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Versicherter Verdienst für die Rente > Berufliche Ausbildung

Berufliche Ausbildung

Art. 24 Abs. 3 UVV

 

Bezog der Versicherte wegen beruflicher Ausbildung am Tage des Unfalles nicht den Lohn eines Versicherten mit voller Leistungsfähigkeit derselben Berufsart, so wird der versicherte Verdienst von dem Zeitpunkt an, da er die Ausbildung abgeschlossen hätte, nach dem Lohn festgesetzt, den er im Jahr vor dem Unfall als voll Leistungsfähiger erzielt hätte.

Grundsatz

Urteil 8C_530/2009 vom 1.12.2009 (Volltext)

 

5.2 Nach der Rechtsprechung (RKUV 2002 Nr. U 455 S. 145, U 30/01 E. 3b mit Hinweis; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 399 S. 378, U 245/98 E. 2b) und Lehre (MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 332 f.) verlangt der klare Wortlaut von Art. 24 Abs. 3 UVV, dass die Entlöhnung der die Versicherung bedingenden Tätigkeit "wegen der Ausbildung" niedriger ist als der Lohn des "voll Leistungsfähigen derselben Berufsart". Die berufliche Ausbildung selbst muss ursächlich kausal sein für den kleineren, berufsunüblichen Lohn. Ausserdem muss die versicherte Erwerbstätigkeit, d.h. die versicherte Ausbildungszeit, die gleiche sein wie die zukünftige Erwerbstätigkeit der frisch ausgebildeten Berufskameraden.

Voll leistungsfähig

Urteil 8C_530/2009 vom 1.12.2009: Definition ’voll leistungsfähig’ (Volltext)

 

5.3 Als "voll leistungsfähig" im Sinne von Art. 24 Abs. 3 UVV gelten jene Versicherten, die ihr primäres Ausbildungsziel erreicht haben und ihren Beruf normal ausüben können. Die Verordnungsbestimmung bezweckt einzig, die Versicherten von dem Moment an, da sie ihr volles Leistungsvermögen erreicht hätten, in gleicher Weise zu behandeln, wie wenn die berufliche Ausbildung im Zeitpunkt des Unfalles beendet gewesen wäre, wobei die volle Leistungsfähigkeit in derselben - primären - Berufsart gemeint ist, weil die berufliche Ausbildung selbst ursächlich kausal für den kleineren, berufsunüblichen Lohn sein muss (...).

 

Mit der Sonderregel soll verhindert werden, dass ein Versicherter, der vor Beendigung der beruflichen Grundausbildung einen viel kleineren Lohn als die ausgebildeten Berufskollegen bezieht, Zeit seines Lebens eine wesentlich geringere Rente als diese bekäme. In diesem Fall müssen der versicherte Verdienst und damit auch die Rente so angehoben werden, wie wenn der Versicherte die berufliche Grundausbildung abgeschlossen hätte und ein "voll Leistungsfähiger" wäre. Ist das primäre Ausbildungsziel jedoch erreicht und kann die versicherte Person ihren Beruf normal ausüben, muss der versicherte Verdienst nach der Grundregel von Art. 15 Abs. 2 UVG berechnet werden. Die Grundregel gilt auch, wenn die versicherte Person sich später spezialisieren und eine höhere Ausbildungsstufe erreichen will. Die berufliche Weiterbildung kann nicht mehr mit der Berufslehre junger Leute verglichen werden (MAURER, a.a.O., S. 332 f.; Urteile U 360/01 vom 7. Juli 2003 E. 3 und U 286/01 vom 8. März 2002 E. 3b/bb). ….

Beispiele ohne Anwendung von Art. 24 Abs. 3 UVV

Urteil 8C_530/2009 vom 1.12.2009 (Volltext)

  • Abgeschlossene Lehre als Elektromechaniker
  • Unfall während der Zusatzausbildung zum Eletrotechniker
  • Resultat: Keine Anwendung von Art. 24 Abs. 3 UVV

Urteil U 360/01 vom 7. Juli 2003 (Volltext)

  • Abgeschlossene Lehre als Elektromechaniker
  • Unfall während der Weiterbildung zum Helikoptermechaniker
  • Resultat: Keine Anwendung von Art. 24 Abs. 3 UVV

Urteil U 286/01 vom 8. März 2002 (Volltext)

  • Abgeschlossene Lehre als Maurer
  • Unfall während der Vorbereitungsschule zur Ausbildung zum Polier
  • Resultat: Keine Anwendung von Art. 24 Abs. 3 UVV

Studenten

Ein Jura-Student, der während des Studiums als Lagerist arbeitet, hat keinen niedrigeren Lohn wegen seiner Ausbildung (er verdient nicht einen berufsunüblichen Lohn, sondern verdient bloss weniger, weil er wegen des Studiums nicht häufiger arbeiten kann) und diese Arbeit als Lagerist steht zudem nicht in Verbindung mit seinem angestrebten Berufsziel als Jurist/Anwalt. Demzufolge wird auch nur der innerhalb des Jahres vor dem Unfall als Lagerist tatsächlich erzielte Verdienst berücksichtigt.

 

Anders ist der Fall wenn er nach dem Studium Anwaltspraktika absolviert und dabei verunfallt. Der geringe berufsunübliche Lohn ist eindeutig ausbildungsbedingt und seine Ausbildung entspricht effektiv seiner angestrebten zukünftigen Berufsart. Somit wird sein versicherter Verdienst von dem Zeitpunkt an, in dem er die Praktika abgeschlossen hätte, nach dem Lohn festgesetzt, den er im Jahr vor dem Unfall als voll leistungsfähiger Anwalt verdient hätte (RKUV 2000 Nr. U 399 S. 378 ff., RKUV 1999 Nr. U 322, S. 91 ff.)

Auszubildender

 

Der Lohn eines voll Leistungsfähigen bemisst sich nach den Lohnverhältnissen des Betriebs, in dem der Versicherte als Lehrling arbeitet, unabhängig davon, ob nach dem Lehrabschluss ein Stellenwechsel erfolgt. 

Schnupperlehrling

BGE 124 V 301 vom 60.6.1998  (Volltext)

 

Versicherter Verdienst für die Bemessung der Invalidenrente eines Schnupperlehrlings. Hinsichtlich des versicherten Verdienstes eines Schnupperlehrlings weist die UVV eine echte Lücke auf. Zu deren Schliessung ist auf die nach Alter abgestuften Prozentsätze der Durchschnittslöhne abzustellen, die gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV für die Festsetzung des hypothetischen Einkommens ohne Invalidität von Versicherten, die invaliditätsbedingt keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten, massgebend sind.