Ferner liegt eine Saisonbeschäftigung auch dann vor, wenn eine Tätigkeit regelmässig während einer bestimmten Zeit im Jahr ausgeübt wird, ohne dass sie zwingend von der Jahreszeit abhängen muss (vgl. BG-Urteil 8C_241/2009). Leistet ein Arbeitnehmer hingegen pro Jahr mehrere Arbeitseinsätze unterschiedlicher Dauer und verteilt über einzelne, jährlich verschiedene Monate, so liegt eine unregelmässige Tätigkeit im Sinne von Art. 23 Abs. 3 UVV vor.

 

Ereignet sich der Unfall während der Saison bzw. während der Arbeitsperiode, gilt bei einem saisonalen Arbeitsverhältnis als Lohnbasis der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, der auf ein volles Jahr umgerechnet wird, wobei die Dauer des Arbeitsverhältnisses unerheblich ist. Ereignet sich der Unfall ausserhalb der Arbeitsperiode (innerhalb der Nachdeckung), gilt der in den letzten 12 Monaten vor dem Unfall tatsächlich erzielte Verdienst als Jahreslohn.

 

Demgegenüber wird bei unregelmässigen Arbeitsverhältnissen oder starken Lohnschwankungen gemäss Art. 23 Abs. 3 UVV auf einen angemessenen Durchschnittslohn pro Tag abgestellt, während bei Temporärbeschäftigten in der Regel der im letzten Einsatzvertrag abgemachte Lohn massgebend ist (vgl. Art. 23 Abs. 3bis UVV und Ad-hoc-Empfehlung Nr. 03/84).

UVG Ad-Hoc-Empfehlung 12/83 (Volltext)

  

Als "im vorangegangenen Jahr tatsächlich erzielter Lohn" gilt der gesamte im vorausgegangenen Jahr bei einem UVG-Träger versicherte Lohn (gleichgültig, ob obligatorische oder freiwillige Versicherung vorliegt), UVV Art. 23 Abs. 4 und Abs. 5 werden somit kumulativ angewendet.

Weitere Informationen zur Saisonbeschäftigung

Urteil 8C_241/2009 vom 01.10.2009 E. 5: Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch sei eine Saisonarbeit an eine bestimmte Jahreszeit oder an mit der Jahreszeit zusammenhängende Verhältnisse, wie insbesondere Witterungsverhältnisse, gebunden (z.B. Tätigkeit als Skilehrer; BGE 128 V 298 E. 3b S. 303). Über den allgemeinen Sprachgebrauch hinaus gehe die Rechtsprechung auch dann von einer Saisonbeschäftigung aus, wenn eine Tätigkeit regelmässig während einer bestimmten Zeit im Jahr ausgeübt werde, ohne zwingend von der Jahreszeit abzuhängen; in diesem Sinne sei die Tätigkeit als Bauarbeiter jeweils während den Wintermonaten als Saisonbeschäftigung qualifiziert worden (RKUV 1988 Nr. U 45 S. 214 ff.).

Eine Saisonbeschäftigung ist nicht nur für typische Saisonberufe wie Skilehrer, Berführer, Bademeister usw. gegeben. Auch eine andere Tätigkeit, welche jeweils nur während einer bestimmten Zeit ausgeübt wird, kann dann eine Saisontätigkeit sein, wenn nie beabsichtigt war, diese über das Mass einer Saisonbeschäftigung hinaus auszudehnen (RKUV 1988 U 45 S. 214).

Das Saisonnierstatut von 1934 wurde 1991 für Personen von ausserhalb der Europäischen Gemeinschaft (EG) aufgehoben. Nach dem Inkrafttreten des Personenfreizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der Europäischen Union am 1.6.2002 verlor das Saisonnierstatut auch für EU-Bürger seine Gültigkeit. Nach der Revision des ANG und dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer im Jahre 2005 ist der Aufenthalt von Ausländern in der Schweiz neu geregelt worden. Die Einführung eines neuen Saisonnierstatuts wurde vom Parlament 2004 abgelehnt.

Berechnungsbeispiele

Die Saison dauert vom 1. April bis 30. September (6 Monate); AHV-Lohn: Fr. 4'000.00 pro Monat.

 

Unfall am 10. April (während der Saison)

Lösung: Der versicherte Verdienst beträgt: 12 x Fr. 4'000.00 = Fr. 48'000.00.

 

Unfall am 10. Oktober (in Nachdeckung)

Lösung: Der versicherte Verdienst beträgt: 6 x Fr. 4'000.00 = Fr. 24'000.00

 

Unfall am 12. Dezember (ohne Abredeversicherung)

Lösung: Keine Deckung

 

Unfall am 12. Dezember (mit Abredeversicherung)

Lösung: Der versicherte Verdienst beträgt: 6 x Fr. 4'000.00 = Fr. 24'000.00